ChatGPT kann seit Anfang Januar direkt auf Apple‑Health‑Daten zugreifen. Ein aktueller Test zeigt, wie riskant das für eure Gesundheit und eure Nerven werden kann.
Apple Health trifft KI – und scheitert
Seit dem 7. Januar 2026 lässt sich Apple Health mit ChatGPT verbinden, ähnlich wie bereits mit Notiz‑Apps oder Entwicklungsumgebungen wie Xcode. In diesen Fällen sind Fehler meist nur lästig: Eine Notiz enthält falsche Infos oder ein Xcode‑Projekt lässt sich nicht kompilieren und wirft Fehlermeldungen aus.
Bei Gesundheitsdaten fehlen solche Warnsignale. AppleInsider rät deshalb ausdrücklich davon ab, ChatGPT mit Apple Health zu koppeln – sowohl jetzt in der Testphase als auch später bei einer breiten Einführung. Zusätzlich gebt ihr dabei sehr sensible, persönliche Daten an ein KI‑Unternehmen weiter und müsst darauf vertrauen, dass diese nicht weiterverkauft werden.
Ein Bericht der „Washington Post“ zeigt, dass ihr dafür nicht einmal verlässliche Auswertungen zurückbekommt. Kolumnist Geoffrey A. Fowler verknüpfte ChatGPT mit rund zehn Jahren Apple‑Health‑Daten: 6 Millionen Herzschläge und 29 Millionen Schritte. ChatGPT sollte daraus seinen Gesundheitszustand bewerten – mit einer Schulnote von A bis F.
Das Ergebnis war ein sofortiges F. Erst sein Arzt konnte ihn beruhigen: Die Daten rechtfertigten diese Einstufung nicht, im Gegenteil sei sein Risiko für einen Herzinfarkt so gering, dass eine Vorsorgeuntersuchung wohl nicht einmal von der Versicherung bezahlt würde.
Auch der Kardiologe Eric Topol vom Scripps Research Institute bewertete das F als unbegründet. ChatGPT sei für medizinische Ratschläge nicht bereit, wird er zitiert. Zugleich verweist OpenAI darauf, dass wöchentlich über 230 Millionen Nutzer:innen dem Chatbot Gesundheitsfragen stellen – ein riesiger Markt, der mit der Apple‑Health‑Anbindung noch verwundbarer werden könnte.
Fehlerquellen: Schätzwerte, Mustererkennung und Gerätewechsel
Fowler testete auch die vergleichbare Funktion in der KI Claude von Anthropic und erhielt dort die Note D. Das klingt weniger dramatisch, sagt aber nichts über die tatsächliche Genauigkeit aus. Beide Systeme arbeiten nicht mit echter medizinischer Logik, sondern mit Mustererkennung und Wahrscheinlichkeiten.
Im Fall von ChatGPT führte zum Beispiel jeder Wechsel auf eine neue Apple Watch zu veränderten Herzfrequenzwerten, die das System offenbar falsch interpretierte. Zudem ignorierte ChatGPT viele spezifische Messwerte der Apple Watch und konzentrierte sich auf die Kenngröße „Cardiofitness“ beziehungsweise VO₂max. Apple beschreibt diesen Wert als gute, aber eben nur geschätzte Messgröße, andere Quellen halten die Schätzungen tendenziell für zu niedrig.
Apple selbst teilt eure Gesundheitsdaten nicht mit Dritten. Verbindet ihr ChatGPT oder Claude jedoch aktiv mit Apple Health, übermittelt ihr diese Informationen eigenständig an den jeweiligen Anbieter.
Unzuverlässige Antworten und echte Kosten
Alle großen KI‑Dienste weisen inzwischen darauf hin, dass ihre Antworten Fehler enthalten können und überprüft werden sollten. In der Praxis hilft dieser Hinweis vor allem den Unternehmen, falls es zu Klagen kommt. Im Gesundheitsbereich kann eine Überprüfung aber teuer werden: ärztliche Untersuchungen kosten Zeit, Geld und binden Ressourcen, die eigentlich schwerer erkrankte Patient:innen benötigen.
Mindestens solltet ihr KI‑Systeme bei heiklen Themen mehrfach befragen. Fowler stellte ChatGPT mehrmals dieselbe Frage zu denselben Daten. Zwar vergab der Dienst wiederholt die Note F, aber nicht durchgehend. Insgesamt reichten die Bewertungen für identische Daten von F bis B – ohne nachvollziehbare Begründung.
Apple betont, bei diesen Integrationen nicht direkt mit OpenAI oder Anthropic zusammenzuarbeiten und entwickelt parallel einen eigenen KI‑Assistenten für Gesundheitsfunktionen. Der soll in Zukunft in den Health‑Apps zum Einsatz kommen. Unabhängig davon gilt: Apple gibt eure Gesundheitsdaten nicht weiter, solange ihr ihnen nicht selbst den Weg zu anderen Diensten öffnet.
