Neue klinische Studien zeigen: Die Apple Watch und ähnliche Wearables könnten helfen, Vorhofflimmern früher zu erkennen und so das Schlaganfallrisiko zu senken. Die Ergebnisse stammen aus Untersuchungen in Amsterdam und London.
Vorhofflimmern als wichtiger Risikofaktor
Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung mit unregelmäßigem oder abnormem Herzschlag. Die Erkrankung kann Blutgerinnsel verursachen und zählt zu den häufigsten Ursachen für Schlaganfälle. Millionen von Menschen gelten als gefährdet, ohne ihre konkrete Risikosituation zu kennen.
Wearables, die Herzfrequenz und andere Gesundheitsdaten erfassen, sind seit Jahren auf dem Markt. Frühere Studien deuteten bereits an, dass sie beim Erkennen von Vorhofflimmern helfen können. Bisher fehlten aber Daten dazu, wie gut sie tatsächlich gesundheitliche Risiken im Zusammenhang mit Vorhofflimmern aufspüren.
Amsterdam: Viermal häufiger Rhythmusstörungen entdeckt
Am Amsterdam Universitätsklinikum nahmen 437 Patient:innen ab 65 Jahren mit erhöhtem Schlaganfallrisiko an einer Studie teil. 219 von ihnen trugen eine Apple Watch und zeichneten ihre Herzfrequenz über einen Zeitraum von sechs Monaten täglich zwölf Stunden lang auf. Die übrigen 218 Teilnehmer:innen erhielten ausschließlich die übliche Standardversorgung ohne Uhr.
Das Ergebnis: Bei den Personen mit Apple Watch wurden Herzrhythmusstörungen viermal so häufig entdeckt wie in der Vergleichsgruppe. Bestimmte Modelle der Apple Watch nutzen dafür Photoplethysmografie, also einen LED-Lichtsensor zur Messung der Herzfrequenz, sowie ein integriertes Einkanal-Elektrokardiogramm zur Erfassung der elektrischen Herzaktivität.
„Wir sahen, dass wir nach sechs Monaten 21 Patient:innen in der Gruppe mit Smartwatch diagnostiziert und behandelt hatten, von denen 57 Prozent keine Symptome hatten“, erklärte Michiel Winter, Kardiologe am Amsterdam UMC, in einer Mitteilung. „Dem standen in der Gruppe mit Standardversorgung nur fünf Diagnosen gegenüber, und alle dieser Personen hatten Symptome.“
London: Früher erkennen und besser nachbeobachten
Die zweite klinische Studie wurde am St. Bartholomew’s Hospital in London durchgeführt. Dort untersuchten Ärzt:innen, ob die Apple Watch auch bei der frühzeitigen Erkennung von Vorhofflimmer-Symptomen und bei der Nachsorge nach Standardbehandlungen wie einer Katheterablation helfen kann.
Das Krankenhaus stellte fest, dass Patient:innen bei auftretenden Beschwerden zu Hause klinisch verwertbare Elektrokardiogramme mit ihrer Apple Watch aufzeichnen konnten. Ähnlich wie in Amsterdam zeigte sich, dass Nutzer:innen der Apple Watch Vorhofflimmern früher und häufiger erkannten als Personen, die nur die Standardversorgung erhielten.
Eine frühere Erkennung der Symptome reduziert laut der Studie nicht nur die Wahrscheinlichkeit eines Krankenhausaufenthalts, sondern senkt auch die Verunsicherung der Betroffenen. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Wearables wie die Apple Watch für ein langfristiges Herzscreening geeignet sein könnten. Sie könnten helfen, bisher unerkannte Herzerkrankungen sichtbar zu machen und die Versorgung von Patient:innen mit Vorhofflimmern zu verbessern.
„Der Einsatz von Smartwatches mit Photoplethysmografie- und EKG-Funktionen unterstützt Ärzt:innen dabei, Personen zu diagnostizieren, die nichts von ihrer Herzrhythmusstörung wissen, und beschleunigt so den Diagnoseprozess“, fasste Winter zusammen.
Via: https://www.cnet.com
Titelbild: Apple
