Deutsche Unternehmen hängen stark von Cloud-Diensten ab. Eine neue Bitkom-Umfrage zeigt, wie verwundbar viele Betriebe bei Störungen in der Wolke sind.
Jedes zweite Unternehmen auf die Cloud angewiesen
Wenn zentrale Cloud-Anwendungen ausfallen, gerät der Geschäftsbetrieb vieler Unternehmen ins Stocken. Laut Bitkom-Befragung müsste fast die Hälfte der Firmen in Deutschland ihren Betrieb früher oder später einstellen, wenn die Cloud nicht mehr erreichbar wäre. 9 Prozent könnten in dem Moment des Ausfalls gar nicht mehr weiterarbeiten.
2 Prozent der befragten Unternehmen geben an, sie könnten noch 6 bis 11 Stunden ohne Cloud durchhalten, 4 Prozent 12 bis 24 Stunden und 10 Prozent 24 bis 48 Stunden. Ein Fünftel (21 Prozent) traut sich mehr als 48 Stunden zu. Ein Viertel (24 Prozent) wäre von einem Cloud-Ausfall zwar betroffen, müsste den Geschäftsbetrieb aber nicht vollständig einstellen.
14 Prozent der Unternehmen nutzen nach eigenen Angaben keine Cloud-Dienste. 16 Prozent wissen nicht, wie lange sie ohne Cloud arbeitsfähig blieben oder wollten dazu keine Angabe machen. Im Durchschnitt schätzen die Cloud-Nutzer:innen, dass sie ihren Betrieb rund drei Tage beziehungsweise 78 Stunden ohne Cloud aufrechterhalten könnten.
Die Zahlen stammen aus einer repräsentativen Telefonbefragung von 603 Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten in Deutschland. Davon nutzen 517 Unternehmen und damit 86 Prozent Cloud-Dienste.
Cloud so wichtig wie Strom und Internet
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst ordnet die Ergebnisse ein. Eine funktionierende Cloud sei für Unternehmen inzwischen so wichtig wie eine stabile Stromversorgung und ein sicherer Internetzugang. Fällt die Cloud aus, stehen Bürosoftware, Kommunikationslösungen, Datenbanken und auch KI-Anwendungen nicht mehr zur Verfügung, obwohl sie für viele Betriebe unverzichtbar sind.
Gleichzeitig betont Wintergerst, dass Cloud-Dienste oft sicherer und stabiler seien, als selbst betriebene Server. Aus seiner Sicht kommt es darauf an, die Cloud konsequent in das Sicherheitskonzept des Unternehmens einzubinden und Ausfälle von vornherein mitzudenken.
In den vergangenen zwölf Monaten hatten 28 Prozent der Cloud-nutzenden Unternehmen mit gravierenden Störungen zu kämpfen. Die Gründe reichen von Internet- und Stromausfällen bis hin zu Problemen mit Software-Aktualisierungen.
Notfallpläne und Backups außerhalb der Cloud
Viele Unternehmen bereiten sich bereits auf Cloud-Ausfälle vor. 82 Prozent der Cloud-Nutzer:innen verfügen über Notfall- und Wiederanlaufpläne, um Abläufe nach einer Störung geordnet wieder hochzufahren. Drei Viertel (75 Prozent) sichern wichtige Daten zusätzlich außerhalb der Cloud.
Zwei Drittel (69 Prozent) überwachen ihre Cloud-Dienste selbst, um Probleme frühzeitig zu erkennen und schnell reagieren zu können. 68 Prozent haben vertragliche Vereinbarungen mit ihren Cloud-Anbietern getroffen, etwa zu Verfügbarkeit und Reaktionszeiten. 66 Prozent können im Ernstfall einen Notbetrieb mit lokalen Lösungen starten.
59 Prozent der Unternehmen verteilen Anwendungen auf unterschiedliche Systeme, um das Risiko zu streuen. Ein Drittel (35 Prozent) betreibt redundante Systeme. 8 Prozent setzen zusätzlich auf einen zweiten Cloud-Anbieter, um sich besser gegen Ausfälle abzusichern.
Weitere Ergebnisse und Details zur Cloud-Nutzung in Deutschland hat Bitkom im „Cloud-Report 2026“ veröffentlicht. Die Studie steht hier kostenlos zum Download bereit.
