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Sparen geschlossene Apps wirklich Akku? So funktioniert es tatsächlich

Viele von Euch versuchen, aus dem Smartphone-Akku jede Minute herauszuholen. Ein besonders hartnäckiger Tipp: ständig alle Apps wegwischen – doch der Effekt ist anders als gedacht.

Der verbreitete Irrglaube

Die Annahme klingt logisch: Wenn viele Apps „offen“ sind, müssen sie doch dauerhaft Strom verbrauchen. Das Wischen fühlt sich aufgeräumt an, als würdet Ihr Eurem Smartphone weniger Arbeit geben.

Der Ablauf ist bekannt: Auf dem iPhone wischt Ihr vom unteren Bildschirmrand nach oben oder drückt beim iPhone 8 und älter doppelt auf den Home-Button, dann wischt Ihr die App nach oben aus dem Bildschirm. Auf Android wischt Ihr von unten nach oben, haltet kurz und lasst los, anschließend wischt Ihr die App nach oben weg.

Die Oberfläche suggeriert, dass all diese Apps gleichzeitig laufen und still im Hintergrund Energie ziehen. Deshalb wirkt das Schließen wie eine Art Wartung. Aber moderne Smartphones organisieren Apps ganz anders, als viele von Euch annehmen.

Was Fachleute dazu sagen

„Das erzwungene Schließen von Apps hilft Eurem Akku nicht“, sagt Steven Athwal, Geschäftsführer des Refurbished-Händlers The Big Phone Store. „Ja, es gilt als weitverbreiteter Trick, wird aber falsch eingesetzt.“

Wenn Ihr eine App beendet und später erneut startet, muss das System sie komplett neu laden. „Das kostet Rechenleistung von Prozessor und Arbeitsspeicher, was sich direkt auf den Akku auswirkt“, erklärt Athwal. Das ständige Schließen und erneute Öffnen kann also mehr Energie benötigen, als eine App im Hintergrund eingefroren zu lassen.

Die meisten Apps müsst Ihr deshalb nicht laufend schließen, im Gegenteil. Sinnvoller sind klassische Maßnahmen: Helligkeit reduzieren, Hintergrundaktualisierungen begrenzen und Standortfreigaben einschränken.

Denn, so Athwal: „Heutige Smartphones können Apps im Hintergrund einfrieren, also verbraucht Ihr mehr Strom, wenn Ihr sie immer wieder neu öffnet, statt sie einfach ruhen zu lassen.“

Ritesh Chugh, Sozio-Tech-Experte an der Central Queensland University in Australien, beschreibt, was im Hintergrund passiert: „Sowohl iOS als auch Android setzen ungenutzte Apps im Speicher aus. Sie nutzen dann weder Prozessor noch Akku, bis Ihr sie wieder öffnet. Offene Apps verursachen normalerweise keinen zusätzlichen Stromverbrauch.“

Beide Systeme haben zudem eingebaute Mechanismen, die Hintergrundaktivitäten reduzieren: Android etwa mit Doze und App Standby, Apple mit Energiesparmodus, adaptiven Stromsparfunktionen und automatischem Aussetzen von Apps. Nutzer:innen müssen hier meist nicht selbst eingreifen.

Warum hält sich der Glaube trotzdem? Ältere Smartphones gingen mit Hintergrund-Apps weniger effizient um. Außerdem gibt es Ausnahmen, die den Mythos teilweise bestätigen.

„Das gilt nicht für bestimmte Apps“, betont Athwal. „GPS-, Videoanruf- und Daten-Check-Apps laufen im Hintergrund weiter, auch wenn Ihr sie nur minimiert habt. Hier solltet Ihr sie wegwischen, um den Akku zu entlasten.“

Chugh ergänzt, dass Schließen dann sinnvoll ist, wenn eine App Probleme macht: „Wenn eine App einfriert, auffällig viel Akku verbraucht oder dauerhaft Daten oder Standort nutzt, hilft das Beenden tatsächlich.“

Wirksame Alternativen zum App-Wischen

Apps zu schließen ist also nicht grundsätzlich schädlich, aber als täglicher Akku-Trick meist unnötig. Andere Gewohnheiten bringen deutlich mehr.

„Schaut zuerst auf die Displayhelligkeit, sie frisst den meisten Strom“, sagt Athwal. Stellt die automatische Helligkeit ein oder reduziert sie manuell, wenn es möglich ist. Zusätzlich empfiehlt er, Hintergrundaktualisierungen zu deaktivieren und Standortzugriffe nur den Apps zu erlauben, die ihn wirklich brauchen.

Chugh setzt auf kleine, konsequente Maßnahmen: Nutzt WLAN statt mobiler Daten, wenn möglich, aktiviert den Energiesparmodus und schaltet GPS, Bluetooth und 5G aus, wenn Ihr sie gerade nicht benötigt. Das verlängert die Zeit bis zur nächsten Ladung.

Auch die Temperatur spielt eine Rolle. „Haltet das Smartphone von starker Hitze oder Kälte fern, da Akkus über 35 °C oder unter 0 °C am schnellsten altern“, erklärt Chugh. So bleibt der Akku nicht nur länger voll, sondern auch langfristig gesünder – gerade in der kalten Jahreszeit ein wichtiger Punkt.

Via: https://www.techradar.com
Titelbild: KI (Zur Illustration)

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Michael Reimann

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