Ein neues Bastelprojekt rekonstruiert den Apple II Plus konsequent in Hardware – ohne Emulation und mit möglichst originalgetreuem Verhalten. Statt alter Bauteile kommen dabei gezielt moderne Komponenten zum Einsatz.
Wer den Umgang mit alten Apple-Rechnern erleben möchte, greift meist zu Software-Emulatoren. Das Projekt von Simon Boak zeigt jedoch, dass sich das authentische Gefühl auch weitgehend über Hardware nachbilden lässt.
Boak stellte am Sonntag den „SB Mini II“ vor, den er als „selbstgebauten Apple-II-Clone“ beschreibt. Der Rechner bildet den Apple II Plus aus Hardware-Sicht nach, ersetzt dabei aber viele Elemente durch aktuelle Bauteile.
Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass viele der ursprünglichen Logikbausteine noch erhältlich sind, darunter auch die 6502-CPU. Zusammen mit den Schaltplänen aus dem Originalhandbuch und einer umfangreichen Fachbibliothek konnte Boak einen genauen Plan und eine Einkaufsliste für die benötigten Teile erstellen.
Im Vergleich zum ursprünglichen Design setzt der Clone an mehreren Stellen auf modernisierte Alternativen, die sich aus dem technischen Fortschritt der vergangenen Jahrzehnte ergeben. Besonders deutlich wird das bei der Speichertechnik.
Beim Apple II kam dynamischer RAM (DRAM) zum Einsatz, vor allem aus Kostengründen. Für das Projekt ist statischer RAM (SRAM) inzwischen günstig genug, um ihn als Ersatz zu verwenden. Boak nutzt daher eineinhalb 32-KByte-SRAM-Bausteine, um die benötigten 48 KByte des Apple II Plus zu erreichen. Weil SRAM keine regelmäßige Auffrischung benötigt, kann die aufwendige DRAM-Refresh-Logik entfallen.
Boak weist außerdem darauf hin, dass ein Großteil der ursprünglichen Schaltung ausschließlich der Erzeugung eines FBAS-Videosignals diente. Statt diese Logik nachzubauen, setzt er eine Apple-II-VGA-Karte ein. Das sorgt für ein schärferes Bild und macht die Videoerzeugungsschaltung überflüssig. Ohne die VGA-Karte funktioniert der Rechner praktisch als „kopfloser“ Clone ohne eigene Bildausgabe.
Auch die Takt- und Zeitsignale wurden vereinfacht. Im Projekt kommt ein Quarzoszillator mit 4,096 MHz zum Einsatz, dessen Signal auf 1,024 MHz heruntergeteilt wird. Dieser Wert liegt sehr nahe an den 1,023 MHz des ursprünglichen Apple II Plus.
Ein Raspberry Pi Pico übernimmt die Anbindung einer USB-Tastatur an den Clone. Der Mikrocontroller, der in sich leistungsfähiger ist als der Apple II Plus, erzeugt die gleichen parallelen Datensignale wie die originale Apple-Tastatur. Gleichzeitig spart diese Lösung zusätzliche Bauteile zur Anpassung der Signalpegel ein.
Abgeschlossen wurde das Projekt mit einem eigens entworfenen Gehäuse, das Boak in mehreren Teilen 3D-drucken ließ. Die Segmente wurden anschließend verklebt und lackiert. Die Konstruktionsdaten hat er auf GitHub veröffentlicht.
Optisch orientiert sich das Gehäuse an der Apple-ProFile-Festplatte. Zusätzlich integrierte Boak weitere Lüftungsschlitze und eine Rückwand, um alle Anschlüsse von außen erreichbar zu machen. Wie das historische Vorbild wurde das Gehäuse auf einfache Zugänglichkeit ausgelegt: Der Deckel rastet ein und lässt sich ohne Werkzeug öffnen.
Passend zum Rechner entwickelte Boak einen dazugehörigen Studio-II-LCD-Monitor. Es ist nicht sein erstes Clone-Projekt: Bereits im Juni 2024 baute er einen Apple-1-Clone mit Drucker, der eine SD-Karte als Speicherlösung nutzte.
Die Nachbildung des Apple II Plus fällt vor allem dadurch auf, dass sie konsequent auf Hardware setzt und nicht nur einen Emulator verwendet. Gleichzeitig zeigen auch andere Projekte, wie beeindruckend moderne Interpretationen klassischer Apple-Hardware sein können.
So versuchte ein Hackintosh-Projekt im Jahr 2024, den ursprünglichen Macintosh Plus mit aktuellen Komponenten nachzubilden. Dort entstand per 3D-Druck ein sehr detailgetreues Nachbaugehäuse in Originalgröße, das die Hardware vollständig umfasste.
Via: https://appleinsider.com
Titelbild: Simon Boak/Unimplementedtrap.com
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