Schleswig-Holstein stellt seine Verwaltung auf LibreOffice um und verabschiedet sich von Microsoft 365. Das Land verspricht sich davon hohe Einsparungen und mehr Kontrolle über Daten.
Parallel dazu drängen KI-gestützte Büroanwendungen wie Googles neues Sprach-zu-Text-Modell Gemini 3.5 Transcribe mit immer tieferer Automatisierung in den Büroalltag.
Das Land Schleswig-Holstein will flächendeckend auf LibreOffice umsteigen und nennt als Argument vor allem die Kosten. Nach eigenen Angaben sollen sich so 15 Millionen US-Dollar (rund 14 Millionen Euro) einsparen lassen. Zum Einsatz kommt dabei die Open-Source-Suite LibreOffice 26.8, die für Windows, macOS und Linux verfügbar ist und in 120 Sprachen angeboten wird.
Die Landesregierung betont drei zentrale Punkte: keine integrierte Künstliche Intelligenz, keine Telemetriedaten und keinen Cloud-Zwang. Stattdessen soll die gesamte Büroarbeit lokal laufen, mit klarer Datensouveränität in den eigenen Rechenzentren. Für Verwaltungen, Schulen und öffentliche Einrichtungen bedeutet das: weniger Abhängigkeit von großen Cloud-Anbietern und mehr Kontrolle über sensible Informationen.
Im Gegenzug entfällt aber auch der direkte Zugriff auf KI-gestützte Funktionen, wie ihr sie aus vielen aktuellen Office-Suiten kennt. Etwa automatische Zusammenfassungen, Assistenten für das Schreiben oder integrierte Transkription von Besprechungen.
Der Ansatz „keine KI, keine Telemetrie, keine Cloud-Pflicht“ bietet klare Vorteile für Datenschutz und Compliance, insbesondere im öffentlichen Bereich. Kommunen, Schulen und mittelständische Unternehmen können Lizenzen und Infrastruktur besser planen und behalten Daten auf eigenen Servern.
Dem stehen mögliche Nachteile beim Migrationsaufwand und bei der Kompatibilität gegenüber. Bestehende Microsoft-365-Umgebungen müssen auf LibreOffice umgestellt werden, inklusive Schulungen, Anpassung von Vorlagen und Prüfung komplexer Office-Dokumente. Je nach Nutzungstiefe von Excel-Makros, PowerPoint-Designs oder Word-Formularen kann dieser Aufwand erheblich sein.
Gleichzeitig treiben Anbieter wie Google den entgegengesetzten Ansatz voran: Mit Gemini 3.5 Transcribe steht ein neues Sprach-zu-Text-Modell bereit, das laut Hersteller 70 Prozent schneller arbeiten und eine niedrige Fehlerquote erreichen soll. Das System kann gesprochene Inhalte automatisch bereinigen und unterstützt über 85 Sprachen. Damit werden Funktionen möglich, die sich eng in KI-getriebene Arbeitsabläufe einfügen – etwa das strukturierte Aufbereiten längerer gesprochener Notizen.
Für euch bedeutet das: Ihr müsst Kosten, Migrationsaufwand, Datenschutzvorgaben, Dokumentenkompatibilität und konkrete KI-Vorteile oder -Risiken gegeneinander abwägen, statt nur einzelne Funktionen zu betrachten.
Der Umstieg auf LibreOffice schließt den Einsatz von KI nicht grundsätzlich aus. Ihr könnt Sprach-zu-Text-Dienste wie Gemini 3.5 Transcribe getrennt von eurer eigentlichen Office-Suite verwenden. So bleibt die Kernarbeit an Dokumenten, Tabellen und Präsentationen lokal und ohne KI, während ihr ausgewählte Arbeitsprozesse gezielt automatisiert.
Praktisch sieht das so aus: Audioaufnahmen von Besprechungen oder Interviews werden über Gemini 3.5 Transcribe in Text umgewandelt, automatisch bereinigt und anschließend in bestehende Arbeitsabläufe unter Apple-Betriebssystemen oder in klassischen Office-Umgebungen eingepasst. Die Integration kann über den Browser erfolgen, etwa direkt in Textfelder in Chrome, oder über exportierte Textdateien, die ihr dann in LibreOffice oder Microsoft Office weiterbearbeitet.
Damit entsteht ein hybrider Ansatz: Ihr trennt die Entscheidung für eine On-Premise-, Open-Source-Office-Lösung von der Frage, wo KI-gestützte Dienste wie Transkription im Alltag wirklich Mehrwert bringen. Schleswig-Holsteins Kurs zeigt, dass sich Verwaltungen bewusst für Datensouveränität und gegen integrierte KI entscheiden können – ohne vollständig auf spezialisierte KI-Werkzeuge verzichten zu müssen.
Via: www.ad-hoc-news.de · www.ad-hoc-news.de · www.engadget.com
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