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Russland blockiert YouTube, Telegram und WhatsApp mit DNS- und DPI-Technik

Russland VPN Blockierung

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In Russland wurden innerhalb von drei Tagen YouTube, Telegram und WhatsApp gesperrt. Behörden setzen dabei verstärkt auf technische Filtermaßnahmen und bewerben parallel eine staatlich kontrollierte Alternative.

DNS-Manipulation und Deep Packet Inspection

Fachleute für Cybersicherheit berichten, dass die Sperren vermutlich über das nationale Domain-Name-System (DNS) umgesetzt werden. Dieses wird oft als „Telefonbuch des Internets“ beschrieben, da es Browseranfragen zu den passenden Webseiten leitet. Werden Einträge gelöscht oder auf andere Ziele umgeleitet, findet das System die zugehörige IP-Adresse nicht mehr. Nutzer:innen müssen dann den DNS-Resolver umgehen, etwa über ein VPN.

Der Cybersicherheitsforscher Łukasz Olejnik erklärte auf X, Roskomnadzor habe dieses Vorgehen gewählt, weil die Behörde nicht in der Lage sei, Telegram, YouTube und WhatsApp gleichzeitig zu drosseln. Stattdessen würden „die einfacheren Ziele vollständig blockiert, indem man sie aus dem DNS entfernt“, schrieb er.

Der russische Cyber-Anwalt und RKS-Global-Experte Sarkis Darbinyan warnt allerdings, dass DNS-Manipulation – die sich vergleichsweise leicht umgehen lässt – nur ein Instrument im Werkzeugkasten von Roskomnadzor ist. Im Gespräch mit TechRadar verweist er auf den Einsatz sogenannter „TSPU“-Systeme (Technische Maßnahmen zur Abwehr von Bedrohungen), die auf Deep Packet Inspection (DPI) basieren.

DPI erlaubt es den Behörden, den Datenverkehr sehr genau zu analysieren und gezielt Datenpakete zu blockieren, die zu bestimmten Diensten gehören. VPNs können solche auf DPI beruhenden Sperren zwar aushebeln, werden jedoch selbst zunehmend ins Visier der Zensur genommen.

MAX als staatlich kontrollierte Super-App

Darbinyan bezeichnet die aktuelle Welle von Einschränkungen als „vorhersehbar“, weil die Behörden auf eine „schrittweise Abschaltung aller Plattformen außerhalb der Kontrolle des Kreml“ hinarbeiten. Der Prozess sei langsam, aber stetig vorangeschritten, bis eine vollständige Blockade dieser Plattformen erreicht werde. Man habe sich lediglich beim Zeitpunkt der Telegram-Sperre verschätzt, so Darbinyan; Expert:innen hätten nicht vor Ablauf von sechs Monaten mit einem vollständigen Verbot gerechnet.

Telegram war der erste Dienst, der in dieser Woche eingeschränkt wurde. Der Messenger ist aber weit mehr als eine Chat-App, er dient auch dem Kreml und prorussischen Kriegsblogger:innen als wichtiges Werkzeug zur Verbreitung von Propaganda. Entsprechend umstritten ist die Sperre im eigenen Land und stößt sogar bei russischen Soldaten auf Kritik.

Laut Darbinyan fiel der Beginn der Telegram-Beschränkungen mit der Ankündigung von VK zusammen, auf der App MAX „private Kanäle“ einzuführen. Dieser Schritt dürfte darauf abzielen, das Telegram-Publikum auf die staatlich gestützte Alternative umzulenken. MAX, eine staatlich kontrollierte „Super-App“ nach dem Vorbild von Chinas WeChat, muss inzwischen auf jedem in Russland verkauften Smartphone und Tablet vorinstalliert sein. Entwickelt von VK, bündelt die App Messaging, staatliche Dienste und Bankfunktionen. Expert:innen sehen darin ein „enormes Überwachungspotenzial“.

Verschärfte Zensur und KI-Filter für VPNs

Beobachter:innen der russischen Digitalpolitik gehen davon aus, dass sich die Zensur in den kommenden Monaten weiter verschärfen wird. Sperren dürften auf weitere Angebote ausgeweitet werden, während die Regierung vor den für September angesetzten Parlamentswahlen den Druck erhöht.

Bereits zuvor hatte TechRadar berichtet, dass Russland eine neue, aggressive Phase im Kampf gegen VPN-Dienste eingeleitet hat. Zur Unterstützung dieser Strategie will Roskomnadzor 2,27 Milliarden Rubel (rund 29 Millionen US-Dollar, ca. 26,8 Millionen Euro) in ein KI-gestütztes Filtersystem investieren. Dieses System soll die Erkennung und Blockade sowohl verbotener Inhalte als auch verschlüsselter VPN-Verbindungen automatisieren.

Darbinyan sieht darin erst den Beginn einer vollständigen Konsolidierung des nationalen Internets. Er erwartet, dass in den kommenden Jahren jeder Dienst blockiert wird, der „Nutzerdaten nicht lokal speichert und nicht mit den russischen Sicherheitsdiensten kooperiert“.

Via: https://www.techradar.com

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Tags: Max, VK, Roskomnadzor, WhatsApp, Internetzensur, Russland, Deep Packet Inspection, YouTube, Telegram, VPN, Überwachung, DNS

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