Am Mittwoch zieht der Mond über Deutschland vor der Sonne vorbei und sorgt für eine partielle Sonnenfinsternis. Wer das Naturschauspiel verfolgt, sollte die Augen konsequent schützen.
Gefährliche Strahlung trotz Dämmerung
Catherine Fischer von der Europäischen Weltraumorganisation ESA koordiniert normalerweise wissenschaftliche Sonnenbeobachtungen der Raumsonde „Solar Orbiter“. Die Sonnenfinsternis am 12. August ist für sie ein „richtiges astronomisches Ereignis“, das sie diesmal nur mit einer einfachen, geprüften Sonnenfinsternisbrille verfolgen will. Ihr geht es dabei nicht nur um die Begeisterung für das Himmelsereignis, sondern auch darum, auf die Risiken hinzuweisen.
Der direkte Blick in die Sonne kann die Netzhaut dauerhaft schädigen. Laut Fischer passiert das sehr schnell, ohne dass Betroffene es unmittelbar bemerken. Die Netzhaut ist zwar empfindlich, besitzt aber keine Schmerzrezeptoren, daher bleiben Schäden zunächst unbemerkt.
Auch Daniela Weiskopf, Leiterin des Fachgebiets Optische Strahlung beim Bundesamt für Strahlenschutz, warnt eindringlich. Selbst wenn der Mond einen Großteil der Sonnenscheibe verdeckt, reicht die Strahlung aus, um die Netzhaut zu schädigen. Bei dieser Sonnenfinsternis schätzt sie das Risiko sogar höher ein, weil sie in der Dämmerung stattfindet, wenn die Sonne weniger blendet. So fällt der natürliche Schutzreflex des Wegschauens weg, außerdem ist die Pupille weiter geöffnet und lässt mehr Strahlung ins Auge. Normale Sonnenbrillen, Schweißerbrillen oder Rettungsfolien bieten hier keinen ausreichenden Schutz.
Was eine gute Sonnenfinsternisbrille können muss
Spezielle Brillen zur Beobachtung der Sonnenfinsternis besitzen Schutzfolien, die nur etwa 0,001 Prozent des Sonnenlichts durchlassen. Ihr findet sie in der Regel in Astronomie-Fachgeschäften, bei einigen Optiker:innen und Buchhandlungen sowie teilweise in Geschäften für Kameras und Objektive. Viele Modelle sind allerdings bereits vergriffen, die Preise beginnen bei etwa 0,99 Euro pro Brille und variieren je nach Anbieter.
Weiskopf empfiehlt, beim Kauf auf mehrere Punkte zu achten. Die Brille sollte die Augen vollständig bedecken und breite Bügel haben, um Streustrahlung zu reduzieren. Sie muss ausdrücklich als geeignet für den direkten Blick in die Sonne gekennzeichnet und mit dem CE-Symbol versehen sein. Wer auf Nummer sicher gehen will, gleicht zusätzlich die aktuell gültige Norm DIN EN ISO 12312-2:2015 ab. Die Schutzfolie darf keine Kratzer, Risse oder andere Beschädigungen aufweisen. Ältere Sonnenfinsternisbrillen, etwa aus dem Jahr 1999, sollten nicht mehr verwendet werden.
Wer Fotos machen möchte, braucht auch für Smartphone oder Kamera einen geeigneten Sonnenfilter. Dieser schützt den empfindlichen Kamera-Chip vor der Sonnenstrahlung und reduziert das Licht so weit, dass scharfe Bilder möglich sind. Das gilt gleichermaßen für Teleskope und Objektive. Die Sonnenfinsternis darf auf keinen Fall direkt durch diese Geräte beobachtet werden, da sie das Sonnenlicht zusätzlich bündeln.
Sichere Beobachtung ohne Brille und bei möglichen Schäden
Falls Ihr keine Schutzbrille kaufen wollt oder keine mehr bekommt, könnt Ihr eine einfache Lochkamera bauen. Mit einem Karton und Transparentpapier entsteht eine Camera obscura, mit der Ihr die Sonnenfinsternis indirekt und damit sicher beobachten könnt. Das eignet sich besonders für Kinder, weil Ihr das Ereignis spielerisch vorbereiten könnt. Bastelanleitungen findet Ihr unter anderem auf der Internetseite des Bundesamtes für Strahlenschutz.
Eine kurze Recherche in Bremen hat ergeben, dass auch in der Hansestadt alle Brillen ausverkauft sind. Nutzt daher vielleicht die Möglichkeit der Lochkamera oder schaut einen der vielen Livestreams zum Ereignis. (Siehe unten)
Für die Beobachtung am 12. August braucht Ihr außerdem einen freien Blick Richtung Nordwesten. Die Sonne steht am Abend bereits tief, wenn sich der Mond kurz nach 19 Uhr vor sie schiebt. Sucht Euch daher frühzeitig einen geeigneten Platz mit freier Horizontsicht und achtet dabei konsequent auf den Augenschutz.
Wer doch versehentlich ohne Schutz in die Sonne blickt, sollte anschließend aufmerksam auf mögliche Symptome achten. Da die Netzhaut keinen Schmerz meldet, treten Warnsignale erst Stunden später auf. Mögliche Anzeichen sind dauerhaft dunkle Flecken im Sichtfeld, verschwommenes Sehen oder verzerrte gerade Linien. In solchen Fällen empfiehlt Weiskopf, umgehend eine Augenärztin, einen Augenarzt oder eine Augenklinik aufzusuchen.
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