OpenAI hat mit GPT‑5.5 ein neues KI-Modell vorgestellt, das in mehreren Bereichen deutlich leistungsfähiger sein soll. Der Konzern sieht darin zugleich einen weiteren Baustein für eine zukünftige KI‑Super‑App.
OpenAI beschreibt GPT‑5.5 als verbessertes Modell für Codierung, Computerbedienung und tiefere Forschung. Präsident Greg Brockman betonte in einer Telefonkonferenz mit Journalist:innen, das Besondere sei, wie viel das Modell mit wenig Anleitung leisten könne. GPT‑5.5 könne unklare Probleme analysieren und eigenständig die nächsten Schritte ableiten. Aus seiner Sicht legt das Modell damit das Fundament dafür, wie wir künftig Computer nutzen und Computerarbeit organisieren werden.
Im Vergleich zu GPT‑5.4 denke GPT‑5.5 schneller und präziser und komme mit weniger Token aus. Dadurch sollen Unternehmen und Privatnutzer:innen mehr KI-Leistung bei gleicher oder geringerer Eingabe erhalten. Laut OpenAI eignet sich GPT‑5.5 für ein breites Anwendungsspektrum, darunter agentisches Programmieren, Wissensarbeit sowie Mathematik und wissenschaftliche Forschung. Das Unternehmen veröffentlichte Benchmark-Daten, die eine überlegene Leistung gegenüber früheren eigenen Modellen und Konkurrenzangeboten wie Googles Gemini 3.1 Pro und Anthropics Claude Opus 4.5 belegen sollen, ohne konkrete Zahlen oder Testbedingungen zu nennen.
Die Veröffentlichung erfolgt weniger als zwei Monate nach GPT‑5.4 und Wochen nach Anthropics Ankündigung von Claude Mythos beziehungsweise Claude Mythos Vorschau, einem Modell mit erweiterten Cybersicherheitsfähigkeiten. OpenAI befindet sich damit in einem engen Wettlauf mit Rivalen wie Google und Anthropic, dessen Angebot an der Börse viel Aufmerksamkeit erhalten hat. Chef-Wissenschaftler Jakub Pachocki sprach von deutlichen Verbesserungen im kurzfristigen und sehr starken Fortschritten im mittelfristigen Bereich. Rückblickend auf die vergangenen zwei Jahre bezeichnete er das Tempo der Entwicklung sogar als überraschend langsam und deutete an, dass der schnelle Veröffentlichungsrhythmus absehbar anhalten dürfte.
Cybersicherheit war bei der Vorstellung von GPT‑5.5 ein zentrales Thema. Eine Frage zielte darauf ab, ob GPT‑5.5 ähnliche Fähigkeiten wie Mythos besitzen werde, das aufgrund Berichten über unautorisierten Zugriff in die Kritik geraten war. Mia Glaese aus dem technischen Team von OpenAI erklärte, GPT‑5.5 werde großen Einfluss auf die Sicherheitsstrategie des Unternehmens haben. Man verfolge seit Langem einen klaren Ansatz bei Cybersicherheit und habe robuste Verfahren entwickelt, um Modelle sicher bereitzustellen. Sie verwies zudem auf umfangreiche Tests durch externe Prüfer:innen und sogenannte Red-Teaming-Übungen zu Cyber- und biologischen Risiken. OpenAI stuft GPT‑5.5 unterhalb der eigenen „kritischen“ Cybersicherheitsrisikoschwelle ein, aber in der Kategorie „hoch“, die bestehende Pfade zu schweren Schäden verstärken könne.
Brockman ordnete GPT‑5.5 auch als wichtigen Schritt in Richtung einer geplanten KI‑Super‑App ein. OpenAI will ChatGPT, das Programmierwerkzeug Codex und einen KI-Browser zu einem einheitlichen Dienst bündeln, der vor allem Unternehmenskund:innen unterstützen soll. Die Idee einer Allzweck-Anwendung ist auch bei anderen Anbietern präsent, etwa bei Elon Musk, der die Plattform X in eine Super‑App umwandeln möchte. Forschungsleiter Mark Chen hob hervor, GPT‑5.5 sei beim Navigieren durch Computerarbeit den Vorgängern überlegen. Das Modell zeige spürbare Fortschritte in wissenschaftlichen und technischen Forschungsabläufen und könne Expert:innen unterstützen, etwa bei der Wirkstoffentwicklung, die zuletzt in der Industrie verstärktes Interesse geweckt habe. Konkrete Projekte oder Partner nannte er nicht.
GPT‑5.5 steht laut OpenAI ab sofort breit zur Verfügung. Das Modell wird nach und nach für Plus‑, Pro‑, Business‑ und Enterprise‑Nutzer:innen von ChatGPT ausgerollt und ist zudem im Programmierassistenten Codex verfügbar. Die Variante GPT‑5.5 Pro soll speziell für Pro‑, Business‑ und Enterprise-Kund:innen bereitgestellt werden. Zusätzlich ist geplant, GPT‑5.5 „sehr bald“ auch über die Programmierschnittstelle des Unternehmens anzubieten, wofür OpenAI jedoch andere Schutzmaßnahmen als in ChatGPT vorsieht. Angaben zu Preisen in US‑Dollar oder Euro liegen bislang nicht vor.
Via: techcrunch.com · www.cnbc.com
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