OpenAI arbeitet offenbar mit Qualcomm und MediaTek an einem eigenen Smartphone-Prozessor. Damit rückt ein KI-zentriertes Smartphone in den Fokus – und setzt Apples iPhone-Strategie unter Druck.
Von KI-Gadgets zum Smartphone-Projekt
OpenAI entwickelt seit einiger Zeit eine Reihe verbraucherorientierter KI-Geräte. Dazu gehören KI-gestützte Ohrhörer mit dem internen Codenamen „Sweetpea“, die wohl unter der Marke „Dime“ erscheinen sollen. Diese Ohrhörer sollen stark auf KI-Verarbeitung in der Cloud setzen und zusätzlich einen Samsung-Exynos-Chip in 2‑Nanometer-Technik für bestimmte Berechnungen direkt im Gerät nutzen.
Parallel arbeitet OpenAI an einem weiteren Gerät, das laut Berichten die Form eines Stifts hat und in etwa so groß sein soll wie der Apple iPod Shuffle. Dieses Produkt trägt intern den Namen „Gumdrop“ und soll ohne eigenes Display auskommen. Geplante Eigenschaften sind unter anderem:
- Kontextbewusstsein durch verschiedene Sensoren, darunter Kameras und Mikrofone.
- Ausführung speziell angepasster OpenAI-Modelle direkt auf dem Gerät, ergänzt durch Cloud-Rechenleistung für rechenintensive Aufgaben.
- Umwandlung handschriftlicher Notizen in Text mit direktem Upload zu ChatGPT.
- Kommunikation mit anderen „Gumdrop“-Geräten ähnlich wie heute zwischen Smartphones.
- Kein Wearable-Design, sondern tragbar in der Tasche oder um den Hals.
- Geplanter Marktstart in den Jahren 2026 oder 2027.
Der bekannte Analyst Ming-Chi Kuo berichtet nun in einem Beitrag auf X, dass OpenAI diese geplante Gerätefamilie vorerst zurückgestellt haben soll. Stattdessen rückt demnach das klassische Smartphone wieder in den Mittelpunkt der Hardware-Strategie des Unternehmens.
Eigener Smartphone-Chip mit Qualcomm, MediaTek und Luxshare
Nach Kuos Informationen arbeitet OpenAI bereits mit Qualcomm und MediaTek an einem dedizierten Smartphone-Prozessor. Die Endmontage des späteren Smartphones soll voraussichtlich beim Auftragsfertiger Luxshare liegen, das Gerät soll langfristig die Marktstellung des Apple iPhone angreifen.
OpenAI verfolgt dabei eine klare Vorstellung vom künftigen Smartphone: Nutzer:innen sollen Apps weitgehend hinter sich lassen und stattdessen auf die laufende Ausführung von KI-Agenten setzen, die sowohl lokal als auch in der Cloud arbeiten. In diesem Szenario dient die Smartphone-Hardware als Plattform zur Erfassung des vollständigen, aktuellen Zustands einer Person, verwaltet die Speicherhierarchie und stellt Rechenleistung für KI-Berechnungen auf dem Gerät bereit. Komplexere Aufgaben werden in die Cloud ausgelagert. Laut Kuo werden Smartphones „auf absehbare Zeit die größte Gerätekategorie bleiben“.
Vertikale Integration als direkter Angriff auf Apple
Für OpenAI ist das Ziel, die komplette technische Kette zu kontrollieren, nicht nur die KI-Modelle. Das Unternehmen orientiert sich damit an Apples vertikal integrierter Strategie und will eigenen Prozessor, eigene Hardware und eigene Benutzeroberfläche entwickeln. Kuo geht davon aus, dass die technischen Spezifikationen des Smartphones bis Ende 2026 oder im ersten Quartal 2027 feststehen werden. Für das High-End-Smartphone von OpenAI erwartet er jährliche Auslieferungsmengen zwischen 300 und 400 Millionen Geräten.
Für Apple wäre ein solches Produkt ein ernstzunehmender Angriff auf die aktuelle Marktführerschaft im Smartphone-Segment. Kuos Einschätzung zufolge sind Apples eigene KI-Fähigkeiten begrenzt, das Unternehmen greift bereits auf Googles Gemini-KI-Modelle zurück, um die kommende, überarbeitete Siri-Sprachassistenz zu betreiben.
Darüber hinaus stellt OpenAIs Ansatz das Geschäftsmodell von Apple grundsätzlich infrage. Apple erzielt einen wichtigen Teil seiner Einnahmen mit Diensten, die auf Smartphone-Apps basieren und über den App Store vertrieben werden. Fällt die App-Schicht durch KI-Agenten weg, verliert Apple laut dieser Lesart einen zentralen Hebel für seine Marktführerschaft.
Via: https://wccftech.com
Titelbild KI (Zur Illustration)
