Amazon verhandelt offenbar über eine enge Partnerschaft mit OpenAI. Deren KI-Modelle könnten künftig Alexa und weitere interne Projekte des Konzerns antreiben.
Geplante Milliardeninvestition und technische Zusammenarbeit
OpenAIs Modelle für Künstliche Intelligenz könnten Amazons Sprachassistentin Alexa sowie andere interne Anwendungen unterstützen. Das hat CNBC unter Berufung auf eine mit den Gesprächen vertraute Person bestätigt, die anonym bleiben möchte.
Parallel dazu spricht Amazon nach Angaben dieser Quelle über eine mögliche Investition von bis zu 50 Milliarden US‑Dollar (rund 46 Milliarden Euro) in OpenAI. Die Verhandlungen laufen noch, sind nicht final und können sich weiterhin ändern.
Demnach könnte OpenAI im Rahmen der Vereinbarung auch auf Amazons eigene KI-Chips und Rechenkapazitäten zugreifen. Amazon lehnte einen Kommentar zu den Gesprächen ab. Zuerst hatte das Technologieportal The Information über die angestrebte Partnerschaft berichtet.
Auf höchster Ebene sind Amazon-Chef Andy Jassy und OpenAI-Chef Sam Altman direkt in die Verhandlungen eingebunden. Beide Unternehmen sind damit in einem frühen, vertraulichen Stadium möglicher strategischer Zusammenarbeit.
Alexa+, Rufus und Nova: Amazons KI-Strategie
Für Amazon könnte der Zugang zu OpenAIs Modellen ein wichtiger Baustein der eigenen KI-Strategie werden. Diese zieht sich durch zahlreiche Bereiche des Unternehmens, darunter Sprachassistentin, Einkaufserlebnis und Cloud-Angebote.
Neben Alexa investiert Amazon stark in seinen Einkaufs-Chatbot Rufus. Rufus ist direkt in die Einkaufs-App integriert und nutzt ein internes, speziell entwickeltes Modell, um Nutzeranfragen zu Produkten zu beantworten.
Im vergangenen Jahr hat Amazon eine überarbeitete Version der mittlerweile elf Jahre alten Alexa vorgestellt. Diese soll mit führenden Chatbots wie ChatGPT von OpenAI und Gemini von Google konkurrieren.
Der neue Dienst namens Alexa+ ist laut Amazon „modellagnostisch“. Das bedeutet, dass je nach Aufgabe unterschiedliche KI-Modelle verschiedener Anbieter angesprochen werden können.
CNBC berichtete bereits zuvor, dass das Claude-Modell von Anthropic viele der komplexeren Anfragen von Alexa+ übernimmt. Amazon unterhält zu Anthropic eine bestehende Partnerschaft und hat rund 8 Milliarden US‑Dollar (etwa 7,3 Milliarden Euro) in den OpenAI-Konkurrenten investiert.
Daniel Rausch, bei Amazon verantwortlich für Alexa, sagte diese Woche im CNBC-Interview, dass der Großteil des Datenverkehrs über Amazons eigene Nova-Modelle laufe. Insgesamt nutze das Unternehmen mehr als 70 verschiedene Modelle und pflege eine „großartige Partnerschaft“ mit Anthropic und weiteren Modellanbietern, die über den Bedrock-Dienst von Amazon Web Services bereitgestellt werden.
OpenAI zwischen Apple, Amazon und Geräteoffensive
OpenAI arbeitet bereits mit Apple an dessen Sprachassistentin Siri zusammen. Apple hat zudem im vergangenen Monat eine Vereinbarung mit Google geschlossen, um dessen Gemini-Modelle für eine verbesserte Siri-Version zu nutzen, die später in diesem Jahr erscheinen soll.
Nach Angaben einer mit der Strategie vertrauten Person sieht OpenAI die mögliche Kooperation mit Amazon als stärker wertsteigernd für das eigene Unternehmenskundengeschäft an als die Zusammenarbeit mit Apple. Die Arbeit mit Apple könnte eher als Konkurrenz zu OpenAIs neuen Geräten wahrgenommen werden.
OpenAI treibt den Einstieg in eigene Hardware massiv voran. Im vergangenen Jahr übernahm das Unternehmen das KI-Geräte-Startup io von Jony Ive für rund 6,4 Milliarden US‑Dollar (circa 5,8 Milliarden Euro).
Via: https://www.cnbc.com
Titelbild: Apfeltalk / Michael Reimann