Apple frischt das Studio Display auf, lässt aber aus Sicht von Spieler:innen ein zentrales Detail liegen. Wer auf dem Mac ernsthaft zocken will, steht weiter vor einem Dilemma.
Studio Display bleibt bei 60 Hertz stehen
Apple galt lange als wenig attraktiv für Spiele, viele Rechner waren für aktuelle Titel schlicht zu langsam. Statt auf einem MacBook lief Crysis im Zweifel eher auf irgendeiner alten Kiste.
Mit Apple‑Silicon hat sich das Bild deutlich geändert. Die Spieleleistung der Macs reicht zwar nicht an eine Nvidia GeForce RTX 5090 heran, ist aber spürbar gestiegen. Apple kooperierte sogar mit CD Projekt Red, um Cyberpunk 2077 inklusive macOS‑Optimierungen auf den Mac zu bringen. Macs haben sich damit zu ernstzunehmenden Gaming‑Maschinen entwickelt.
Genau deshalb warteten viele von Euch gespannt auf das neue Studio Display. Apples Ankündigung des überarbeiteten Einzelmonitors sorgt nun jedoch für Ernüchterung, denn das ideale Mac‑Gaming‑Setup lässt weiter auf sich warten.
Die Wunschkombination wäre klar: ein 27‑Zoll‑Display von Apple mit 5K‑Auflösung und 120 Hertz Bildwiederholrate. Ein solcher Monitor würde hochwertiges Apple‑Design mit spieletauglichen Funktionen verbinden. Das bisherige Studio Display bot bereits 27 Zoll und 5K, es fehlte also nur noch die höhere Bildrate. Genau diese Hoffnung erfüllt Apple nun nicht.
Stattdessen konzentriert sich das Update auf andere Bereiche. Es gibt eine 12‑Megapixel‑Kamera mit Folgemodus und besserer Bildqualität, inklusive Schreibtischansicht, hochwertigere Mikrofone, verbesserten Klang mit 3D‑Audio sowie Unterstützung für Thunderbolt 5. Für viele Anwendungen sind das sinnvolle Neuerungen, für Gamer:innen bleibt aber ein Wunsch offen: 120 Hertz.
Wer noch nie mehr als 60 Hertz erlebt hat, unterschätzt leicht den Effekt. Höhere Bildraten lassen nicht nur Spiele, sondern auch den Alltag mit dem Rechner sichtbar flüssiger wirken – vom Scrollen im Browser bis zum Filmabend. Gerade in Spielen mit viel Bewegung wird der Unterschied deutlich. Dennoch bietet Apple bei seinen Stand‑alone‑Displays erneut nur 60 Hertz.
Auf dem MacBook Pro sind 120 Hertz möglich, dafür ist dort bei 16 Zoll Bildschirmdiagonale Schluss. Das Studio Display misst 27 Zoll und wäre damit viel besser für ein immersives Spielerlebnis geeignet. Mac‑Gamer:innen müssen sich also entscheiden: 120 Hertz mit kleinerem Notebook‑Display oder große 27 Zoll mit 60 Hertz. Nach vier Jahren ohne großes Update seit 2022 wirkt dieses Festhalten an 60 Hertz für viele wie ein unnötiger Kompromiss.
Studio Display XDR: Zu teuer und ohne OLED
Einige von Euch werden nun an das neue Studio Display XDR denken. Es löst das seit 2019 vernachlässigte Pro Display XDR ab und bringt zahlreiche Profi‑Funktionen mit. Im Vergleich zum normalen Studio Display setzt das Studio Display XDR auf ein Mini‑LED‑Panel mit 2.304 lokalen Dimmzonen für hohen Kontrast. Die Spitzenhelligkeit in HDR erreicht 2.000 Nits, deutlich mehr als die 600 Nits des Standard‑Modells.
Für Spiele besonders wichtig: Das Studio Display XDR unterstützt 120 Hertz sowie die adaptive Bildwiederholrate „Adaptive Sync“, die dynamisch zwischen 47 und 120 Hertz wechselt. Klingt nach dem perfekten Monitor für Mac‑Gamer:innen – ist es aber in der Praxis kaum.
Der Preis von 3.499 Euro liegt weit über dem Budget der meisten Spieler:innen. Apples Ruf im Gaming‑Bereich mag sich verbessern, dieser Markt ist aber noch längst nicht erobert. Gleichzeitig bieten Hersteller wie Alienware und Asus Gaming‑Monitore mit vielen spielespezifischen Funktionen zu teils deutlich geringeren Preisen.
So kommt der von TechRadar favorisierte 4K‑Monitor Alienware 27 AW2725Q mit 240 Hertz Bildwiederholrate daher. Er erreicht zwar keine 5K und ist weniger hell als das Studio Display XDR, kostet mit 699 Euro aber nur einen Bruchteil. Der Asus ROG Swift OLED PG27UCDM kombiniert ein 4K‑OLED‑Panel mit 240 Hertz für 950 Euro und bleibt damit bei fast einem Drittel des Apple‑Preises.
Gleichzeitig zeigt sich hier ein weiterer Schwachpunkt von Apple im Gaming‑Segment: OLED. Während viele Spitzen‑Gaming‑Monitore auf OLED setzen und Nutzer:innen die tiefen Schwarztöne und den Kontrast schätzen, nutzt Apple bei seinen Top‑Displays weiterhin Mini‑LED. iPhones setzen seit Jahren auf OLED, bei der Studio‑Display‑Reihe fehlt diese Technologie bisher komplett.
Mac‑Gamer:innen müssen weiter warten
Auch das Studio Display XDR dürfte deshalb trotz technischer Fortschritte kaum zum Standardmonitor für Mac‑Gamer:innen werden – und soll das offenbar auch nicht sein. Für professionelle Workflows ist es interessant, für Spiele gibt es spezialisierte Alternativen.
Umso größer war die Hoffnung, dass zumindest das reguläre Studio Display mit 120 Hertz aufrüstet und eine Lücke schließt. Nach der aktuellen Ankündigung ist klar: Wer am Mac ernsthaft spielen will, muss sich für die nächste Monitoranschaffung weiter bei anderen Herstellern umsehen.
Via: https://www.techradar.com
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