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KI-Rechenzentren verschärfen Engpässe bei Auto-Komponenten

Der KI-Boom sorgt inzwischen bei einfachen Auto-Bauteilen für spürbare Engpässe und steigende Kosten. Davon betroffen sind nicht nur chinesische, sondern auch europäische Hersteller.

Keramikkondensatoren und Leiterplatten werden knapp

Chinesische Autohersteller:innen berichten von einer weltweiten Unterversorgung bei Leiterplatten und mehrlagigen Keramikkondensatoren von 20 bis 30 Prozent. Die Preise dieser Bauteile haben sich innerhalb eines Jahres mehr als verdreifacht. Dabei handelt es sich um sehr günstige Standardkomponenten: Ein Keramikkondensator kostet nur einen Bruchteil eines Cents, moderne Fahrzeuge mit Fahrassistenzsystemen benötigen jedoch tausende davon.

Das Problem ist vor allem physischer Natur. Laut Dai Yong vom Hersteller Geely führt der Mangel an Leiterplatten und Kondensatoren dazu, dass ganze Montageketten ins Stocken geraten und die Produktion unterbrochen wird. Das unterscheidet sich deutlich von einer Situation, in der Hersteller:innen lediglich höhere Preise zahlen müssen, aber ausreichend Teile bekommen.

Der wichtigste Nachfragetreiber sind Rechenzentren für Künstliche Intelligenz. Branchenvertreter:innen rechnen damit, dass es mindestens ein Jahr dauern wird, bis die weltweiten Produktionskapazitäten so ausgebaut sind, dass sowohl der Bedarf der KI-Infrastruktur als auch der Automobilindustrie gleichzeitig gedeckt werden kann.

Speicherchips: Autoindustrie konkurriert mit KI-Servern

Besonders angespannt ist die Lage bei Speicherbausteinen. Die Preise für Speicher in Automobilqualität sind in nur drei Monaten um rund 180 Prozent gestiegen. Große Hersteller wie Samsung, SK Hynix und Micron leiten mehr als 80 Prozent ihrer Kapazitäten für moderne Fertigungsverfahren in Richtung KI-Server um. Diese Verlagerung hat zuvor bereits zu Engpässen geführt, die unter anderem die Preise für Googles Pixel-Smartphones steigen ließen.

Gleichzeitig wächst der Speicherbedarf in Fahrzeugen deutlich. Ein einfaches Fahrassistenzsystem der Stufe 2 benötigt etwa 8 GB Speicher. Funktionen wie „Navigieren im Stadtverkehr mit Autopilot“ können hingegen mehr als 300 GB erfordern. Damit konkurrieren Autos direkt mit KI-Servern um dieselben Speicherchips.

Die höheren Kosten kommen bereits bei Käufer:innen an. Mehr als zehn chinesische Hersteller von Elektroautos haben ihre Preise erhöht oder Rabatte um 2.000 bis 6.000 Yuan (rund 255 bis 765 Euro) reduziert. BYD hat die Preise für seine Fahrassistenzfunktionen angehoben, und General Motors warnt vor steigenden Gesamtkosten.

Europa zahlt mit – und hat falsch gefördert

Die aktuelle Knappheit zieht sich seit Monaten durch den gesamten Konsumelektronikmarkt. Sie hat dazu beigetragen, dass es keinen Mac mini mehr für 699 Euro gibt. Microsoft reagierte zudem, indem Windows für Geräte mit 8 GB Arbeitsspeicher weiter verschlankt wurde.

Europäische Autohersteller:innen beziehen ihre Komponenten von denselben Zulieferern wie die Konkurrenz in China. Es gibt keine gesonderte Belieferungsreihenfolge. Volkswagen, Stellantis und BMW sind daher denselben Preisen für Kondensatoren, Leiterplatten und Speicher ausgesetzt – in einem Markt, in dem die Preise für Elektroautos ohnehin nicht weiter sinken.

Für die Politik ist das unangenehm. Europa hat seine Fördergelder für Halbleiter vor allem in modernste Chipfabriken gelenkt. Die Teile, die aktuell ganze Produktionslinien ausbremsen, sind jedoch passive Komponenten und Speicher für den Automotive-Bereich, die in keiner Industrieförderung als strategisch wichtig galten.

Damit bestimmt nun das billigste Bauteil im Fahrzeug, was das gesamte Auto kostet. Diese Lektion in Sachen Lieferkette hat die Branche in den vergangenen fünf Jahren bereits zweimal gelernt – geändert hat sich bei den Beständen bislang wenig.

Via: https://thenextweb.com

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Michael Reimann

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