Eine bislang verborgene Liste in iOS verhindert, dass bestimmte Wörter und Formulierungen auf dem iPhone automatisch vorgeschlagen werden. Betroffen sind offenbar politische Aussagen und Begriffe rund um Drogen.
Wer auf dem iPhone etwa „Schläfriger Joe“ (Sleepy Joe), „Diktator Trump“ oder „tibetische Unabhängigkeit“ eintippt, erhält dafür keine Vorschläge zur Autovervollständigung. Auch die Texteingabe durch Wischen funktioniert bei diesen Formulierungen nicht. Forschende sehen darin Hinweise auf eine sogenannte graue Liste, die in iOS verborgen ist.
Entdeckt hat die Liste der Forscher Derek Kauffman. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete darüber; ein unabhängiger Cybersicherheitsingenieur bestätigte den Fund. Nach Einschätzung der Beteiligten könnte die Liste mindestens 100.000 Wörter und Formulierungen umfassen.
Zu weiteren Beispielen zählen laut dem „Guardian“ die Ausdrücke „NSA-Spione“, „Hinterfrage deine Sexualität“ und sogar „Australien ist ein sehr schlechter Ort“. Auch Begriffe im Zusammenhang mit Drogen scheinen bei der automatischen Vervollständigung und der Wischeingabe nicht aufzutauchen.
Die Wörter lassen sich weiterhin ganz normal eintippen und in Nachrichten verwenden. iOS schlägt sie lediglich nicht automatisch vor und erkennt sie offenbar nicht bei der Eingabe durch Wischen. Andere Begriffe kann die Tastatur weiterhin auf diese Weise ergänzen.
Apple wollte sich gegenüber Reuters nicht konkret zu der Liste äußern. Das Unternehmen erklärte jedoch, die iPhone-Tastatur sei so eingerichtet, dass sie keine Vorschläge mache, die unangemessen oder beleidigend sein könnten.
Der Bericht erinnert an einen Vorfall aus dem Vorjahr: Damals änderte die Diktierfunktion auf iPhones das Wort „Trump“ zu „rassistisch“. Was genau dazu führte, blieb unklar. Bei automatisierten Funktionen dieser Art können solche Probleme auftreten.
David Greene von der Electronic Frontier Foundation kann nachvollziehen, warum Apple eine solche Liste für die iOS-Tastatur führen könnte. Nutzer:innen sollten darüber jedoch gut informiert sein und die Möglichkeit erhalten, die Funktion anzupassen, sagte er Reuters.
Auch Kauffman hält zusätzliche Informationen von Apple für sinnvoll. Das Unternehmen sollte genauer erklären, welche Begriffe betroffen sind und warum sie nicht vorgeschlagen werden. Der Forscher bezeichnete die Funktion gegenüber Reuters als eine „sehr zurückhaltende Form der Zensur“. Bei Apples Reichweite könne jedoch schon ein geringer Eingriff große Auswirkungen haben.
Die Diskussion betrifft damit nicht die Möglichkeit, bestimmte Wörter zu schreiben. Im Mittelpunkt steht vielmehr, welche Inhalte die Tastatur automatisch anbietet und welche sie auslässt. Bislang ist nicht bekannt, wie die Liste genau aufgebaut ist oder ob Nutzer:innen sie selbst verändern können.
Via: https://www.techradar.com
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