Das iPhone Duo hatte – wenn man Social Media glauben schenken darf – einen schwierigen Start. Neue iPhone s müssen sich ja immer einer gewissen Tortur unterziehen. Ein „Foldable“ von Apple um so mehr.
Davon habe ich mich aber nicht beeindrucken lassen und mir das Gerät davon unabhängig angeschaut. Was kann das neue iPhone, warum braucht man das (oder auch nicht) und was muss sich ändern? Das sind die Fragen, die ich mir im Zuge dieses Reviews stelle.
Auspacken
Das iPhone Duo kommt aufgeklappt daher. Das ist aber auch logisch, denn dann ist der Screen „entspannt“. Die Mechanik entlastet und – ganz simpel – der Karton flacher. Wie immer sind auf den Laschen, die den Karton verschließen unsichtbare – mit UV-Licht erkennbare – Marker angebracht. Es ist sicher nur ein kleiner Schutz, aber Fake-Geräte haben diese Markierungen in der Regel nicht. Neben dem Gerät gibt es noch ein USB-C-Ladekabel und das war es. Kein Poliertuch oder so. Naja für fast 3.000 Euro (mein Gerät ist die Version mit 1TB), kann man ja auch nicht viel erwarten.
Einrichten
Wie die meisten iPhones kam auch das Duo vorgeladen mit ca. 70 Prozent Ladung, so dass ich gleich loslegen konnte. Die restliche Einrichtung war so einfach wie immer. Daher spare ich mir hier die Details. Apple Account eingeben – wenn vorhanden – Apps laden oder alles aus einem Backup übernehmen. Kein Problem. Vor der ganzen Einrichtungsarie will das Duo aber noch ein Software-Update haben. Dieses kann man nicht umgehen und danach war es auf iOS 27.2. Ursprünglich hatte Apple iOS 27.1 exklusiv für das Duo herausgegeben. Aber nun, da eine neue Version verfügbar ist, sind alle Geräte wieder einheitlich.
Der erste Eindruck
Wie geschrieben, kommt das Duo ja aufgeklappt. So hat man also zunächst mit dem „matten“, großen Screen zu tun. Bei dem fallen zwei Dinge sofort auf: Die Nano-Textur-Folie reicht nicht bis an den Rand des Displays und die Kamera unter dem Display fällt dennoch sofort auf, weil an dieser Stelle die Folie nicht matt ist. Apple hätte die Kamera also nicht zwingend unter dem Display verstecken müssen. Man sieht sie sowieso. Vom Abziehen der Folie, wie es einige YouTube gemacht haben, habe ich dann mal abgesehen. Warum? Dazu später mehr.
Es klappt
Alle Witze mit „Klappen“, „Knicken“ und „Falten“ sind von allen schon gemacht. Daher spare ich mir das an dieser Stelle. Was aber – im direkten Vergleich zum ähnlichen Samsung Galaxy Z Fold 8 auffällt. Wenn man das iPhone Duo anfängt aufzuklappen, springt es quasi schon von selbst ein paar Grad auf. Das liegt sicher an den Magneten, die beide Hälften zunächst fest zusammenhalten. Außerdem sicher an der Konstruktion des Scharniers. Dieser feine Unterschied zum linearen Verhalten des Z Fold 8 macht aus meiner Sicht den Unterschied. Verbunden mit den leicht gerundeten Kanten des Duo lässt sich dieses einfacher öffnen als das Fold. Aber eine Sache nervt dennoch. Auch dazu gleich mehr.
Die zwei Gesichter des iPhone Duo
Fangen wir mit dem kleinen Screen auf der Vorderseite und im zusammengeklappten Zustand an. Hier sehen wir quasi eine kleine Version eines iPhones. Allerdings im „neuen“ Passport-Format. Dennoch ist alles da wo man es erwartet. Auch das Kontrollzentrum kommt ins Bild, wenn man oben rechts tippt oder nach unten wischt. Neu ist die runde WLAN, Akku und Mobilfunk-Anzeige. Praktisch. Man fragt sich, warum die nicht auch auf „normale“ iPhones kommt. Aber irgendeinen Kaufgrund muss es ja geben.
Klappt man nun das Gerät auf bekommt man die volle Bandbreite des chaotischen iPhone-Home-Screens. Apple hat zwar immer wieder mit jeder neuen iOS-Version am Home-Screen gedoktert, dennoch sieht das Teil fast immer noch so aus, wie auf dem ersten iPhone. Und jetzt bei dieser vollen Breite wirkt es noch unübersichtlicher. Sicher, man kann Apps in Ordner gruppieren. Gerade bei vielen Apps und mehreren Bildschirmen, kann das eine echte Herausforderung sein. Hier hätte ich, angesichts der neuen Geräteklasse mehr von Apple erwartet.
Was mich aber überzeugt hat ist die matte Darstellung. Auch wenn die Farben vielleicht nicht mehr so brilliant sind, wie auf der Vorderseite. Das Lesen ist damit wirklich angenehm. Es fühlt sich auch gut an, mit dem Finger über den inneren Screen zu wischen. Und ich habe das Gefühl, dass ich weniger bis keine Fingerabdrücke hinterlasse. Ganz im Gegensatz zur Außenseite. Reflexionen gehören der Vergangenheit an. Wie konnte ich nur jemals auf einem normalen iPhone-Screen klarkommen?
Es gibt im Netz Videos bei denen man sieht, wie die Folie abgezogen wird. Ohne Nano-Folie wirkt das Display brillanter, allerdings sieht man die so genannte „Falte“ auch besser. Was den Schutz des Displays angeht, kann ich keine Aussage machen und auch nicht was die Garantie angeht. Allerdings bietet Apple gegen Gebühr einen Ersatz der Folie an, sollte diese im Laufe der Zeit beschädigt sein, oder sich lösen. Selber werde ich dieses Experiment nicht wagen.
Apps und Anpassungen
Viele Apps sind bereits einigermaßen auf das neue Displayformat des iPhone Duo angepasst. Ist eine App noch nicht so weit, erkennt man das am schwarzen Balken am rechten Rand des Displays. Auf dem inneren Screen sitzen nicht angepasste Apps dann in der Mitte, lassen sich aber nach rechts schieben. Große Namen wie zum Beispiel YouTube sind noch nicht auf den Duo-Zug aufgesprungen, aber deren Apps sind sowieso nie ganz vorne mit dabei. Andere wie zum Beispiel Instagram haben zwar ihre App angepasst, aber offensichtlich mit zu heißer Nadel. Hier muss dringend noch nachgebessert werden.
Für Entwickler ist das Anpassen je nach App mit etwas Aufwand verbunden. Apple stellt mit Xcode 27.2 die nötigen Hilfen bereit. Ein einfaches Neukompilieren bringt es meistens nicht. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Apps noch nicht angepasst sind. Dies wird sich mit der Zeit sicher ändern. Bis dahin kann man viele Apps auch so verwenden. Im empfehle für diese Fälle das Hochformat. Da lässt sich eine App dann mittels eines Buttons skalieren. Es kommen Gedanken an das erste iPad hoch. Dort war es zunächst auch so.
Kleiner Hinweis in eingener Sache: Meine Apps sind bereits alle auf das neue Format angepasst:
Die Kameras
Das Duo hat mehr Kameras, als man denkt. Hinten die zwei Hauptkameras, die nicht ganz unsichtbare „Unterdisplay-Kamera“ auf dem Innendisplay und die Holepunch-Kamera auf der Vorderseite. Apple hat auch mitgedacht, was die Hauptkameras angeht. Falt-Phones schreien ja danach, dass man diese Kameras auch für Selfies nimmt. Einfach den Außenscreen als Monitor nehmen. Man kann aber auch den Außenscreen als Monitor für Personen nehmen, die man fotografieren möchte. Der Unterschied beider Modi liegt in den Bedienelementen. Für Selfies wandern sie auf dem Außenmonitor. Für Aufnahmen Dritter, liegen die Bedienelemente innen.
Was Selfies angeht, kann man natürlich auch die beiden anderen Kameras nutzen. Diese haben aber nicht die gleiche Qualität. Aber bei der richtigen Beleuchtung machen sie immer noch gute Fotos. Aber der wirkliche Einsatzzweck ist eher für Facetime oder andere Videotelefonate. Gleiches gilt aus meiner Sicht auch für die Holepunch-Kamera auf dem vorderen Screen.
Der große innere Screen ist aber in jedem Fall ein prima Sucher. Auch wenn ich die Tele-Kamera des iPhone 18 Pro Max schon ein wenig vermisse.
Was Apple gut gemacht hat
Das iPhone Duo ist bekanntermaßen Apples erstes faltbares Smartphone. Dennoch ist es aus meiner Sicht gelungen, ein durchaus kompaktes Gerät mit einer praktischen Faltfunktion zu bauen. Die Animation beim Öffnen ist wirklich super und manchmal hat man tatsächlich den Eindruck, man blickt durch einen Glasblock. Die Steuerung und die Elemente auf dem Screen machen nicht den Eindruck, sie seien willkürlich gewählt. Hier merkt man, dass da viel Zeit investiert wurde.
Überhaupt erinnert die ganze Haptik des Gerätes an das iPhone Air. Auch wenn das vielleicht kein kommerzieller Erfolg war, so war es doch eine Design-Ikone. Zumindest in meinen Augen. Dem folgt nun das iPhone Duo. Dass man sich wieder für Titan entschieden hat, ist aus meiner Sicht ein guter Schritt. Es ist mitnichten ein Beta-Gerät sondern ein vollwertiges iPhone.
Wo Apple besser werden sollte
Nichts und Niemand ist perfekt. Auch Apple nicht. Das Duo musste auf zahlreichen YouTube-Kanälen durch einige extreme „Tests“. Wie aussagekräftige diese Videos sind, sei mal dahingestellt. Eines zeigen sie aber doch. Auch Apple kann die Physik nicht ändern. Auch wenn manche Leute im Netz das immer noch glauben. Ein Screen der extrem stark gebogen wird lässt sich das mit einer „Delle“ anmerken. Ein iPhone, das zusammengeklappt wird, enthält zwangsläufig mechanische Elemente. Es ist diese Mechanik, die über wohl oder Weh des iPhone Duo entscheiden wird. Nicht wegen der kurzlebigen Tests, sondern im Alltag. Ich bin sehr gespannt, wie lange Screen und Scharnier im Alltag halten.
Was richtig nervt und nicht nachvollziehbar ist: Warum hat das iPhone Duo kein Face ID? Touch ID, ist langsam. Ja, ich weiß dass man das Duo auch mit der Apple Watch entsperren kann. Aber das ist nicht der Punkt. Apple geht bei seinem neuesten iPhone einfach einen Schritt zurück. Was aber noch viel mehr nervt: Warum befindet sich auf der Seite, auf der man das Gerät aufklappt, der blöde Kamera-Button. Abgesehen davon, dass man den nicht braucht, passiert es andauernd, dass ich den beim Aufklappen betätige. Warum gibt es den überhaupt noch? Überhaupt ist die Anordnung der Buttons besser im zugeklappten Zustand. Nutzt man das Gerät aufgeklappt und im Porträt-Format, also Hochkant, ist Touch ID beispielsweise oben in der Mitte. Das ist nicht so ergonomisch. Face ID wäre – vermutlich – die Ausrichtung egal.
Fazit
Das iPhone Duo ist wesentlich besser als sein Ruf. Es erinnert an das iPhone Air. Das ist auch wesentlich besser als sein Ruf. Apples neue Designsprache spricht zumindest mich an. Ob ich immer ein Faltphone brauche sei mal dahingestellt. Ich hatte schon so einige hier auf dem Tisch. Aber wenn ich wieder ein Faltphone habe wollen würde, dann würde es mit ziemlicher Sicherheit ein iPhone Duo. Warten wir also ab, was Apple uns da noch präsentieren wird. Und vielleicht habe ich auch nur Glück gehabt, aber bei mir hält der Screen bisher. Also Daumen drücken.
Wenn ihr auf der Suche nach einem iPhone Duo seid, dann kann euch unsere macOS-App Duo Radar helfen. Oder auf dem iPhone unsere Apfeltalk-App. Dort werden euch die aktuellen Verfügbarkeiten in den deutschen Apple Stores angezeigt.
Zur Transparenz sei gesagt, dass ich das iPhone Duo für diesen Test selber gekauft habe.
