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iOS-App „Carrier Pidge“ lässt Nachrichten per virtueller Brieftaube fliegen

Wer von der ständigen Erreichbarkeit genervt ist, könnte in „Carrier Pidge“ eine ungewöhnliche Alternative finden. Die iOS-App verlangsamt Chats bewusst auf das Tempo einer Brieftaube.

Nachrichten reisen mit Taubengeschwindigkeit

Entwickler Noah Larrobino hat mit „Carrier Pidge“ eine Kurznachrichten-App geschaffen, in der Botschaften nicht sofort ankommen. Stattdessen werden sie so zugestellt, als würden sie von einer Brieftaube transportiert. Larrobino berichtet, dass er drei Wochen an der App gearbeitet hat, die damit sogar langsamer ist als E-Mail.

Laut Beschreibung im App Store bewegen sich Nachrichten in „Carrier Pidge“ mit rund 110 Meilen pro Stunde, also etwa 100 Meilen pro Stunde (rund 160 km/h). Grundlage für die Berechnung sind die GPS-Positionen der beteiligten Geräte. Schickt Ihr eine Nachricht von Los Angeles nach New York, dauert die Zustellung ungefähr 22 Stunden, bevor die Empfänger:innen sie lesen können.

Die App orientiert sich stark am Bild der historischen Brieftaube: Die Nachrichten „fliegen“ virtuell durch den digitalen Luftraum, angehängt an den virtuellen Fuß einer ebenso virtuellen Taube. Dadurch soll sich elektronische Kommunikation langsamer und damit bewusster anfühlen.

Ablenkbare Vögel, Echtzeit-Tracking und Nachrichtenverlust

Die Brieftauben-Analogie geht über die bloße Verzögerung hinaus. Auf dem Weg zum Ziel können sich einzelne virtuelle Vögel ablenken lassen. In solchen Fällen verlangsamt sich die Zustellung, laut Entwickler um bis zu 25 Prozent. Das bedeutet: Eine ohnehin lange „Flugzeit“ kann sich noch einmal spürbar verlängern.

In der App ist zudem ein Echtzeit-Flugtracker integriert. In einem Beitrag von Larrobino ist zu sehen, wie eine Nachricht von New York zu einem Ziel im Vereinigten Königreich unterwegs ist. Der Bildschirm zeigt an, dass die Taube noch einen Tag und zwei Stunden vom Ziel entfernt ist. Nutzer:innen können so quasi live verfolgen, wie sich ihre Botschaft Schritt für Schritt dem Ziel nähert.

Allerdings ist der virtuelle Transport nicht immer zuverlässig. Bei jeder gesendeten Nachricht besteht eine Wahrscheinlichkeit von 0,2 Prozent, dass sich die Taube „verfliegt“ und die Nachricht nie ankommt. Damit ist nicht garantiert, dass eine Botschaft tatsächlich zugestellt wird – ein bewusster Bruch mit den Erwartungen moderner Messenger.

Keine Lesebestätigungen und sterbende Tauben

Ein weiteres Detail unterscheidet „Carrier Pidge“ von gängigen Kurznachrichtendiensten: Es gibt keine Lesebestätigungen. Wer eine Nachricht erhält, hinterlässt also keine sichtbare Spur, ob sie oder er diese bereits geöffnet hat. Das kann Nutzer:innen etwas mehr Spielraum geben, auf Nachrichten später oder gar nicht zu reagieren, ohne dass dies sofort als unhöflich wahrgenommen wird.

Gleichzeitig ließe sich dieses Prinzip weiter ausbauen. Die Beobachtung liegt nahe, dass auch der Flugtracker ungenauer arbeiten könnte, um noch mehr Unsicherheit und damit Entlastung zu schaffen. Konkrete Hinweise auf eine solche Funktion gibt es derzeit jedoch nicht.

Als zusätzliche Komponente fügt Larrobino seiner Simulation noch ein weiteres Risiko hinzu: Manchmal „stirbt“ die virtuelle Taube unterwegs. In solchen Fällen erreicht die Nachricht ihr Ziel nicht. Der Entwickler betont, dass diese Funktion die Realitätsnähe der App erhöhen soll, indem sie die Gefahr für Brieftauben auf ihren Routen abbildet.

„Carrier Pidge“ ist derzeit im App Store für iOS verfügbar. Larrobino kündigt an, die App künftig auch für Android anzubieten. Monetarisiert wird der Messenger darüber, dass Nutzer:innen ihren digitalen Taubenschwarm erweitern und bis zu zehn zusätzliche Vögel freischalten können.

Entwickler: Noah Iarrobino
Preis: Kostenlos+

Via: https://www.tomshardware.com

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Michael Reimann

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