Ich habe in den letzten Wochen die GoPro Hero 13 Black im Alltag und beim Sport ausprobiert. Obwohl die Actioncam schon ein paar Tage am Markt ist, findet sie sich immernoch weit vorne in Verkaufsstatistiken.
Alle Jahre wieder grüßt das Murmeltier – oder in unserem Fall: der Marktführer der Actioncams. Pünktlich im September hat GoPro die Hero 13 Black auf den Markt geworfen. Für mich bei Apfeltalk natürlich ein Pflichttermin. Ist die „13“ eine Unglückszahl oder der neue Glücksgriff für Content Creator? Ich habe mir die Kamera geschnappt, sie ausgepackt und in den letzten Wochen im Alltag getestet, um genau das herauszufinden. Dabei habe ich mich nicht nur auf mein eigenes Urteil verlassen, sondern auch tief in die Analysen aus der Tech-Welt eingegraben. Spoiler vorab: Es hat sich mehr getan, als das Gehäuse vermuten lässt, aber es gibt auch Schattenseiten.
Ausgepackt
Wer schon einmal eine GoPro in den letzten Jahren gekauft hat, kennt das Spiel: Die Verpackung ist lobenswert plastikfrei und minimalistisch. GoPro setzt hier konsequent auf Nachhaltigkeit, was wir gerne sehen. Im Karton finden wir neben der Kamera selbst den obligatorischen Enduro-Akku, eine gebogene Klebehalterung, den Befestigungsclip und ein USB-C-Kabel. Auf den ersten Blick gleicht die Hero 13 ihrem Vorgänger fast wie ein Ei dem anderen. Das gummierte, robuste Gehäuse, die zwei Displays (vorne und hinten) – alles wirkt vertraut.
Doch der Teufel steckt im Detail. Dreht man die Kamera, fallen kleine Änderungen auf. Vorne gibt es nun ein Gitter-Design, das wohl der Kühlung dienen soll – ein Thema, das bei 5.3K-Aufnahmen immer relevant ist. Viel spannender ist jedoch das, was man nicht sofort sieht, aber spürt: Das neue Befestigungssystem. GoPro hat endlich auf die Rufe der Community gehört und eine magnetische Halterung, den Magnetic Latch Mount, integriert, die zusätzlich zu den klassischen „Hasenohren“ und dem 1/4-Zoll-Gewinde existiert.
Das Klick-Geräusch beim Einrasten ist ungemein befriedigend und verspricht schnellen Wechsel zwischen Halterungen. Ein kleines, aber feines Detail beim „Auspacken“ ist der Akku selbst: Er hat eine leicht andere Form und Kontakte. Das bedeutet leider: Eure alten Hero 9-12 Akkus passen hier nicht mehr. Dazu später mehr.
Die Daten: Linsen-Magie und Zeitlupen-Wahnsinn
Kommen wir zu den harten Fakten, die Tech-Herzen höher schlagen lassen. Das Herzstück der Hero 13 Black ist nach wie vor der Sensor. Hier muss ich gleich zu Beginn etwas Erwartungsmanagement betreiben: Es ist derselbe 1/1.9-Zoll-Sensor wie in der Hero 11 und 12. Wer auf einen 1-Zoll-Sensor gehofft hat, um der Konkurrenz von DJI oder Insta360 in der Nacht Paroli zu bieten, wird enttäuscht. Dennoch holt GoPro alles aus dem Chip heraus. Wir sprechen von 5.3K Video mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde, 4K mit 120 fps und – das ist neu – einem „Burst Slo-Mo“-Modus. Dieser erlaubt unfassbare 400 Bilder pro Sekunde bei 720p oder 360 fps bei 900p für kurze Sequenzen. Das friert selbst den Flügelschlag eines Kolibris ein.

Das wirkliche Highlight der „Daten“ ist aber die neue HB-Series der Linsen. GoPro hat das Wechselobjektiv-Konzept professionalisiert. Die Kamera erkennt nun automatisch, welches Mod aufgeschraubt ist – sei es das neue Ultra-Wide-Lens-Mod, das Anamorphic-Mod für den Kino-Look oder das extrem spannende Macro-Lens-Mod.

Letzteres erlaubt Fokusabstände, die bisher bei Actioncams unmöglich waren. Zudem kehrt ein alter Bekannter zurück: Das GPS ist wieder an Bord! Nachdem es bei der Hero 12 sträflich weggelassen wurde, können wir nun wieder Geschwindigkeits- und Höhendaten direkt in die Videos „stempeln“. Auch neu: WiFi 6 für bis zu 40% schnellere Übertragungen auf unser iPhone oder iPad. Gerade für den Workflow unterwegs ein Segen.
Wollte GoPro zum Marktstart noch 449,99 Euro für die Hero 13. so findet sie sich bei Amazon für günstige 279 Euro, also 38 Prozent billiger.
Im Alltag: Die neuen Linsen im Praxis-Check
Grau ist alle Theorie, entscheidend ist, was auf dem Trail oder im Familienurlaub passiert. Ich habe die Hero 13 in verschiedenen Szenarien getestet und besonders das neue Linsen-System unter die Lupe genommen. Die automatische Erkennung funktioniert tadellos. Schraubt man das Macro-Mod auf, schaltet die UI sofort um und bietet Focus-Peaking an. Das ist ein Gamechanger für Vlogger, die Produkte nah in die Kamera halten wollen, oder für kreative Detailaufnahmen in der Natur. Der Fokusring am Mod läuft satt und ermöglicht manuelle Kontrolle – „Prosumer“-Feeling pur.

Im normalen Action-Einsatz zeigt sich die bewährte HyperSmooth 6.0 Stabilisierung von ihrer besten Seite. Selbst beim Laufen oder auf dem Rad wirkt das Bild wie auf Schienen. Ein Kritikpunkt vieler Reviews, den auch ich bestätigen muss, ist jedoch die Low-Light-Performance. Sobald die Sonne untergeht, rauscht es im Bild. Hier merkt man das Alter des Sensors. Wer hauptsächlich nachts filmt, ist hier falsch. Dafür punktet die Hero 13 bei gutem Licht mit den nun verfügbaren HLG (Hybrid Log Gamma) HDR-Videos, die auf entsprechenden Displays fantastisch aussehen und mehr Dynamik bieten als das Standard-Profil.
Akku, Hitze und das magnetische Ökosystem
Ein leidiges Thema bei Actioncams ist die Überhitzung. Hier scheint das neue Kühldesign vorne tatsächlich etwas zu bringen. In meinen Tests konnte die Kamera länger in 5.3K aufnehmen, bevor sie eine Pause brauchte, besonders wenn ein leichter Luftzug (Fahrtwind) vorhanden war. Der neue 1900 mAh Enduro-Akku hält laut GoPro 10% länger. Im Alltag ist dieser Unterschied spürbar, aber keine Weltreise. Was wirklich schmerzt, ist der Bruch der Kompatibilität. Wer eine Schublade voller Hero 11/12 Akkus hat, kann diese nicht nutzen. Das ist ärgerlich, auch wenn GoPro argumentiert, dass die neue Bauform für die bessere Effizienz und Wärmeableitung nötig war.

Ein interessantes Zubehör, das ich „ausprobiert“ habe, ist das neue „Contacto“ Magnet-Ladekabel und die dazugehörige Tür. Es erlaubt das dauerhafte Laden der Kamera, ohne dass man die wasserdichte Klappe öffnen muss – perfekt für lange Zeitraffer oder den Einsatz als Dashcam. Apropos Magnete: Die neue magnetische Halterung an der Unterseite ist ein Segen. Mal eben die Kamera vom Brustgurt an den Selfie-Stick clippen, ohne Schrauben zu drehen? Endlich! Und für die Traditionalisten: Die Finnen zum Schrauben sind immer noch da.
Zuletzt sei die GoPro Quik App erwähnt. Mittels dieser lassen sich Bilder und Videos in vielfacher Hinsicht bearbeiten.
Auch wenn die App sehr penetrant zur Registrierung auffordert, lässt sie sich als Gast nutzen. Daneben fordert sie ausdauernd zum. Abschluss eines Premium Abos auf. Ich empfinde die vergleichbaren Apps der Wettbewerber an diesem Punkt etwas unaufdringlicher. Inhaltlich lässt sich das aufgenommene Material in der App einfach editieren und zum Export bearbeiten. Hier spürt man die lange Erfahrung des Actioncam Pioniers.
Fazit
Ist die GoPro Hero 13 Black die beste Actioncam auf dem Markt? In vielerlei Hinsicht: Ja. Ist sie perfekt? Nein. GoPro hat sich dieses Jahr für Evolution und Verfeinerung entschieden, statt den Sensor-Hammer auszupacken.
Positiv hervorzuheben ist das unglaublich flexible Ökosystem der neuen HB-Linsen. Die automatische Erkennung und die kreativen Möglichkeiten durch das Macro-Mod sind einzigartig. Auch die Rückkehr des GPS und die Einführung der magnetischen Halterung verbessern den Workflow im Alltag massiv. Die Bildqualität bei Tag ist nach wie vor der Goldstandard, und die Stabilisierung sucht ihresgleichen.
Doch es gibt Kritikpunkte:
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Low-Light-Schwäche: Der Sensor ist in die Jahre gekommen. Bei Dämmerung und Nacht ziehen Konkurrenten mit größeren Sensoren davon.
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Akku-Inkompatibilität: Der Zwang zu neuen Akkus ärgert Bestandskunden unnötig, auch wenn die Leistung leicht besser ist.
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Preis der Mods: Wer das volle Potenzial der Hero 13 nutzen will (Macro, Anamorphic, ND-Filter), muss tief in die Tasche greifen. Die Kamera allein ist nur der Anfang.
Das Ergebnis: Für Besitzer einer Hero 11 oder 12 lohnt sich das Upgrade vor allem dann, wenn man spezifische kreative Wünsche hat (Macro-Aufnahmen, Anamorphic-Look) oder das GPS schmerzlich vermisst hat. Für Neueinsteiger oder Besitzer älterer Modelle ist die Hero 13 Black jedoch das rundeste, vielseitigste und robusteste Paket, das man aktuell kaufen kann. Ein klassischer „Apple-Move“: Nicht immer die allerneueste Hardware-Spezifikation auf dem Papier, aber eines der besten Nutzererlebnisse im Gesamtpaket.
Die GoPro Hero 13 Black wurde uns von GoPro für diesen Test zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an den Hersteller.
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Bilder Autor und GoPro
