Mehrere große Tech-Konzerne verzichten erstmals seit Jahren darauf, ihre Diversitätsdaten zu Geschlecht und Herkunft zu veröffentlichen. Was bedeutet dies für Transparenz und Gleichstellung in der Branche?
Wegfall der Transparenz
Google, Microsoft und Meta veröffentlichen in diesem Jahr keine Berichte mehr zu Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion innerhalb ihrer Belegschaften. Vier Mitarbeitende von Google bestätigten gegenüber Wired, dass es keine aktuellen Zahlen geben wird. Auch Sprecher:innen von Microsoft und Meta bestätigten den Verzicht auf neue Berichte im Jahr 2025. Das Ausbleiben dieser Daten erschwert die Nachverfolgung von Fortschritten oder Rückschritten bei der Vielfalt der Arbeitskräfte in US-Techkonzernen. Bürgerrechtsgruppen und Mitarbeitendenvertretungen könnten so künftig weniger Einblick in die tatsächliche Entwicklung innerhalb dieser Firmen erhalten.
Im Gegensatz zu Google, Microsoft und Meta haben andere Branchenriesen wie Apple, Amazon und Nvidia auch 2025 aktuelle Diversitätsdaten veröffentlicht. Diese Unternehmen halten damit an ihrer bisherigen Praxis fest. Google reagierte nicht auf Presseanfragen zu den jüngsten Entwicklungen.
Hintergründe und Entwicklungen
Seit 2014 veröffentlichten zahlreiche US-Technologiefirmen unter zunehmendem Druck von Bürgerrechtsgruppen, darunter die Rainbow PUSH Coalition von Jesse Jackson, belastbare Zahlen zur Zusammensetzung ihrer Belegschaften. Die Diversitätsdaten zeigten teils Fortschritte beim Anteil von Frauen und People of Color. Jedoch blieben diese Gruppen in technischen und leitenden Positionen weiterhin unterrepräsentiert. Zusätzlich legten einige Unternehmen höhere Fluktuationsraten bei Minderheiten offen und räumten eine strukturelle Unterrepräsentanz etwa von LGBTQ- und behinderten Mitarbeitenden ein.
Mitte 2024 erschien zuletzt ein Diversitätsbericht von Google. Microsoft veröffentlichte im Oktober 2024 zuletzt Zahlen, Meta im Jahr 2022. In den Berichten wurde offengelegt, dass viele der Tech-Firmen weiterhin vor Herausforderungen stehen, wenn es um echte Diversität in den Führungsetagen geht.
Die Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus Anfang 2025 wirkte sich direkt auf die Strategien vieler Konzerne aus. Er ordnete unter anderem an, private Unternehmen für DEI-Maßnahmen (Diversity, Equity, Inclusion) abzumahnen oder zu bestrafen, sofern sie gezielt Einstellungsziele für Minderheiten verfolgen. Im Umfeld dieser Maßnahmen reduzierten auch Google und Meta ihre Ziele für die Einstellung von Minderheiten und strichen teils Begriffe wie „Diversität“ aus öffentlichen Dokumenten und von ihren Websites. Laut Aussagen von Beschäftigten verschob sich der Fokus, Mitarbeitende, die sich für Vielfalt einsetzten, wurden in andere Aufgabenbereiche gesteckt oder verließen das Unternehmen.
Branchenvergleich und künftige Bedeutung
Während Google, Microsoft und Meta keine neuen Berichte liefern, bleiben Apple, Amazon und Nvidia ihrer Linie treu. Die aktuellen Daten dieser Unternehmen zeigen: Der Anteil männlicher Mitarbeitender liegt weltweit bei rund 70 Prozent, etwa 40 Prozent ihrer US-Belegschaft sind weiß. Freiwillig veröffentlichten Apple und Amazon zudem ihre EEO-1 Berichte an die US-Bundesbehörde EEOC, die diese Informationen offiziell verlangt – allerdings bedrohen neue Gerichtsurteile und politische Vorgaben zukünftig die Transparenz.
Bislang halfen die veröffentlichten Zahlen dabei, externe Initiativen und Gerichtsverfahren gegen Diskriminierung zu unterstützen. Die US-Bundesbehörde EEOC bescheinigte bereits 2023, dass Diskriminierung mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Unterrepräsentanz von Frauen, Schwarzen, Hispanics und älteren Menschen in der US-Techbranche beiträgt.
Vertreter:innen von Bürgerrechts- und Verbrauchergruppen betonen, dass Anstrengungen für mehr Diversität wichtig bleiben. Nur so könnten Teams entstehen, die Kund:innenbedürfnisse besser verstehen. Yusef Jackson von der Rainbow PUSH Coalition kündigte an, sich weiterhin für Transparenz einzusetzen, denn Unternehmen, deren Mitarbeitende die Gesellschaft widerspiegeln, seien auch wirtschaftlich besser aufgestellt. Julie Owono, Geschäftsführerin der NGO Internet Sans Frontières, sieht in rückläufigen Prioritäten für Diversität spürbare Auswirkungen auf Reaktionszeiten bei Online-Sicherheitsthemen. Trotz politischer Unsicherheiten halten einige Firmen weiterhin an Transparenz fest.