Das Startup Fireflies versprach eine KI-Lösung für automatische Meeting-Notizen. Nun kam heraus: Zu Beginn steckten tatsächlich die Gründer selbst hinter dem angeblichen „KI“-Service.
Schummel statt künstlicher Intelligenz
Die Gründungsphase vieler Technologiefirmen ist von der „Fake it till you make it“-Mentalität geprägt. Auch das US-Unternehmen Fireflies, bekannt für seine Meeting-KI, folgte diesem Prinzip. Das Tool sollte Nutzer:innen dabei unterstützen, während Online-Besprechungen automatisch Notizen anzufertigen. Doch wie Sam Udotong, einer der Mitgründer, nun öffentlich machte, arbeitete die beworbene künstliche Intelligenz anfangs gar nicht. Statt einer automatisierten Software saßen die beiden Gründer, Sam Udotong und Krish Ramineni, hinter dem Computer, verfolgten heimlich Meetings und fertigten handschriftliche Notizen an.
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Udotong schilderte auf LinkedIn, dass sie sich unter dem Pseudonym „Fred“ in Videokonferenzen einwählten. Nach den Besprechungen schickten sie binnen zehn Minuten die Mitschriften, die von Hand erstellt wurden. Die Kund:innen erhielten also zunächst keine innovative KI, sondern den Arbeitsaufwand der Gründer selbst. Laut Aussage von Udotong wussten einige Kund:innen davon, andere vermutlich nicht – gestört hat es sie offenbar kaum.
Mittlerweile ist Fireflies zu einer beachtlichen Größe gewachsen. Laut eigenen Angaben wird das Tool in drei Vierteln der Fortune-500-Unternehmen genutzt. Im Juni 2025 wurde Fireflies mit einer Milliarde US-Dollar (rund 933 Millionen Euro) bewertet. Aus den improvisierten Anfängen ist heute ein vollständig KI-gestützter Service geworden.
Die Branche und ihre Schwachstellen
Das Vorgehen von Fireflies ist in der Startup-Szene nicht ungewöhnlich. Viele Gründer:innen testen ihr Produkt zunächst, indem sie Arbeitsprozesse manuell ausführen, bevor sie diese automatisieren. Udotong berichtete, dass vor Fireflies bereits sechs andere Projekte gescheitert seien. Erst das manuelle Prototyping ermöglichte schließlich den Durchbruch: Über 100 Meetings wurden zu Beginn von den Gründern persönlich abgedeckt. Für diese Arbeit verlangte Fireflies 100 US-Dollar (etwa 93 Euro) pro Monat von den Kund:innen.
Die Öffentlichkeit reagierte unterschiedlich auf diese Enthüllung. Während Udotong sein Vorgehen als pragmatischen Weg zur Ideenvalidierung verteidigte, gab es auch deutliche Kritik. Besonders in der Tech-Branche ist das Vortäuschen funktionierender Technologien verbreitet, was zu Problemen führen kann, sobald Erwartungen und Wirklichkeit zu sehr auseinanderklaffen.
Risiken innovativer Geschäftsideen
Bei Fireflies blieb die Konsequenz der Manipulation überschaubar, da lediglich der Aufwand für Notizen und Transkripte von Menschen statt von Maschinen übernommen wurde. Doch das Vorgehen erinnert an andere Fälle aus der Tech-Branche, bei denen der Wunsch nach technischem Fortschritt und schnellem Wachstum zu fragwürdigen Geschäftspraktiken führte. Ein prominentes Beispiel ist das Unternehmen Theranos. Dessen Gründerin Elizabeth Holmes versprach umfassende Blutanalyse mit winzigen Proben. Nach jahrelanger Täuschung an Investor:innen und Patient:innen stellte sich heraus, dass die Technik nie funktionierte. Der daraus resultierende Skandal zeigte, wie fatal solche Täuschungen sein können.
Das Beispiel Fireflies macht deutlich, wie eng Fortschrittsglaube und Inszenierung in der Technologiebranche häufig miteinander verflochten sind. Nicht immer steht hinter den Versprechen tatsächlich eine funktionierende Technologie, sondern zunächst oft nur viel menschlicher Einsatz.
Via: LinkedIN