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Epic Games vs. Apple: Sechs Jahre App-Store-Streit im Überblick

Seit 2020 streiten sich Epic Games und Apple erbittert um Regeln, Gebühren und Macht im App Store. Der Konflikt zieht sich durch Gerichte weltweit und ist bis 2026 nicht beendet.

Hier findet Ihr die wichtigsten Etappen des Falls – von der „Fortnite“-Sperre bis zu US‑Supreme‑Court-Verfahren und neuen Gebührenmodellen.

Vom „Fortnite“-Hack bis zum Grundsatzurteil

Am 13. August 2020 aktualisierte Epic die iOS‑Version von „Fortnite“ um eine eigene Kaufoption für In‑Game‑Währung, die Apples In‑App-Kaufsystem und damit die 30‑Prozent‑Gebühr umging. Apple entfernte das Spiel wenige Stunden später aus dem App Store, Google zog im Play Store nach. Noch am selben Tag reichte Epic Klage vor einem Bundesgericht in Kalifornien ein und warf Apple Marktbeherrschung, Innovationshemmnis und eine unfaire Provision vor.

Epic griff nicht an, ob die eigenen Verstöße gegen die Richtlinien vorlagen, sondern die Richtlinien selbst. Apple hielt dagegen, das Modell entspreche Konsolen- und PC‑Plattformen mit ähnlichen Gebühren. Parallel startete Epic eine umfangreiche PR‑Kampagne inklusive „1984“-Parodie und „FreeFortnite“-Turnier, was später als seit langem vorbereiteter Plan („Project Liberty“) bekannt wurde.

In den folgenden Monaten verschärfte sich der Streit: Apple drohte mit der Kündigung sämtlicher Entwicklerkonten, inklusive der für die Unreal Engine. Eine einstweilige Verfügung sicherte zwar Epics Engine-Account, „Fortnite“ blieb aber aus dem Store ausgeschlossen. Weltweit schalteten sich Wettbewerbsbehörden und Branchenverbände ein, unter anderem in Deutschland, Korea, Australien, der EU und Großbritannien. Zugleich formierte Epic mit anderen Firmen die „Coalition for App Fairness“.

Der eigentliche Prozess vor Richterin Yvonne Gonzalez Rogers startete im Mai 2021. Zahlreiche Apple‑Manager:innen und Epic‑Führungskräfte, darunter Tim Cook und Tim Sweeney, sagten aus. Im Zentrum standen Marktdefinition, Höhe und Begründung der 30‑Prozent‑Gebühr, Sicherheit versus Offenheit sowie Anti‑Steering‑Regeln, die Entwickler:innen daran hindern, auf günstigere Bezahlwege außerhalb der App hinzuweisen.

Am 10. September 2021 entschied das Gericht: Apple ist nach US‑Kartellrecht kein Monopolist, Epic konnte rechtswidriges Monopolverhalten nicht nachweisen. Zugleich verfügte die Richterin aber ein Verbot der Anti‑Steering‑Klauseln – Apple muss Links und Hinweise auf externe Bezahlwege grundsätzlich zulassen. Epic wurde verurteilt, Apple 30 Prozent der über das eigene Zahlungssystem erzielten iOS‑Einnahmen plus Zinsen zu erstatten.

Berufungen, Sanktionen und der lange Weg zum Supreme Court

Beide Seiten gingen in Berufung, doch das neunte US‑Berufungsgericht bestätigte 2023 im Kern das Urteil: kein Kartellverstoß, aber unzulässige Anti‑Steering-Regeln nach kalifornischem Wettbewerbsrecht. Apple versuchte mehrfach, die Umsetzung der Auflagen zu verzögern oder einzuschränken, teilweise mit Verweis auf Sicherheit und Betrugsrisiken. Der Supreme Court lehnte 2024 zunächst ab, sich mit den kartellrechtlichen Kernfragen zu befassen, ließ die Anti‑Steering‑Injunction aber bestehen.

Apple implementierte daraufhin neue Richtlinien und ein „External Purchase Link Entitlement“, verband dies jedoch mit komplexen Bedingungen und einer zusätzlichen Provision auf externe Umsätze. Epic und andere Unternehmen wie Meta, Microsoft, X und Match kritisierten dieses Modell als „Schein‑Compliance“, die faktisch von Alternativen zur In‑App‑Zahlung abschrecke. Epic beantragte, Apple wegen Missachtung des Gerichtsbeschlusses zu sanktionieren.

Im April 2025 stellte Richterin Gonzalez Rogers fest, dass Apple die Anti‑Steering‑Anordnung willentlich verletzt habe. Apple durfte auf externe Käufe vorerst keine Provision erheben und musste seine Regeln anpassen. Zudem verwies die Richterin einen Apple‑Finanzmanager wegen Falschaussage und möglicher strafbarer Missachtung an die Staatsanwaltschaft. Apple kündigte Berufung an, passte seine App‑Store‑Richtlinien aber erneut an und erlaubte in den USA eindeutig Links auf externe Kaufmöglichkeiten ohne Kommissionspflicht.

Auf dieser Basis brachte Epic begleitende Angebote wie die „Epic Games Store Webshops“ und neue Konditionen im eigenen Store (0 Prozent Gebühr bis 1 Million US‑Dollar [rund 920.000 Euro] Umsatz pro App und Jahr, danach 12 Prozent) in Stellung. Gleichzeitig erreichten Sammelklagen von Entwickler:innen US‑Gerichte, die Schadensersatz für bis zu 15 Monate aus ihrer Sicht überhöhte Provisionen verlangen.

Ende 2025 änderte ein Berufungsgericht die Sanktion teilweise: Apple habe zwar gegen die Anti‑Steering‑Auflage verstoßen, ein generelles Verbot jeglicher Provisionen auf externe Käufe gehe aber zu weit. Die Frage, welche Gebühren Apple für Käufe außerhalb des App Store verlangen darf, musste neu verhandelt werden. Apple legte Vorschläge mit stark reduzierten Sätzen vor, Epic hielt sie dennoch für zu hoch. Parallel erklärte der Supreme Court 2026, er werde sich erneut mit Aspekten des Falls befassen, insbesondere mit Reichweite und Auslegung der Anti‑Steering‑Injunction.

Fortnite‑Rückkehr, weltweite Fronten und ein offenes Ende

Währenddessen entwickelte sich die Auseinandersetzung international weiter. In Australien stellte ein Bundesgericht 2025 fest, dass sowohl Apples App Store als auch Googles Play Store ihre Marktmacht zum Nachteil des Wettbewerbs ausnutzen, auch wenn keine bewusste Gesetzesverletzung nachgewiesen wurde. In Japan führten neue Regeln zu reduzierten, aber weiterhin umstrittenen Gebühren für alternative Stores und externe Käufe. Mehr als 600 Unternehmen forderten vollständige Befreiung von Abgaben an Apple und Google.

Epic gewann 2023 zudem eine Geschworenenjury‑Entscheidung gegen Google in den USA: Der Play Store wurde als illegales Monopol eingestuft. 2025 akzeptierte Epic ein umfassendes Geschäftsabkommen mit Google, das Zahlungen im Umfang von rund 800 Millionen US‑Dollar (etwa 736 Millionen Euro) über mehrere Jahre vorsieht. Der Deal brachte Epic den Vorwurf ein, gegenüber Apple mehr Prinzipientreue zu demonstrieren als gegenüber Google.

Auf iOS kehrte „Fortnite“ schrittweise über Umwege wie Nvidias GeForce Now und Microsofts Xbox Cloud Gaming im Browser zurück. Nach den US‑Sanktionen gegen Apple und aktualisierten Richtlinien gelang im Mai 2025 schließlich die Wiederzulassung einer nativen iOS‑Version im US‑App‑Store, verteilt über einen Epic‑Account in Schweden. Tim Sweeney bezifferte die Summe aus Rechtskosten und entgangenem iOS‑Umsatz auf bis zu eine Milliarde US‑Dollar (rund 920 Millionen Euro).

2026 stand Apple unter doppeltem juristischem Druck: Einerseits musste der Konzern in Kalifornien ein neues, gerichtsfestes Gebührenmodell für externe Käufe vorlegen und mit Epic austarieren. Andererseits sollte der Supreme Court prüfen, ob Umfang und Begründung der Anti‑Steering‑Injunction korrekt waren und ob die unteren Instanzen ihre Kompetenzen überschritten. Parallel lief in Großbritannien eine regulatorische Debatte, bei der Epic die Wettbewerbsbehörde CMA wegen zu zögerlichen Vorgehens gegen App‑Store‑Beschränkungen kritisierte.

Auch nach mehr als sechs Jahren, hunderten Seiten Urteilstexten und milliardenschweren Folgen ist der Kernkonflikt daher nicht endgültig geklärt: Wie viel Kontrolle darf Apple über Verteilung und Bezahlung von Apps auf dem iPhone ausüben – und welche Gegenleistung steht dem Unternehmen dafür rechtlich und wirtschaftlich zu?

Via: https://appleinsider.com

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Michael Reimann

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