Viele von Euch schützen das Online-Banking konsequent, lassen aber beim E-Mail-Konto wichtige Sicherheitslücken offen. Das kann zum vollständigen Verlust der digitalen Identität führen.
Umfrage zeigt: E-Mail bleibt leichtes Angriffsziel
Das Bewusstsein für Cybersicherheit nimmt in Deutschland zu, trotzdem vernachlässigen viele Internetnutzer:innen ihr E-Mail-Postfach. Eine repräsentative YouGov-Umfrage unter 2.126 Personen im Auftrag der Initiative Sicher Handeln (ISH) macht das deutlich. Während Zugänge zum Online-Banking in der Regel gut abgesichert sind, bleibt das E-Mail-Konto ein bevorzugtes Ziel für Kriminelle – mit potenziell gravierenden Konsequenzen.
Nach Einschätzung von Harald Schmidt, Sprecher der ISH und Vertreter der Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention, ist nicht das Bankkonto, sondern das E-Mail-Postfach für viele Täter der interessanteste Angriffspunkt. Er bezeichnet das E-Mail-Konto als eigentlichen Generalschlüssel für Hacker. Dennoch halten 37 Prozent der Befragten ihr Online-Banking-Profil für sensibler als ihre E-Mail-Adresse.
Daraus ergeben sich deutliche Unterschiede beim Schutz verschiedener Konten: Fast ein Drittel der Teilnehmenden (30 Prozent) sichert das Bankkonto mit einer sicheren Mehr-Faktor-Authentifizierung (MFA) ab, kein anderes Konto wird besser geschützt. Das E-Mail-Postfach schneidet im Vergleich deutlich schlechter ab: 17 Prozent nutzen laut Umfrage dasselbe E-Mail-Passwort mehrfach. Nur 15 Prozent setzen einen Passwortmanager ein, 13 Prozent verwenden eine Mehr-Faktor-Authentifizierung und lediglich acht Prozent greifen auf das moderne Sicherungsverfahren Passschlüssel zurück.
Bei Passschlüsseln ersetzt Ihr das klassische Passwort durch kryptografische Schlüssel, die etwa per Fingerabdruck oder Gesichtsscan genutzt werden. Wie sorglos viele weiterhin mit Passwörtern umgehen, zeigt auch eine Auswertung des Hasso-Plattner-Instituts: 2025 war die Zahlenfolge „123456“ in Deutschland erneut das meistgenutzte Passwort.
Wenn das Postfach kompromittiert ist
Ein gehacktes E-Mail-Konto bleibt häufig lange unbemerkt. Angreifende verwischen ihre Spuren gezielt, indem sie E-Mails heimlich in Unterordner verschieben oder automatisch an andere Konten weiterleiten. So behalten sie den Zugriff, ohne dass Ihr sofort etwas merkt.
Laut Schmidt können Kriminelle mit einem übernommenen E-Mail-Account nahezu überall Nutzerprofile anlegen oder auf bestehende Konten zugreifen. Sie setzen Passwörter zurück, sperren den eigentlichen Besitzer aus und übernehmen auf diese Weise die komplette digitale Identität. In der Folge werden Bestellungen auf Rechnung ausgelöst oder Social-Media-Profile gekapert. Über diese gekaperten Konten versuchen Täter dann, im Namen der Betroffenen Geld von Freund:innen und Verwandten zu erlangen.
Schutzmaßnahmen: Einmalige Passwörter und SHS-Regel
Um Euch besser zu schützen, empfiehlt die Initiative Sicher Handeln mehrere konkrete Maßnahmen. Zentrale Bausteine sind einzigartige Passwörter für jedes Konto, der Einsatz von Passwortmanagern sowie die Aktivierung der Mehr-Faktor-Authentifizierung, wo immer das möglich ist.
Zusätzlich rät die Initiative zur Anwendung der sogenannten SHS-Regel: „Stoppen, Hinterfragen, Schützen“. Wenn Euch im Netz etwas verdächtig vorkommt, solltet Ihr zunächst innehalten, die geforderten Aktionen kritisch prüfen und bei Verdachtsmomenten konsequent die jeweilige Plattform informieren. So könnt Ihr dazu beitragen, Angriffe frühzeitig zu erkennen und Schäden zu begrenzen.
Die Umfrage macht deutlich, dass viele Nutzer:innen ihre E-Mail-Konten nach wie vor schlechter schützen als ihr Bankkonto – und damit das Risiko eines umfassenden Identitätsdiebstahls in Kauf nehmen.
Via: https://www.ad-hoc-news.de
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