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DuckDuckGo legt nach Googles KI-Umbau deutlich zu

Nachdem Google seine Websuche massiv auf KI umgestellt hat, verzeichnet DuckDuckGo einen spürbaren Nutzerzuwachs. Besonders stark ist der Anstieg auf Apple-Geräten.

Deutlich mehr Installationen – vor allem auf Apple-Geräten

In den USA stiegen die App-Installationen von DuckDuckGo zwischen dem 20. und 25. Mai im Wochendurchschnitt um 18 Prozent. Das Wachstum hielt sechs Tage in Folge an und erreichte am Memorial-Day-Montag einen Höchstwert von 30 Prozent. Auf Apple-Geräten fiel der Zuwachs noch stärker aus: Hier legten die wöchentlichen Installationen um 33 Prozent zu, an einem Tag lag der Spitzenwert bei fast 70 Prozent.

Der Anstieg folgt kurz auf Googles Ankündigung weitreichender Änderungen der Websuche auf der Entwicklerkonferenz I/O 2026. Google will die klassische Liste blauer Links weitgehend durch KI-gestützte Werkzeuge ersetzen, die Fragen direkt beantworten, Aufgaben erledigen und im Hintergrund Informationen überwachen. Einige Nutzer:innen sehen darin das Ende der Sucherfahrung, die sie zwei Jahrzehnte lang kannten.

Auch der Verkehr auf der KI-freien Suchseite von DuckDuckGo, noai.duckduckgo.com, nahm deutlich zu. Die Besuchszahlen stiegen im Wochendurchschnitt um 23 Prozent, mit einem Spitzenwert von 28 Prozent am Sonntag. Auf dieser Seite sind KI-generierte Antworten vollständig deaktiviert, Nutzer:innen erhalten ausschließlich eine schlichte Ergebnisliste – genau das Sucherlebnis, von dem Google sich wegbewegt.

Vertrauensfrage rund um Zwangs-KI und lokale Modelle

DuckDuckGo-Chef Gabriel Weinberg wirft Google vor, Nutzer:innen KI „aufzuzwingen“, ohne Möglichkeit zum Opt-out. Aus seiner Sicht verschlechtert das die Qualität der Treffer. Das Unternehmen geht davon aus, dass frustrierte Nutzer:innen aktiv nach Alternativen suchen.

Die Situation spitzte sich zu, als bekannt wurde, dass der Browser Google Chrome ohne explizite Zustimmung der Nutzer:innen ein etwa 4 GB großes KI-Modell namens Gemini Nano auf Geräten installiert. Die Kombination aus verpflichtender KI in der Suche und nicht transparent kommunizierten KI-Modellen auf Endgeräten hat ein Vertrauensproblem geschaffen, von dem DuckDuckGo direkt profitiert.

Gleichzeitig positioniert sich DuckDuckGo nicht grundsätzlich gegen KI. Weinberg betont, man wolle der Ort sein, an dem Nutzer:innen selbst bestimmen, wie viel oder wie wenig KI sie einsetzen. Mit duck.ai betreibt das Unternehmen einen eigenen KI-Dienst, der Zugang zu Modellen von Anthropic, Meta, Mistral und OpenAI bietet und dabei private Unterhaltungen verspricht, die nicht zum Training genutzt werden.

Der Unterschied liegt aus Sicht von DuckDuckGo in der Wahlfreiheit. Google mache KI zum Standard ohne Abwahlmöglichkeit, während DuckDuckGo KI als Option neben einer klassischen Suche bereitstellt. Die Nutzer:innen, die zwischen beiden Diensten wechseln, sind damit nicht zwingend gegen KI – sie wenden sich gegen verpflichtende Nutzung.

Neue Märkte rund um KI-Suche und begrenzte, aber deutliche Signale

Der Übergang von klassischer Suche zu KI-generierten Antworten schafft neue Geschäftsmodelle. Der Dienst Peec AI erreichte innerhalb von sechs Monaten einen jährlich wiederkehrenden Umsatz von 10 Millionen US-Dollar (rund 9,2 Millionen Euro), indem er Marken hilft, ihre Sichtbarkeit in ChatGPT und anderen KI-Suchergebnissen zu verfolgen. Der strukturelle Wandel, der DuckDuckGo mehr Installationen bringt, treibt zugleich die Nachfrage nach Werkzeugen für „generative Suchmaschinenoptimierung“.

Auch Apple bewegt sich in Richtung Wahlfreiheit bei KI: iOS 27 soll es ermöglichen, alternative KI-Modelle für Siri-Anfragen zu wählen und Drittanbieter-Dienste als Standard für Streaming zu setzen. Der Branchentrend weist damit eher in Richtung Nutzer:innen-Entscheidung als in Richtung verpflichtender Integration – Google schlägt aktuell den entgegengesetzten Weg ein.

DuckDuckGo stützt sich teilweise auf Suchergebnisse aus dem Index von Microsofts Bing, ergänzt durch einen eigenen Web-Crawler und weitere Quellen. Einige Google-Skeptiker:innen sehen die Abhängigkeit von Bing kritisch, doch DuckDuckGo legt eigene Datenschutzschichten und Ranking-Systeme über diese Infrastruktur.

Im Vergleich zu Google bleibt der Marktanteil von DuckDuckGo gering: In den USA liegt er bei rund 3 Prozent. Ein Installationsplus von 18 Prozent gefährdet Googles Dominanz nicht unmittelbar, sendet aber ein klares Signal. Wenn die größte Produktoffensive einer Suchmaschine seit Jahren Nutzer:innen zu einem Wettbewerber treibt, löst das Produkt offenbar ein Problem aus, das sie gar nicht hatten.

Im Markt für KI-Suche verschieben sich die Kräfte: Googles Gemini steigerte seinen Anteil am weltweiten KI-Webtraffic in den vergangenen zwölf Monaten von 5,7 auf 21,5 Prozent, während ChatGPT von 86,7 auf 64,5 Prozent zurückging. Der Markt wächst schnell – offen ist, ob Googles Entscheidung, KI fest in die Kernsuche einzubauen, dieses Wachstum beschleunigt oder den Abgang derjenigen verstärkt, die eine Suchmaschine wollten und keinen ungefragten KI-Assistenten.

Via: https://thenextweb.com

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Michael Reimann

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