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DJI Romo Saugroboter: Forscher erhält Fernzugriff auf Tausende Geräte

Ein Sicherheitsforscher konnte über Wochen auf Tausende DJI Romo Saugroboter und andere Geräte zugreifen – inklusive Live-Kameras und Wohnungsgrundrissen. DJI hat die größte Lücke inzwischen geschlossen, doch viele Fragen bleiben.

Von der Gamepad-Idee zum globalen Zugriff

Sammy Azdoufal wollte nach eigenen Angaben keinen weltweiten Hack starten, sondern nur seinen neuen DJI-Romo-Saugroboter mit einem PS5-Gamepad fernsteuern. Als seine selbst entwickelte App mit den DJI-Servern kommunizierte, meldete sich jedoch nicht nur sein eigenes Gerät, sondern rund 7.000 Staubsaugerroboter weltweit. Diese behandelten Azdoufal plötzlich wie ihren legitimen Besitzer.

Er konnte die Roboter aus der Ferne steuern und über deren Kameras sehen und hören, was er nach eigenen Angaben mit einem Freund testete. Außerdem beobachtete er, wie die Geräte Zimmer kartieren und detaillierte 2D-Grundrisse erstellen. Über die IP-Adresse eines Roboters ließ sich zudem der ungefähre Standort ermitteln. In einer Live-Demo sah der Reporter, wie Tausende Geräte im Drei-Sekunden-Takt MQTT-Datenpakete an DJI sendeten. Darunter waren Seriennummern, Reinigungsbereiche, Hindernisse, zurückgelegte Distanzen und Ladezustände. Innerhalb von neun Minuten hatte Azdoufals Laptop 6.700 DJI-Geräte in 24 Ländern sowie über 100.000 Nachrichten erfasst. Zusammen mit DJI-Power-Stationen waren es mehr als 10.000 Geräte.

Um den Zugriff zu verifizieren, gab ein Kollege die Seriennummer seines Testgeräts weiter. Mit nur dieser 14-stelligen Nummer konnte Azdoufal sehen, dass der Roboter gerade das Wohnzimmer reinigte und 80 Prozent Akkukapazität hatte, kurz darauf entstand ein genauer Wohnungsplan. Parallel rief er den Live-Video-Stream seines eigenen DJI Romo ab, ohne Sicherheits-PIN, und zeigte sich vor laufender Kamera. Ein weiterer IT-Experte in Frankreich bestätigte, dass eine von Azdoufal bereitgestellte Leseversion der App bereits vor der Koppelung den Kamerastream seines Romo sichtbar machte.

DJI reagiert – und räumt Verzögerungen ein

Azdoufal betont, er habe nicht in die DJI-Server eingebrochen, sondern lediglich das private Token seines eigenen Geräts extrahiert. Dieses Token dient als Schlüssel, mit dem DJI-Server eigentlich nur den Zugriff auf das eigene Gerät erlauben sollten. Es lieferte ihm aber Daten Tausender anderer Nutzer:innen. Er konnte sowohl auf einen Vorserven als auch auf die produktiven Server für USA, China und EU zugreifen. Nach Hinweisen von Azdoufal und der Redaktion schränkte DJI den Fernzugriff zunächst ein, sodass er den Test-Robo nicht mehr fahren oder dessen Mikrofon und Kamera nutzen konnte. Am nächsten Morgen hatte Azdoufals Scanner gar keinen Zugriff mehr, selbst auf sein eigenes Gerät nicht, DJI scheint die zentrale Lücke geschlossen zu haben.

Gleichzeitig sorgte die Kommunikation des Unternehmens für Kritik. DJI erklärte zunächst, die Schwachstelle sei bereits in der Vorwoche behoben worden, obwohl Azdoufal zu diesem Zeitpunkt noch Zugriff auf Tausende Roboter – inklusive des Testgeräts – nachweisen konnte. In einer späteren Stellungnahme spricht DJI von einem „Problem bei der Berechtigungsprüfung im Backend“ bei der MQTT-Kommunikation zwischen Gerät und Server. Das Unternehmen gibt an, zwei Updates am 8. und 10. Februar eingespielt zu haben, die automatisch und ohne Zutun der Nutzer:innen verteilt wurden. Laut DJI handelte es sich nicht um ein Verschlüsselungsproblem, die Kommunikation sei stets per TLS geschützt gewesen und Daten etwa europäischer Geräte würden auf US-basierten AWS-Servern gespeichert.

Offene Schwachstellen und generelle Smart-Home-Probleme

Azdoufal widerspricht teilweise und sagt, DJI habe nicht alle von ihm gefundenen Lücken geschlossen. So sei es weiterhin möglich, den Videostream des eigenen Romo ohne Sicherheits-PIN anzusehen. Eine weitere, nach seinen Angaben schwerwiegende Schwachstelle beschreibt er bewusst nicht öffentlich, um DJI Zeit zu geben. Sicherheitsforscher:innen weisen zudem darauf hin, dass eine Verschlüsselung der Übertragung nicht ausreicht, wenn autorisierte Teilnehmer:innen im MQTT-System ohne restriktive Zugriffskontrollen alle Nachrichten im Klartext auf Anwendungsebene abonnieren können.

Der Fall DJI reiht sich in eine Serie von Sicherheitsproblemen bei Smart-Home-Geräten ein. 2024 wurden Ecovacs-Saugroboter gehackt, um Haustiere zu verfolgen und rassistische Beleidigungen abzuspielen. 2025 meldeten südkoreanische Behörden eine Schwachstelle beim Dreame X50 Ultra, die einen Live-Zugriff auf die Kamera erlaubte, sowie weitere Lücken bei Ecovacs- und Narwal-Robotern, über die sich Fotos stehlen ließen. Samsung- und LG-Modelle sowie ein Roborock schnitten in diesen Untersuchungen besser ab. Auch bei Überwachungskameras gab es Vorfälle, bei denen Hersteller wie Wyze oder Anker mit der Marke Eufy Security-Schwächen zunächst herunterspielten oder falsch darstellten.

DJI betont in seiner Stellungnahme hohe Sicherheitsstandards, Verschlüsselung und ein etabliertes Bug-Bounty-Programm. Azdoufal kritisiert dagegen die aus seiner Sicht langsame und unpersönliche Kommunikation über Direktnachrichten. Er bezweifelt, dass DJI die Schwachstelle bereits im Januar eigenständig entdeckt hat. Er habe den Vorfall in Echtzeit in sozialen Netzwerken dokumentiert und sich bewusst nicht strikt an Bug-Bounty-Regeln gehalten, weil er eine schnelle Behebung priorisiert habe. Immerhin: Sein ursprüngliches Ziel hat er erreicht – er kann seinen Romo inzwischen mit einem PlayStation- oder Xbox-Gamepad steuern.

Via: https://www.theverge.com

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Andreas Vogel

Autor Apfeltalk

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