Jedes Jahr erscheinen neue Apple Watch-Modelle, doch echte Innovationen bleiben meist aus. Für viele von euch stellt sich die Frage, ob und wann sich ein Update überhaupt lohnt.
Direkter Vergleich: Kaum Unterschiede sichtbar
Die Review-Zeit für Apple-Produkte ist für Technik-Journalist:innen intensiv. Im September sorgt das Apple-Event für viele Neuigkeiten, danach folgen Testberichte zu den neuen Geräten, und dann starten im Oktober noch weitere Produktveröffentlichungen. In den letzten Wochen haben viele die Apple Watch SE 3, die Series 9 sowie die neue Series 11 getestet und im direkten Vergleich präsentiert. Dabei zeigte sich: Technisch sind alle drei Modelle gut ausgestattet. Ihr bekommt ein Always-On-Display, eine Vielzahl an Gesundheitsfunktionen und zuverlässige Hardware. Auch mit einer zwei Jahre alten Series 9 fühlt sich kein:e Nutzer:in eingeschränkt, die Uhr läuft flüssig und erledigt alle Aufgaben wie gewohnt.
Erst beim direkten Wechsel zwischen den Modellen fallen feine Unterschiede auf. Das minimal kleinere Display der SE 3 wirkt nach der größeren Series 9 zunächst ungewohnt. Fehlende Funktionen wie EKG oder der Blutsauerstoffsensor fallen im Alltag jedoch kaum negativ auf, obwohl sie bei der Series 9 vorhanden waren. Der Sprung von der SE 3 zur Series 11 wiederum ließ die neue Uhr deutlich moderner wirken, obwohl die Verbesserungen im Alltag und Nutzen oft überschaubar bleiben.
Marktentwicklung: Fortschritt stagniert
Die Apple Watch hat einen Entwicklungsstand erreicht, bei dem zwischen zwei Generationen selten echte Neuerungen zu finden sind. Seit die wichtigsten Funktionen umgesetzt wurden, beschränken sich Updates oft auf Detailverbesserungen. Im Gegensatz zum iPhone oder iPad ist der Funktionsumfang bei der Apple Watch von Natur aus eingeschränkter, was letztlich dazu führt, dass die Geräte sich heute nur noch wenig voneinander unterscheiden.
Für die meisten Nutzer:innen sind es bekannte Alltagsfunktionen, die wirklich zählen: Trainingstracking, Aktivitätsringe, Schlafüberwachung, Nachrichtenbenachrichtigungen auf dem Handgelenk und die Möglichkeit, das iPhone zu finden. Große Paradigmenwechsel wie beispielsweise ein komplett neues Design kommen generell eher selten oder gar nicht vor. Apple konzentriert sich bei neuen Watches meist auf kleine technische Verbesserungen, ähnlich wie bei Mikrowellen, wo neue Modelle selten für einen großen Hype sorgen.
Upgrade-Strategie: FOMO als Verkaufsargument
Trotzdem setzt Apple die kleinen Änderungen groß in Szene und sorgt so dafür, dass die jährlichen Releases im Fokus der Medien stehen. Die Unterschiede zwischen den Generationen sind oft fast unmerklich gering, werden aber in Reviews und auf Events stark überzogen betont. Daraus entsteht eine Kaufmotivation, die hauptsächlich auf dem Wunsch nach aktuellem Technikstand und Vergleich mit neuen Modellen basiert. Für euch als Kund:innen bedeutet das, dass ihr kritisch prüfen solltet, ob die Neuerungen wirklich einen spürbaren Mehrwert bieten.
In nahezu allen Fällen bieten ältere Modelle weiterhin alle wichtigen Funktionen und sind keineswegs veraltet.
Natürlich sind neue Modelle und Upgrades nicht sinnlos. Apple sollte weiterhin an neuen Generationen arbeiten. Gerade weil sich die Unterschiede heute hauptsächlich im Preis-Leistungs-Verhältnis zeigen, lohnt sich der genaue Blick. Unsere Aufgabe als Reviewer ist es, möglichst objektiv darzustellen, was sich geändert hat. Eure Aufgabe ist es, nüchtern zu bewerten, ob sich der Umstieg für euch lohnt. Viele der aktuellen Änderungen sind aber zu gering, um einen direkten Umstieg zu rechtfertigen, besonders wenn eure Uhr noch zuverlässig läuft.
