Künstliche Intelligenz ist im Arbeitsalltag angekommen – unabhängig davon, ob Unternehmen dazu schon eine Strategie haben. Die entscheidende Frage lautet inzwischen: Nutzen Eure Mitarbeitenden KI sicher?
Verborgene KI-Nutzung im Arbeitsalltag
KI-Nutzung in Unternehmen hat den Arbeitsplatz in kurzer Zeit deutlich verändert. Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass 83 Prozent der Beschäftigten im Vereinigten Königreich generative KI regelmäßig im Job einsetzen, etwa für Suche oder Zusammenfassungen. Viele sehen darin ein Mittel, die eigene Produktivität zu steigern und knappe Zeit- und Personalressourcen besser zu nutzen.
Bemerkenswert ist, dass diese Entwicklung stark von unten getrieben wird. Rund 78 Prozent der KI-Nutzer:innen bringen ihre eigenen Werkzeuge mit an den Arbeitsplatz. Diese Tools werden häufig ohne Wissen oder Aufsicht des Unternehmens eingesetzt. Solche nicht dokumentierten KI-Werkzeuge – „Schatten-KI“ – laufen auf Unternehmensnetzwerken oder mit Unternehmensdaten und können erhebliche Sicherheitsrisiken verursachen.
Klar ist: Mitarbeitende werden KI weiter nutzen, auch wenn Richtlinien, Freigaben und Sicherheitsmaßnahmen noch fehlen. Unternehmen müssen deshalb schnell für klare Regeln und Steuerung sorgen, ohne Innovation vollständig auszubremsen.
Fehlende Sichtbarkeit und wachsende Risiken
Es ist sehr wahrscheinlich, dass Eure Mitarbeitenden bereits in irgendeiner Form mit KI arbeiten. Das eigentliche Risiko liegt darin, nicht zu wissen, wo, wie und mit welchen Tools dies geschieht. Untersuchungen zeigen, dass fast die Hälfte (47 Prozent) der Nutzer:innen generativer KI weiterhin persönliche, nicht verwaltete Konten nutzt – ausschließlich oder zusätzlich zu freigegebenen Werkzeugen.
Generative KI ist auf Daten als Eingabe angewiesen. Damit steigt die Gefahr, dass in Eingabefeldern vertrauliche Informationen, personenbezogene Daten, geistiges Eigentum oder Quellcode landen. Ohne ausreichende Transparenz entsteht für Unternehmen eine wachsende blinde Stelle.
Zu den Risiken bei der KI-Nutzung im Unternehmen gehört zunächst die Schatten-KI. Viele probieren neue Tools aus, weil sie kostenlos, schneller oder bequemer sind als freigegebene Alternativen. Zwar kann das die Effizienz erhöhen, doch unautorisierte KI-Anwendungen vergrößern die Angriffsfläche deutlich und entziehen sich der Kontrolle der Sicherheitsteams.
Besonders kritisch ist, welche Daten in diese Systeme fließen. Untersuchungen legen nahe, dass 93 Prozent der Beschäftigten Unternehmensdaten in nicht genehmigte KI-Werkzeuge eingeben, fast ein Drittel davon sogar vertrauliche Kund:inneninformationen. So können geistiges Eigentum, regulierte Informationen und personenbezogene Daten bei unbekannten Dritten landen, ohne dass klar ist, was dort damit geschieht. Viele klassische Überwachungswerkzeuge erkennen solche Eingaben kaum, insbesondere wenn KI-Dienste über private Konten oder persönliche Geräte genutzt werden.
Risiken
Ein weiteres Risiko ist Datenabfluss. Beschäftigte fügen sensiblen Inhalt oft unbedacht in KI-Tools ein. Bereits 2023 gerieten etwa bei Samsung proprietärer Code und vertrauliche Besprechungsnotizen durch Eingaben in ChatGPT außer Kontrolle des Unternehmens. Ähnliche Vorfälle wurden seither aus verschiedenen Branchen bekannt. Ist die Information einmal bei externen KI-Diensten gelandet, haben Organisationen oft nur begrenzte Möglichkeiten, Speicherung und Nutzung zu steuern oder rückgängig zu machen.
Hinzu kommen kompromittierte Konten und Eingaben. Leaks von KI-Chats oder gekaperte Sitzungen können Angreifenden Zugang zu sensiblen Informationen verschaffen und in Fällen schwacher Schutzmechanismen weitere Kontoübernahmen ermöglichen. Angesichts der Datenmengen, die in KI-Systeme eingegeben werden, kann ein einziges kompromittiertes Konto Zugangsdaten, internes Wissen und Systeme offenlegen.
Schließlich drohen Lücken bei Compliance und Governance. Regulierende Stellen prüfen zunehmend, wie Organisationen KI einsetzen, insbesondere mit Blick auf den Schutz personenbezogener Daten. Personenbezogene Informationen in unkontrollierte oder externe KI-Dienste einzuspeisen, kann Vorgaben wie die DSGVO oder branchenspezifische Datenschutzregeln verletzen. In stark regulierten Bereichen wie Finanzwesen, Verteidigung oder Gesundheitswesen kann bereits ein einzelner unautorisierter KI-Einsatz erhebliche rechtliche Folgen haben.
KI absichern, ohne Innovation zu blockieren
Die schnelle Verbreitung von KI am Arbeitsplatz folgt einem Muster, das Ihr von früheren Technologien kennt: Nutzende adaptieren neue Werkzeuge, bevor offizielle Prozesse nachgezogen haben. Der Unterschied: KI verarbeitet in jeder Interaktion große Mengen Unternehmensdaten, was das Risiko für Lecks, Angriffe und Regelverstöße deutlich erhöht. Ein komplettes Verbot von KI ist daher keine tragfähige Lösung.
Mitarbeitende würden Auswege finden, etwa über private Smartphones, um weiterhin Unternehmensdaten in nützliche Tools einzugeben. Sicherheitsteams müssen deshalb Strategien entwickeln, die grundlegende Kontrollen der KI-Nutzung, die Aufdeckung von Schatten-KI und umfassende Nutzungsanalysen einschließen. Diese Säulen ermöglichen einen verantwortungsvollen Umgang mit KI und unterstützen zugleich Innovation.
Auch wenn die Regulierung noch hinterherhinkt, sollten Organisationen nicht abwarten. Eure Mitarbeitenden nutzen KI – ob Ihr es wollt oder nicht. Wer jetzt handelt, kann besser verstehen und steuern, wo und wie KI eingesetzt wird, Risiken reduzieren und gleichzeitig produktive Nutzung ermöglichen.
