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Cyberangriff auf Foxconn: Apple-Serverunterlagen gestohlen

Beim Ransomware-Angriff auf Foxconn im Mai 2026 sind offenbar detaillierte Apple-Serverunterlagen entwendet worden. Bislang sind nur Konstruktionsdaten und Spezifikationen für interne Apple-Server aufgetaucht.

Ransomware-Gruppe Nitrogen und echte Apple-Dokumente

Am 12. Mai berichtete AppleInsider erstmals über einen Angriff der Ransomware-Gruppe Nitrogen auf Foxconn-Standorte in Nordamerika. Auf Basis der damals bekannten Beispieldateien sah es zunächst danach aus, als hätten die Angreifer keine Apple-Dokumentation erbeutet.

Inzwischen liegen AppleInsider jedoch zusätzliche Beispieldateien vor, darunter mehr als 30 vertrauliche Apple-Dokumente, die allesamt echt zu sein scheinen. Die Redaktion hat das neue Material analysiert und teilt zwar keine Links, betont aber, dass Aufbau und Stil klar auf originale Apple-Unterlagen hindeuten.

Nitrogen erbeutete Konstruktionszeichnungen zu Apple-Serverkomponenten aus März 2026 und Ende 2025. Außerdem wurden Spezifikationen und Handbücher für Apple-Serverschränke aus den Jahren 2020 bis 2023 gestohlen. Die Server-Schemata wurden mit Siemens NX erstellt und passen zum üblichen Apple-Format. In den Unterlagen sind Maße von Halterungen, Bauteilen und Abstandshaltern dokumentiert, ebenso das Gehäusedesign eines internen Apple-Servers.

Matterhorn-Projekt: Einblick in frühere Apple-Server

Unter den entwendeten Dateien findet sich eine Übersicht zu Apples Matterhorn-Projekt. Das Dokument beschreibt Serverkonfigurationen auf Basis von Intels Whitley- und Eagle-Stream-Plattformen, inklusive Spezifikationen, Platinenlayout und Architektur. Neben Apple-Unterlagen wurden auch Dateien zu Google-Servern bei Foxconn abgegriffen.

Laut Dokument nutzten Apples High-End-Server zwei 32-Kern-Intel-Ice-Lake-Prozessoren, besser bekannt als Intel-Xeon-Scalable-Prozessoren der 3. Generation, mit 2,2 GHz. Hinzu kamen 24 Module mit 128 GB DDR4-Arbeitsspeicher, Nvidia-T4-Grafikkarten und mehrere 8-TB-NVMe-Laufwerke. Nitrogen erlangte außerdem vertrauliche Intel-Unterlagen zu Debugging- und JTAG-Prozessen dieser Xeon-Plattformen, inklusive Sicherheitsmechanismen, Platinenentwürfen und weiteren Hardware-Details.

Auch wenn diese Intel-basierten Konfigurationen inzwischen vermutlich durch leistungsstärkere Varianten mit Apple-Chips ersetzt wurden, zeigen die Dokumente, welche Rechenleistung Apple noch 2023 einsetzte. Zusätzlich stellte Nitrogen vier serverbezogene Apple-Dokumente bereit: die AC-Rack-Spezifikation, Anforderungen an Massen- und Einzelverpackung, Informationen zum Matterhorn-RoT-Mezzanine und Spezifikationen zu Mechanik, Thermik, Design und Verpackung von Servern und Speicher.

Drei dieser Unterlagen stammen von Kelly Smith, Leitungsfunktion im Bereich Mechanik für Rechenzentrumshardware und Infrastruktur, das vierte Dokument von Clifford Gaw, System-Hardware-Leitung bei Apple. Beschrieben werden physische Eigenschaften der von Apple intern genutzten Serverschränke, darunter Abmessungen, freigegebene Farben und maximale Traglast. Ergänzend gibt es Vorgaben zu Luftführung, Justierung der Standfüße, Montage der Seitenwände sowie zu Sicherheits- und Stabilitätstests.

Die Unterlagen wirken echt, sind aber nur für Euch relevant, wenn Ihr Zugriff auf Apple-Server oder ganze Racks habt. Informationen zu Chips für Apple-Silicon-Server oder zum Einsatzzweck der Systeme fehlen in den Beispieldateien. Reine Gehäuse- und Halterungsskizzen sind für Apple daher zunächst unkritisch.

Sollte die Gruppe allerdings weitere Daten zu Apple-Silicon-Servern besitzen – einschließlich Mainboard-Layouts, Konfigurationen und Stückzahlen –, könnte das Probleme bereiten. Konkurrenzunternehmen im KI-Bereich könnten auf Basis der Designs eigene Lösungen entwickeln.

Apple hinkt bei KI-Funktionen bereits hinterher, zumal die auf der WWDC 2024 angekündigte Siri-Funktion mit persönlichem Kontext noch immer nicht verfügbar ist. Kompromittierte Server-Designs würden die Lage nicht verbessern. Zugleich betrifft das Risiko nicht nur Apple: Foxconn fertigt für zahlreiche Technologiekonzerne Komponenten und Produkte.

Umfang des Datendiebstahls bei Foxconn

Nitrogen stahl neben Apple-Unterlagen auch Dokumente zu vertraulichen Projekten von AMD, Broadcom, Google, Intel, Hewlett-Packard, Micron, Nvidia, Samsung und Seagate. Serverbezogene Google-Dokumente sind ebenfalls Teil des Datenpakets.

Darüber hinaus finden sich Unterlagen von Altera, Ampere, Amphenol Power Solutions, Avago, Hilisin, Holy Stone Enterprise, ITG Electronics, Infineon, JCTC, Lotes, Molex, Nexperia, PennEngineering, Puya, Renesas, TA-i Technology, TXC, Walsin, Winbond und Yageo. Mehrere Dokumente betreffen außerdem die Foxconn-Tochter Cloud Network Technology in Houston, Texas, darunter ein Versandlabel für von Hewlett-Packard verschickte Geräte.

Die AMD-Dateien umfassen einen Mainboard-Designleitfaden für FL1-Prozessoren und SP5-Sockel sowie technische Daten zur MI300X-O-Grundplatine. Von Nvidia liegen Spezifikationen zur Leiterplattenfertigung, Anforderungen an die Handhabung und weitere Details vor.

Unter den Dateien sind Unterlagen zu HGX-Blackwell-8-GPU-, HGX-H20-8-GPU- und HGX-Hopper-8-GPU-Plattformen sowie zu den Recheneinheiten GB NVL 72, GB 200 NVL und GB 300 NVL72. Hinzu kommt ein Dokument zum Tesla-GH200-Modul. Hewlett-Packard- und Google-Dateien betreffen ebenfalls Serverkomponenten und -designs.

Mehrere Hewlett-Packard- und Foxconn-Dokumente beschreiben einen Unternehmensserver namens HPE Hoth Tromper, inklusive Platinenentwürfen. Für Google liegt ein testbezogenes Dokument zum Serverregal GhostFish Fish vor. Außerdem wurden technische Spezifikationen zu Micron-DDR4-SDRAM, Samsungs 16-GB-DDR4-SDRAM-Modulen und deren Komponenten gestohlen.

Zudem gibt es Unterlagen zu Speichermedien, etwa zum mechanischen Aufbau der Seagate-Exos-2×18-Festplatte. Fast alle Dokumente der Nitrogen-Probe sind auf Englisch und beziehen sich offenbar auf Foxconn-Standorte in Nordamerika. Ergänzend finden sich PDF-Ausdrucke chinesischer Foxconn-E-Mails, die ebenfalls Serverthemen behandeln.

Ein Teil der Dateien enthält Informationen zur Einhaltung gesetzlicher Vorgaben oder beschreibt Hardwaretests. Insgesamt wirkt der Datendiebstahl stark serverzentriert. Es gibt keine Hinweise auf Unterlagen aus den Foxconn-Werken Guanlan und Zhengzhou, in denen andere Apple-Produkte wie das iPhone montiert werden.

Ebenfalls fehlen Dokumente zur Fertigung von iPad, Mac oder Apple Vision Pro, obwohl Foxconn bei diesen Produktlinien eine wichtige Rolle spielt. Die nordamerikanischen Foxconn-Werke, etwa in Mount Pleasant (Wisconsin) und Houston (Texas), montieren für Apple ausschließlich Server, daher überrascht das Fehlen iPhone-bezogener Dateien nicht.

Das gesamte Ausmaß des Angriffs bleibt unklar. Die Ransomware-Gruppe spricht von mehr als 11 Millionen Dateien mit einem Gesamtvolumen von angeblich acht Terabyte. Nach aktuellem Stand ist jedoch nicht davon auszugehen, dass der Angriff zu gravierenden Leaks bei Apple-Designs führt.

Via: https://appleinsider.com

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Michael Reimann

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