Ein Ingenieur von Mozilla führt einen überraschend hohen Anteil von Firefox-Abstürzen auf Bitfehler im Arbeitsspeicher zurück. Neue Telemetriedaten stützen diese Einschätzung mit einer breiten Datengrundlage.
Mozilla wertet fast 470.000 Absturzberichte aus
Mozilla hat in der vergangenen Woche fast eine halbe Million automatisch eingesandter Absturzberichte von Firefox ausgewertet. Diese Funktion ist optional, viele von euch haben ihr aber offenbar zugestimmt. Grundlage der neuen Analyse ist ein kürzlich eingeführter „Speichertest“, der direkt nach einem Browser-Absturz auf den Geräten der Benutzer:innen läuft.
Der leitende Mozilla-Ingenieur Gabriele Svelto nutzte die Ergebnisse dieses Tests, um seine Einschätzung zu Bitfehlern zu untermauern. Demnach könnten bis zu 15 Prozent aller Firefox-Abstürze auf einen sogenannten Bitflip zurückgehen. Als Bitflip bezeichnet Mozilla den ungewollten Wechsel eines Speicherwerts von 0 auf 1 oder umgekehrt, etwa im Arbeitsspeicher oder im Cache.
Zu den Auslösern solcher Bitfehler zählen elektrische Probleme und Instabilitäten, thermische Effekte, Fertigungsfehler und Alterung von Bauteilen, Übersprechen zwischen Leitungen sowie Einflüsse ionisierender kosmischer Strahlung. Welcher Faktor dabei am meisten zum Problem beiträgt, lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht eindeutig ableiten.
Bitfehler-Anteil höher als frühere Schätzungen
Svelto spricht offen darüber, dass seine neue Zahl frühere Annahmen deutlich übertrifft. Ursprünglich war er von einem Anteil von rund 10 Prozent ausgegangen. Diese Schätzung korrigierte er nach oben, nachdem er Abstürze aufgrund von Ressourcenerschöpfung – etwa klassische Out-of-Memory-Situationen – herausrechnete. Ohne diese Kategorie steigt der Anteil der mutmaßlich durch Bitflips verursachten Abstürze auf etwa 15 Prozent.
Besonders interessant: Laut Auswertung geht etwa jeder zweite Absturz mit Bitflip-Beteiligung auf ein echtes Hardwareproblem zurück. Gleichzeitig betont Svelto, dass diese Zahl eher konservativ sein könnte. Der integrierte Speichertest prüft derzeit nur bis zu 1 GiByte RAM und läuft maximal drei Sekunden. Fehler in anderen Speicherbereichen oder bei längerer Laufzeit könnten also unentdeckt bleiben.
Die Auswertung erlaubt daher keine genaue Aufschlüsselung, welcher Anteil der Bitfehler konkret auf kosmische Strahlung oder andere Einflüsse zurückgeht. Gerade dieser Aspekt wäre für viele von euch vermutlich besonders spannend, bleibt aber vorerst offen.
Bitfehler betreffen alle Geräteklassen
Svelto weist ausdrücklich darauf hin, dass das Thema nicht auf klassische PCs mit wackligem RAM beschränkt ist. Jedes Gerät mit Speicher kann theoretisch von Bitflips betroffen sein, egal ob Mac, Smartphone, Drucker oder Router. Speziell für den Einsatz im Weltraum werden daher gehärtete Komponenten mit verstärktem Schutz gegen kosmische Strahlung, extreme Temperaturen und andere Störeinflüsse verwendet. Solche Systeme verfügen zudem über besonders aggressive Fehlererkennung.
Aus Sicht von PC-Desktop-Bastler:innen hat die Situation immerhin einen kleinen Vorteil: Ihr könnt fehlerhafte Bauteile in der Regel gezielt austauschen, ohne gleich das komplette System ersetzen zu müssen. Nutzer:innen geschlossener Systeme wie Notebooks oder vieler Mobilgeräte haben diese Möglichkeit häufig nicht.
Für Svelto bleibt dennoch ein gewisser Resthumor: Er hofft, dass ihn mögliche Speicherprobleme nicht bis ins Jahr 2026 begleiten – und spielt damit auf die schwer zu beeinflussende Rolle kosmischer Strahlung an.
Via: https://www.tomshardware.com
Titelbild: Mozilla.org
