Apple gilt als Konzern, der vor allem greifbare Geräte verkauft – ein Erfolgsmodell, das laut einem aktuellen Bericht intern zunehmend infrage gestellt wird. Ursache ist demnach der Wandel hin zu einer KI-zentrierten Technologiewelt.
Hardware im Fokus – und plötzlich ein Nachteil?
Apple unterscheidet sich von anderen Tech-Riesen dadurch, dass der Konzern vor allem Produkte herstellt, die Ihr in der Hand haltet. Das ist ein klarer Vorteil, weil Menschen physische Einstiegspunkte in die digitale Welt brauchen, und Apple bereits Milliarden davon verkauft hat. Laut Mark Gurman, der in seiner „Power On“-Kolumne bei Bloomberg regelmäßig über Apple berichtet, wächst im Vorstand jedoch die Sorge, dass genau dieser Fokus zu einem Problem werden könnte – wegen künstlicher Intelligenz.
Gurman beschreibt, dass Führungskräfte bei Apple intern angeblich daran zweifeln, ob das Unternehmen „die richtigen Zutaten“ habe, um sich in einer KI-zentrierten Landschaft zu behaupten. Seine grundsätzliche Argumentation: Die reine Hardware werde weniger wichtig als das Software-Erlebnis, das sie bietet. Apple betreibe zwar einen äußerst profitablen App Store, verfüge aber nicht über auffällig KI-orientierte Hardware wie etwa Meta mit seinen intelligenten Brillen.
Vergleich mit Meta, OpenAI und Googles Rolle
Diese Brillen verkaufen sich zwar derzeit nicht in großen Stückzahlen, stehen für Gurman aber sinnbildlich für eine neue Produktkategorie rund um KI. Zusammen mit dem Abgang des früheren KI-Chefs John Giannandrea und Apples Entscheidung, sich auf Google zu stützen, um ein funktionierendes KI-Modell zu beziehen, entstehe das Bild eines Konzerns, der altmodisch und träge wirke und sich neu sortieren müsse.
Hinzu kommt: OpenAI will noch in diesem Jahr ein eigenes physisches Produkt auf den Markt bringen, das zunächst offenbar in Form von Ohrhörern erscheinen soll. Ob dieses Gerät am Ende wirklich überzeugend ist, bleibt offen, dennoch verstärkt der geplante Einstieg eines reinen KI-Unternehmens in den Hardware-Markt den Druck auf Apple zusätzlich.
Patchwork-Strategie rund um neue Siri-Version
Konkrete Produktpläne von Apple bleiben in Gurmans Kolumne allerdings weitgehend vage. Statt detaillierter Einblicke dominieren seine eigenen Empfehlungen, wie Apple agieren sollte. Er hält es jedoch für naheliegend, dass Apple bessere Chancen habe als OpenAI, ein breitentaugliches Paar KI-gestützter Ohrhörer zu vermarkten.
Abgesehen von solchen Ohrhörern erwartet Gurman eine „Flickenteppich-Strategie“ bei Apples KI-Produkten. Dazu sollen eine Mischung aus Wearables, Smarthome-Geräten und KI-basierten Diensten gehören, die sich alle um eine neue Version von Siri gruppieren, deren Vorstellung noch in diesem Monat erwartet wird.
Wenn dies tatsächlich den Kern von Apples KI-Ansatz bildet, wirkt es weniger so, als wäre der Konzern von einem Mangel an „Zutaten“ überzeugt, sondern eher, als befände er sich weiterhin im Abwarten. Modische KI-Projekte aus dem Silicon Valley mögen lautstark sein, doch viele Nutzer:innen sind nach wie vor eng an klassische Hard- und Software-Ökosysteme gebunden, die stark auf iOS und macOS setzen.
Gleichzeitig reagieren Menschen oft ablehnend, wenn Unternehmen KI zu aggressiv in bestehende Systeme drängen, wie etwa Microsoft mit seinen KI-Werkzeugen in Windows. Die enge Verbindung zwischen Nutzer:innen und traditionellen elektronischen Geräten deutet daher nicht auf eine baldige Trennung hin – was den bestehenden Kurs von Apple vorerst stützt.
Via: https://gizmodo.com
