GPT-5 Pro setzt neue Maßstäbe bei Sprachmodellen. Doch Professor Ben Goertzel, Mitprägender des Begriffs Künstliche Allgemeine Intelligenz (AGI), sieht darin noch keine echte künstliche Intelligenz nach menschlichem Vorbild.
GPT-5 Pro besticht durch komplexe Antworten auf viele Eingaben und gilt als Höhepunkt des aktuellen GPT-5-Release. Das beeindruckt sogar OpenAI-CEO Sam Altman, der zugegeben hat, dass einige Ausgaben ihn nervös machten. Trotzdem warnt Ben Goertzel davor, diese Fortschritte mit echter unabhängiger Intelligenz zu verwechseln. Goertzel, heute CEO der Artificial Superintelligence Alliance, lobt zwar die technischen Errungenschaften und nutzt GPT-5 Pro selbst für professionelle Aufgaben wie das Strukturieren von Texten oder das Verbessern mathematischer Strukturen. Er betont aber, dass diese Sprachmodelle trotz ihrer Leistungsfähigkeit nicht mit der Kreativität und Erfindungskraft des menschlichen Geistes vergleichbar sind. Die von ihnen generierten Texte basieren auf Mustern, die sie während des Trainings gelernt haben, anstatt auf eigenständigen Erfahrungen oder Beobachtungen. GPT-5 Pro analysiert Daten auf besonders hohem Niveau, bleibt aber letztlich den statistischen Methoden verpflichtet. Goertzel stellt klar, dass beeindruckende Antworten nicht darüber hinwegtäuschen sollten, dass darunter kein echtes Verständnis steckt, sondern lediglich ein fortgeschrittenes Mustererkennen.
Deutliche Grenzen – und trügerische Erwartungen
Viele sehen in GPT-5 Pro einen Zwischenschritt zur echten AGI, weil es logische Strukturen nachahmen und Argumentationen erweitern kann. Goertzel erklärt aber, dass das Verbinden gelernter Assoziationen nicht mit Erfahrungen oder dem Verfolgen eigener Ziele vergleichbar ist. Ein wichtiger Unterschied besteht darin, dass ein echtes AGI Wissen immer neu aufbaut, basierend auf eigenen Beobachtungen und Erfahrungen. Der Mensch erkennt hierbei kontinuierlich neue Muster und integriert sie in sein Verständnis der Welt. Im Gegensatz dazu ist GPT-5 Pro nach seiner Veröffentlichung nicht mehr lernfähig und bleibt in seinem aktuellen Wissensstand fest. Die fortlaufende Entwicklung einer menschlichen Intelligenz, die sich stets weiterbildet, fehlt KI-Modellen auf dieser technischen Basis weiterhin. Goertzel betont, dass es hier keine Frage der Feinheiten gibt: Wirkliche AGI muss Wissen in Erfahrungen und Erlebnissen verankern. In solchen Grundaspekten bleibt GPT-5 Pro einem einjährigen Kind deutlich unterlegen – selbst wenn die Antworten oft klug erscheinen.
AGI verlangt neue Ansätze
Die Entwicklung großer Sprachmodelle wie GPT-5 basiere nach Goertzels Einschätzung auf der Annahme, dass allein ein ständiges Hochskalieren letztlich zur Entstehung von AGI führe. Gleichzeitig verweist er darauf, dass der wirtschaftliche Anreiz von OpenAI und anderen Anbietern diese Entwicklung bremse: Sie versuchen, AGI-Entwicklung und den weltweiten Verkauf von Chatbots gleichzeitig voranzutreiben. Die Klassifizierung aktueller Modelle als AGI hält Goertzel für verfrüht und irreführend. Für professionelle und wissenschaftliche Unterstützung biete GPT-5 Pro wertvolle Dienste. Dennoch sieht Goertzel echte Fortschritte bei allgemeiner künstlicher Intelligenz erst, wenn neue Methoden entstehen, Wissen zu verankern, fortlaufendes Lernen zu ermöglichen und kognitive Fähigkeiten sinnvoll zu integrieren. Ein echtes AGI müsse ohne fortlaufende Benutzerinteraktion neue Informationen aufnehmen und sich kontinuierlich anpassen können. Für Goertzel ist die Zukunft der AGI mit dezentralen Systemen verbunden, die eine flexible, anpassungsfähige Intelligenz erzeugen, welche Wissen, Weltmodelle und Überzeugungen eigenständig aktualisiert. Der Durchbruch auf dem Gebiet der allgemeinen künstlichen Intelligenz wird aus seiner Sicht nicht durch das bloße Skalieren heutiger Modelle erreicht, sondern durch innovative Ansätze, die echte Lernerfahrungen und neues Wissen ermöglichen. GPT-5 Pro und vergleichbare Modelle werden dabei unterstützende, aber nicht die zentrale Rolle spielen.
Via: TechRadar
