Ich habe die neue Facecam 4K von Elgato ausprobiert. Das Gerät zeichnet sich durch die Möglichkeit aus, eigene 49mm Filter zu verwenden. Am Mac dient sie mir als Webcam und für kurze Videos.
Auspacken
Elgato hat erfreulicher Weise keinerlei Plastikverpackung mehr am Start. Daran könnten sich andere Hersteller durchaus mal ein Beispiel nehmen. Im Karton findet sich die Kamera, ein kleines Klemmstativ für den Bildschirm und ein Textilummanteltes 2m USB-C-Kabel mit 5Gb/s Kapazität. Für eine 4K-Kamera ausreichende Werte. Das Kabel mag ein wenig zu lang erscheinen, wenn man aber die Kamera nicht am MacBook, sondern vielleicht auf einem Stativ daneben positionieren möchte, kann es hilfreich sein. Für die Stativmontage hat die Kamera unten ein genormtes 1/4 Zoll Gewinde. Die zum Betrieb wichtige – aber nicht zwingend notwendige – Software, den Elgato Camera Hub, kann man sich direkt beim Hersteller herunterladen. Der bietet dann auch gleich ein Firmware-Update für die Kamera an.
In Betrieb nehmen
Mittels der Software können alle Parameter der Kamera, wie Auflösung, Zoom, Weißabgleich, Verschlusszeiten und so weiter, eingestellt werden. Der Clou hierbei: Die Daten sind in der Kamera dauerhaft gespeichert. Wird sie dann an einem anderen PC oder Mac betrieben, sind die Einstellungen schon da. Das hervorstehende Merkmal dieser Webcam ist aber sicherlich das 49mm Schraubgewinde für Filter *. Die Kamera kann damit zum Beispiel mit einem UV-Filter ausgestattet werden oder mittels (leider teurem) ND-Filter die Blendenstufen regulierbar machen. Außerdem gibt es nahezu unendlich viele Effekt-Filter. Vom Stern- oder Streifen-Filtern bis zu Farbverläufen gibt es eine große Palette. Mit einem Polfilter zum Beispiel können störende Reflexionen beseitigt werden. Aber auch ganz einfach ein Objektivdeckel wäre denkbar. Denn die Kamera selber bietet keine schnelle Möglichkeit, das Objektiv zum Zwecke des Persönlichkeitsschutzes abzudecken.
Ich habe mir zwei Filter–Sets auf Amazon bestellt. Praktischer Weise kamen die dann auch mit je einem Objektiv-Deckel. Somit kann ich die Kamera bei Nichtnutzung einfach abdecken.
Die Kamera
Die Facecam 4K bietet Videoaufnahmen in bis zu 3840 x 2160 Pixel (4K) mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde (FPS). Verbaut ist ein 1/1,8″ Sony Bildsensor. Der Video-Datenstrom wird unkomprimiert über USB-C an den angeschlossenen Rechner weitergegeben. Dann allerdings bei 4K nur mit 30 FPS. Wichtig zu wissen. Die Facecam 4K arbeitet mit einem festen Fokus. Das gesamte Bild – also Vorder- und Hintergrund – sind scharf. Ein Bokeh – wie zum Beispiel bei DSLR-Kameras gibt es nicht.
Die Software Camera Hub erlaubt aber zahlreichen Justierungen am Bild. So ist es auch möglich, den Hintergrund per KI unscharf zu stellen. Ähnlich wie der Porträtmodus am iPhone. Hinzu kommen noch ein paar so genannte LUTs (Look Up Table) mit der Farbanpassungen vorgenommen werden. Eigene LUTs kann man hochladen, aber auch fertige aus dem Elgato-Marketplace laden. Solche Einstellungen bleiben leider nicht in der Kamera gespeichert, hier ist die Rechenleistung des Computers gefragt.
Streamen oder Aufnehmen
Die Kamera richtet sich in erster Linie an Streamer:innen oder Content Creator:innen. Sie lässt sich mit dem ebenfalls von Elgato erhältlichen Streamdeck steuern und ohne große Probleme in OBS einbinden. Wer zum Beispiel Games bei Twitch in 4K60FPS streamt möchte vielleicht auch sein Gesicht in dieser Auflösung zeigen. Daher kommt auch die Bezeichnung „Facecam“.
Ich habe hier mal ein paar Fotos mit und ohne Spezialfilter gemacht. Die Aufnahmen wurden mit dem Elgato Camera Hub geschossen.
Ohne Filter
Link zum Originalbild: Snapshot_2025-08-12_11-01-11.png
Mit LUT
Link zum Originalbild: Snapshot_2025-08-12_11-02-13.png
Mit externem 49mm Sternfilter (achtfach)
Link zum Originalbild: Snapshot_2025-08-12_11-03-04.png
Auch wenn ich die Filter nur für eine nette Spielerei halte. Mit dem einen oder anderen kann man das Bild ggf. aufwerten. Außerdem schützt man das Objektiv vor Staub und Kratzern. Mit einem Polfilter kann man störenden Reflexionen entfernen. Tatsächlich habe ich nun dauerhaft einen UV-Filter auf dem Objektiv.
Die besten Effekte erreicht man jedoch mit den LUTs, die beim Camera Hub dabei sind. Hier lassen sich aber auch eigene LUTs hochladen, so dass man das Bild der Kamera an die eigenen Vorstellungen anpassen kann. Auch auf meinem MacBook Air mit M4 liefen die LUTs schnell und zuverlässig. In OBS übernimmt man diese dann indem man als Videoquelle die „Elgato Virtual Camera“ auswählt. Wem das zu kompliziert ist, der kann auch einfach LUTs in OBS verwenden.
Technische Daten (laut Hersteller)
- Sensor: SONY® STARVIS 2 CMOS
- Maximale Auflösung und FPS: 2160p60
- Brennweite: 21mm
- Fokus-Range (4K): 30 – 120 cm
- Fokus-Range (1080p): 25 cm – Unendlich
- Aperture: f/4.0
- FoV: 90 Grad
- Filtergewinde: 49mm
- Video-Encoding: YUY2, NV12, MJPG
- Unkomprimiertes Video: Max 4K30
- Videoauflösungen bei USB 3.0: 2160p60 (nur MJPG), 2160p30 (nur NV12/MJPG), 1440p60 (nur NV12/MJPG), 1440p60 (NV12/MJPG only), 1440p30, 1080p60, 1080p30, 720p60, 720p30, 540p60, 540p30
- Videoauflösungen bei USB 2.0: 2160p30, 1440p30, 1080p30, 720p30, 540p30
- Größe: W 104 x H 54 x D 52 mm (Ohne Halter)
- Gewicht: 112 Gramm
- Stativmontage: 1/4 Zoll Gewinde in der Kamera
Fazit
Mit der Facecam bekommt man eine gute (und teure) Webcam, die sich durch zwei Dinge auszeichnet. Zum einen die Möglichkeit, 49mm Filter zu verwenden, um das Bild nach den eigenen Vorstellungen zu optimieren. Schön, dass Elgato hier auf einen Standard setzt und nicht eine eigene Lösung entwickelt hat. Zum anderen integriert sich die Kamera in ein vorhandenes Elgato-Ökosystem. Damit lassen sich bestimmte Funktionen, LUTs und andere Einstellungen zum Beispiel mit dem Streamdeck steuern. Das macht den Start in die Steamer:innen-Karriere vielleicht einfacher. Die Software (Camera Hub) funktioniert gut und dass viele Einstellungen in der Kamera gespeichert werden, ist sehr praktisch. Da die Kamera nach dem UVC-Standard (V1.5) arbeitet, ist aber grundsätzlich kein Treiber zum Betrieb nötig.
Die Kamera braucht viel Licht, um ein gutes Bild zu bieten. Viel Licht ist natürlich generell immer eine gute Idee. Ist das mal nicht so gegeben, sieht man doch schnell, dass der Sensor an seine Grenzen kommt. Ich fände es außerdem gut, wenn die ausgewählte LUT in der Kamera gespeichert würde. Im Moment ist es für eine Anwendung im Stream nötig, dass die Software mitläuft. Mein MacBook Air M4 (24 GB RAM) wurde schon ordentlich warm, wenn OBS und Camera Hub gleichzeitig liefen. Wie lange der Akku des MacBook Air hält, kann ich nicht sagen. Ich empfehle in diesem Fall die Stromversorgung über ein Netzteil.
Das Elgato bei seinen Produkten konsequent auf eine Plastikverpackung verzichtet finde ich prima. Hier sollten andere Hersteller sich ein Vorbild nehmen.
Zur Transparenz sei gesagt, dass ich die Facecam 4K von Elgato für diesen Artikel zur Verfügung gestellt bekommen habe. Meine Meinung ist davon aber unberührt. Vielen Dank an Elgato für die Unterstützung.
Preis: 199,99 Euro bei Elgato im Shop. Oder zum gleichen Preis bei Amazon.
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