Artemis II ist abgeschlossen, nun wertet die NASA die Mission im Detail aus. Die Raumfahrtbehörde zieht erste Zwischenbilanz zu Orion, SLS – und einem unerwarteten Toilettenproblem.
Orion-Kapsel und SLS-Rakete im Fokus
Nach der erfolgreichen Umrundung des Mondes mit vier Astronaut:innen untersucht die NASA aktuell, wie die zahlreichen Systeme zusammenspielten, die die Crew sicher hin und zurück gebracht haben. Artemis II diente nicht nur als Rekordflug für bemannte Raumfahrt, sondern vor allem als Test für weitere Missionen ab 2027 und 2028. Für 2028 peilt die NASA die Landung von Astronaut:innen auf der Mondoberfläche an. Erste Auswertungen zeigen, dass die Raumkapsel Orion und die Schwerlastrakete SLS insgesamt gut abgeschnitten haben.
Bei der Crewkapsel hebt die NASA vor allem den Hitzeschild hervor. Die ersten Bewertungen bescheinigen ihm eine Leistung „wie erwartet“, ohne ungewöhnliche Auffälligkeiten. Außerdem sei weniger Material verkohlt als bei der unbemannten Testmission Artemis I. Nach der Wasserlandung machten Marine-Taucher Unterwasseraufnahmen des Hitzeschilds, die den guten Zustand dokumentieren. Auch das Splashdown selbst lief planmäßig ab: Orion landete laut NASA nur 2,9 Meilen von der anvisierten Zone entfernt, die Geschwindigkeit beim Eintritt in die Atmosphäre wich nur um eine Meile pro Stunde von den Berechnungen ab.
Die SLS-Rakete, die Orion ins All brachte, wird ebenfalls noch umfassend geprüft, bekommt aber bereits gute Noten. Laut NASA-Blogpost erreichte die Rakete beim Abschalten der RS‑25-Haupttriebwerke eine Geschwindigkeit von über 18.000 Meilen pro Stunde und damit exakt die notwendige Umlaufbahn-Geschwindigkeit. Die angepeilte Position im Orbit traf die SLS präzise.
Toilette an Bord macht Probleme
Ganz reibungslos verlief die Mission dennoch nicht. Schwierigkeiten bereitete das Toilettensystem an Bord. Kurz nach dem Start meldete die Crew Probleme mit der Leitung zur Urinableitung. Missionsspezialistin Christina Koch konnte das Problem gemeinsam mit dem Bodenteam eingrenzen und eine Lösung finden. Für zukünftige Flüge möchte die NASA derartige Störungen vermeiden und untersucht nun Hardware und Daten, um die Ursache zu identifizieren und Gegenmaßnahmen zu entwickeln.
Erduntergang, Körperanpassung und weitere Forschung
Auch nach ihrer Rückkehr teilen die Artemis‑II‑Astronaut:innen Eindrücke von ihrem Flug. Missionskommandant Reid Wiseman veröffentlichte ein Video, das zeigt, wie die Erde hinter dem Mond verschwindet – aufgenommen aus der Orion-Kapsel. Ein solches Schauspiel haben Menschen seit der letzten Apollo-Mission vor über 50 Jahren nicht mehr direkt erlebt.
Die zehn Tage im All waren für den Körper der Crew ebenfalls eine Herausforderung. Christina Koch zeigte in einem Video, wie sie nach der Landung bei einem Tandem-Gehtraining mit geschlossenen Augen sichtlich zu kämpfen hatte. In der begleitenden Erklärung beschreibt sie, wie sich der Aufenthalt in der Schwerelosigkeit auf das Gleichgewichtssystem auswirkt. Die in der Mikrogravitation fehlbelasteten Gleichgewichtsorgane senden andere Signale an das Gehirn, die dieses im Laufe der Zeit ausblendet. Zurück auf der Erde sind Astronaut:innen deshalb zunächst stark auf ihre Augen angewiesen, um sich zu orientieren.
Parallel zur Auswertung von Artemis II laufen weitere spannende Projekte. Apple und Amazon setzen sich aktuell für lockerere Regeln bei der Berichterstattung zu Treibhausgasemissionen ein. Die NASA plant den Start ihres nächsten großen Weltraumteleskops für den September. Der Mars-Rover Curiosity hat vielversprechende organische Verbindungen auf dem Roten Planeten gefunden. Außerdem gelang Blue Origin die Landung einer wiederverwendeten New‑Glenn‑Erststufe, auch wenn die Mission die Nutzlast nicht in den Orbit bringen konnte.
