Apple schickt einen großen Teil des Siri-Teams in ein mehrwöchiges KI-Coding-Bootcamp. Damit soll der stockende Umbau des Sprachassistenten rechtzeitig vor der nächsten großen Siri-Version wieder Fahrt aufnehmen.
Umfangreiches Bootcamp für Siri-Entwickler:innen
Laut übereinstimmenden Medienberichten plant Apple, Hunderte beziehungsweise weniger als 200 Siri-Entwickler:innen zu einem intensiven, mehrwöchigen Bootcamp zu schicken. Dort sollen sie nicht lernen, eigene KI-Modelle zu entwickeln, sondern moderne KI-Werkzeuge für die Softwareentwicklung effizient zu nutzen. Im Fokus stehen dabei KI-gestützte Workflows zum Erstellen und Iterieren von Code, die in der Branche zunehmend zum Standard werden.
Während des Bootcamps bleiben rund 60 Mitglieder des Kernteams an Siri selbst dran, weitere etwa 60 überwachen und bewerten die Leistung des Assistenten. Sie testen, ob Siri die internen Sicherheitsstandards einhält und Nutzer:innen-Befehle korrekt interpretiert und ausführt. Das Programm gilt als Versuch, das bestehende Personal im großen Stil weiterzubilden, statt sich vor allem auf Neueinstellungen zu verlassen.
In anderen Bereichen von Apple sind KI-Coding-Werkzeuge bereits etabliert. Einige Teams geben laut Berichten erhebliche Teile ihrer Budgets für das KI-Entwicklungstool Claude Code aus. Das Siri-Team gilt intern dagegen als Nachzügler und nutzt solche Werkzeuge bislang deutlich weniger.
Verzögerte Siri-Neuauflage und Umbau im KI-Team
Siri war früh am Markt, liegt inzwischen aber hinter konkurrierenden Sprachassistenten zurück. 2024 hatte Apple einen „Neuanfang für Siri“ mit Apple Intelligence angekündigt, ursprünglich geplant für iOS 18. Die Integration moderner KI-Funktionen in die bestehende Siri-Architektur erwies sich jedoch als schwierig, hinzu kamen Managementfehler und organisatorische Umbrüche.
Die Siri-Gruppe konnte die versprochene Apple-Intelligence-Version nicht rechtzeitig liefern. Daraufhin kam es zu einer größeren Neuordnung: Der bisherige KI-Chef John Giannandrea trat Ende 2025 von seiner Rolle zurück und soll das Unternehmen nach endgültiger Aktienauszahlung Mitte April 2026 verlassen. Die Verantwortung für die KI-Entwicklung liegt nun bei Softwarechef Craig Federighi, die Leitung des Siri-Teams übernahm Mike Rockwell, der zuvor die Entwicklung des Vision Pro verantwortete.
Unter Federighis Führung schloss Apple zudem eine Vereinbarung mit Google. Demnach sollen Siri und weitere KI-Funktionen künftig von Googles Gemini-Sprachmodellen im Hintergrund unterstützt werden.
Neues Siri-Erlebnis ab iOS 27 erwartet
Die Bootcamp-Initiative fällt in eine Phase, in der Apple kurz vor der Vorstellung einer umfassend überarbeiteten Siri steht. Für die weltweite Entwicklerkonferenz am 8. Juni wird eine neue Siri-Erfahrung erwartet, die laut früheren Berichten mit iOS 27, iPadOS 27 und macOS 27 im Laufe des Jahres ausgerollt werden soll.
Die neue Version soll sich stärker wie ein eigenständiger KI-Chatbot anfühlen, ähnlich Angeboten wie ChatGPT oder Claude, statt nur als klassisches Systemwerkzeug zu fungieren. Für den Herbst rechnet Apple damit, dass Nutzer:innen eine deutlich konversationsfreudigere und leistungsfähigere Siri auf ihren Geräten haben. Ziele sind ein besseres Verständnis von Kontext, der Zugriff auf persönliche Daten für passendere Antworten sowie komplexere Aktionen in Apps.
Insgesamt soll das Bootcamp helfen, die interne Entwicklungskultur an die Anforderungen der KI-Ära anzupassen und die mehrfach verschobene Siri-Überarbeitung endlich zum Abschluss zu bringen.
Via: www.cnet.com · appleinsider.com · www.macrumors.com · www.cultofmac.com
