Apple versucht, inmitten einer massiven Speicherknappheit günstigere RAM-Chips zu sichern und wendet sich dazu an einen umstrittenen chinesischen Hersteller. Die US-Politik könnte diesen Plan jedoch erheblich ausbremsen.
Speicherkrise treibt Apple zu CXMT
Die anhaltende weltweite Knappheit bei Speicherchips setzt die gesamte Tech-Branche unter Druck, auch Apple. Die Preise für Speicher sind laut Counterpoint Research in den vergangenen drei Quartalen auf das Vierfache gestiegen, weil Samsung, SK Hynix und Micron Kapazitäten von klassischem Arbeitsspeicher auf Hochbandbreitenspeicher für KI-Rechenzentren verlagert haben. Apple hatte bereits im April in einer Gewinnwarnung angekündigt, dass sich die Lage zunächst weiter verschlechtern werde.
Die Folgen spüren mittlerweile auch Käufer:innen: Am 25. Juni hat Apple die Preise über weite Teile des Portfolios angehoben. Beim 13‑Zoll‑MacBook Air stieg der Preis von 1.099 auf 1.299 US‑Dollar (rund 1.020 auf 1.200 Euro), das 16‑Zoll‑MacBook Pro kletterte von 2.499 auf 2.999 US‑Dollar (rund 2.320 auf 2.780 Euro), das Vision Pro wurde um 500 US‑Dollar (rund 460 Euro) teurer. In einem anderen Bericht heißt es zudem, das 1‑TB‑M5‑MacBook‑Pro koste nun 300 US‑Dollar (rund 280 Euro) mehr, das Einsteigermodell des MacBook Neo 100 US‑Dollar (rund 90 Euro) mehr, und alle iPad Pro seien jeweils um 200 US‑Dollar (rund 185 Euro) teurer geworden.
Die Börse reagierte deutlich: Am Tag der Preiserhöhungen verloren Apple-Aktien mehr als sechs Prozent und verzeichneten damit den schlechtesten Handelstag seit April 2025. Um die Kosten im Griff zu behalten, sucht Apple deshalb zusätzliche Speicherlieferanten. Bislang bezieht das Unternehmen DRAM von Micron aus den USA sowie von Samsung und SK Hynix aus Südkorea.
Als möglicher Ausweg bietet sich nun ChangXin Memory Technologies (CXMT) an, Chinas größter DRAM-Hersteller. CXMT liefert bereits DDR5-Speicher an westliche Marken wie Corsair und unterbietet dabei die drei dominierenden Anbieter preislich. Für Apple könnte das helfen, den Preisdruck abzufedern.
Zwischen Militär-Schwarzer Liste und US-Embargo
Genau hier beginnt das politische Problem. CXMT steht auf der sogenannten 1260H-Liste des US-Verteidigungsministeriums, der „Schwarzen Liste chinesischer Militärunternehmen“. Dort landen Firmen, denen das Pentagon Verbindungen zur chinesischen Volksbefreiungsarmee zuschreibt. Die Aufnahme auf diese Liste verbietet Apple zwar nicht direkt den Einkauf von Chips, bringt aber erhebliche Risiken mit sich.
So darf das US-Verteidigungsministerium keine Verträge mit Unternehmen schließen, die auf dieser Liste stehen, und auch keine Produkte oder Dienstleistungen nutzen, die über Dritte Komponenten dieser Firmen enthalten. Ein Einstieg bei CXMT könnte Apple also Aufträge dieser Behörde kosten und das Image beschädigen. Zudem war CXMT bereits 2025 im Visier des US-Handelsministeriums für die Aufnahme in die sogenannte „Entity List“. Diese Liste der Industrie- und Sicherheitsbehörde würde den Handel massiv einschränken, weil US-Käufer:innen dann Lizenzen für jeden Erwerb bräuchten. Auf Drängen des Weißen Hauses, das damals mit China über ein Ende des Handelskonflikts verhandelte, wurde die Aufnahme jedoch zunächst gestoppt.
Die Einstufung bleibt politisch umkämpft: Das Pentagon entfernte CXMT und den chinesischen Speicherhersteller YMTC im Februar kurzzeitig von der 1260H-Liste, machte diesen Schritt nach Kritik aus dem US-Kongress aber wieder rückgängig. Im Juni wurden beide Unternehmen erneut aufgenommen, zusammen mit weiteren 188 Organisationen wie Alibaba, Baidu und BYD.
Intensives Lobbying und politischer Gegenwind
Vor diesem Hintergrund lobbyiert Apple seit über einem Monat intensiv in Washington. Laut übereinstimmenden Medienberichten hat sich der Konzern an das Handelsministerium und weitere Mitglieder der Trump-Regierung gewandt. Apple will eine klare Zusage, dass CXMT nicht auf die Entity List gesetzt wird, bevor das Unternehmen seine Lieferkette auf den chinesischen Hersteller stützt. Es geht also weniger um eine formale Erlaubnis zum Einkauf, sondern um Planungssicherheit.
Parallel dazu versucht Apple, den politischen Schaden zu begrenzen. Denn selbst mit einer Zusage aus dem Weißen Haus ist Widerstand im Kongress absehbar. John Moolenaar, republikanischer Vorsitzender des China-Ausschusses im Repräsentantenhaus, nennt eine Partnerschaft mit einem „chinesischen Militärunternehmen“ einen schwerwiegenden Fehler. Sie würde China helfen, kritische Lieferketten zu dominieren, und die US‑Techbranche weiter von chinesischen Zulieferern abhängig machen. Ähnliche Vorwürfe gab es bereits 2022, als Apple erwog, Speicherchips von YMTC für iPhones in China zu beziehen. Damals warf der republikanische Senator Marco Rubio Apple vor, „mit dem Feuer zu spielen“, und kündigte intensive Prüfungen durch die US-Regierung an.
Apple selbst betont intern seine Verantwortung gegenüber Kund:innen und Aktionär:innen, Produkte wirtschaftlich anbieten zu können. Weitere Speicherquellen zu erschließen, ist vor diesem Hintergrund naheliegend. Gleichzeitig riskiert der Konzern einen politischen Konflikt, der teuer werden könnte – finanziell wie reputationsseitig. Apple und das Weiße Haus lehnten gegenüber der „Financial Times“ bislang jeden Kommentar zu den laufenden Gesprächen ab.
