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AOL beendet Zeitalter: Abschied vom klassischen Modem-Internet

Nach mehr als vier Jahrzehnten stellt AOL sein Modem-basiertes Internet endgültig ein. Für viele Nutzer:innen rund um den Globus geht damit ein wichtiges Internetkapitel zu Ende.

Das Ende einer Ära

AOL hat offiziell angekündigt, seinen klassischen Einwahl-Internetdienst einzustellen. Ab dem 30. September 2025 wird der Zugang per Modem und die damit verbundene Software wie der AOL Dialer und AOL Shield nicht mehr angeboten. Laut einer aktualisierten Support-Seite entfällt damit ein Angebot, das lange eine zentrale Rolle beim Internetzugang für zahlreiche Menschen spielte. Für andere AOL-Angebote oder -Tarife entstehen keine Veränderungen, nur der Dial-up-Zugang fällt weg. Über die Gründe schweigt AOL weitgehend, verweist allerdings darauf, dass der Konzern regelmäßig alle Produkte und Services überprüft. Technisch gibt es heute schnellere Internetoptionen, die für fast alle verfügbar sind.

Gerade ältere Mac-Nutzer:innen werden sich an die Zeit erinnern, als AOL den Markt dominierte und den Einstieg ins Internet markant geprägt hat. Für Millionen Menschen war AOL der Startpunkt, um online zu gehen. Nun endet diese Ära endgültig, da sich der Internetzugang inzwischen stark verändert hat. Die klassische Einwahl über das Festnetztelefon wird Geschichte.

AOLs Aufstieg und Wandel

Wer an die späten 1980er Jahre zurückdenkt, erinnert sich an langsame Modemgeschwindigkeiten und eine komplizierte Internetverbindung. Es gab weder Mobilfunk-Internet noch Smartphones, und das Festnetz war nicht für digitale Datenübertragung konzipiert. AOL selbst startete 1983 als Control Video Corporation mit Online-Diensten für die Atari-Konsole. Nach mehreren Umbenennungen und Neuausrichtungen entstand 1988 AppleLink, speziell für Macintosh-Nutzer:innen. Kurz darauf folgte PC Link für IBM-kompatible Geräte, und 1989 kam die Umbenennung in America Online.

Im Gegensatz zu damaligen Konkurrenten wie Compuserve positionierte sich AOL als besonders nutzer:innenfreundliche Option für den Netzzugang. Damals nutzten viele Haushalte bereits Computer, und AOL wuchs mit dem Trend zum grafischen Betriebssystem. Die berühmten Gratis-CDs tauchten überall auf und brachten Millionen neue User:innen, bis 1995 zählte AOL bereits zehn Millionen Kund:innen. Die Expansion setzte sich fort, mit Übernahmen wie WebCrawler, eWorld und später auch den Wettbewerbern Compuserve.

Die Internetgeschwindigkeit über Modem blieb jedoch vergleichsweise gering und erreichte höchstens 56 Kilobit pro Sekunde. Das Angebot von AOL bestand zu dieser Zeit hauptsächlich aus eigenen Diensten, ein sogenannter „Walled Garden“, also einem abgeschlossenen System ohne vollen Zugang zum offenen Internet.

Breitband, Smartphones und das Ende des Modem-Zeitalters

Mit dem Aufkommen von Breitband-Internet und später auch mobilen Datenverbindungen zu Beginn der 2000er-Jahre verloren klassische Modemdienste an Bedeutung. Kabel-Internet und DSL sorgten für höhere Geschwindigkeiten und verbesserten Komfort. Mit dem Siegeszug von Smartphones, vor allem ab 2007 mit dem iPhone, ging die Nachfrage nach Einwahl-Internet rapide zurück. Trotzdem nutzten weiterhin Menschen mit geringem Einkommen oder auf dem Land AOLs Modem-Dienste, da schnelle Alternativen für sie nicht verfügbar waren.

Auch nach der AOL Time Warner-Übernahme und später durch Verizon blieb AOL erstaunlich lange am Markt. Noch 2015 gab es etwa zwei Millionen zahlende Nutzer:innen für das Modem-Angebot. 2021 zählte man laut Apollo Global Management rund 1,5 Millionen Personen, die allerdings überwiegend wegen technischer Unterstützung oder Software bezahlten. Die Zahl der tatsächlichen Dial-up-Nutzenden war bereits auf wenige Tausend gesunken. Das Ende des Angebots war daher absehbar. AOLs Modem-Internetdienst verliert damit seinen letzten Einflussbereich, bleibt aber als prägende Wegbereiterin des frühen Internets in Erinnerung.

Via: https://appleinsider.com

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Michael Reimann

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