Die EU zwingt Google zu einem Kurswechsel bei Android zur offenen KI-Plattform, während Apple seine große Siri-Erneuerung in Europa ausbremst. Das setzt neue Akzente im Wettlauf um mobile KI.
EU-Auflagen: Android muss KI-Konkurrenz zulassen
Die EU-Kommission hat im Juli 2026 verbindliche Entscheidungen auf Basis des Digitale-Märkte-Gesetzes (Digital Markets Act) getroffen. Google wird verpflichtet, Android und zentrale Suchdaten ab 2027 für konkurrierende KI-Anbieter zu öffnen. Damit sollen andere Unternehmen Zugriff auf Schnittstellen und Daten erhalten, die bisher eng an Google-Dienste gekoppelt waren.
Konkret zielt die Kommission darauf, die Marktmacht von Google im mobilen Ökosystem einzuschränken. Entwickler:innen von Sprachassistenten und generativen KI-Diensten sollen eigene Angebote tiefer in Android integrieren können. Perspektivisch entsteht damit ein deutlich offeneres Umfeld, in dem verschiedene KI-Systeme direkt auf dem Smartphone miteinander konkurrieren.
Für europäische Nutzer:innen könnte das ähnlich funktionieren wie ein KI-App-Store innerhalb des bestehenden Android-Ökosystems. Sie hätten die Möglichkeit, alternative Assistenten zu wählen oder spezialisierte KI-Dienste zu installieren, die auf Googles Plattform- und Suchdaten aufsetzen. Wie genau Google die Anforderungen technisch umsetzt, ist noch offen, der regulatorische Rahmen steht aber fest.
Apple bremst neue Siri in Europa aus
Während Android auf Druck der EU in Richtung offene KI-Plattform geht, zieht Apple in Europa die Handbremse. Die geplante umfassende Überarbeitung von Siri auf Basis großer Sprachmodelle verzögert sich hierzulande. Medienberichte sprechen von einer verschobenen Einführung der neuen Siri-Funktionen in Europa.
In der Beta-Version von „Golden Gate“, also der kommenden Systemversion 27, sind bereits versteckte Siri-Schaltflächen entdeckt worden. Sie lassen sich in der Testversion freischalten und deuten auf eine LLM-basierte Neugestaltung der Bedienoberfläche hin. Vorgesehen ist demnach eine deutlich erweiterte Interaktion mit dem Assistenten, die tief ins System integriert ist.
Apple hält sein KI-Ökosystem traditionell stark abgeschottet. Dazu gehören On-Device-Sprachmodelle, die Verarbeitung auf dem Gerät und klar begrenzte Schnittstellen für Drittanbieter. Die Verzögerung in Europa zeigt, wie eng Apple die regulatorischen Vorgaben mit der eigenen Sicherheits- und Datenschutzstrategie abgleichen will.
Sicherheitsrisiko Android? RedHook als Warnsignal
Parallel zur Öffnungsdebatte sorgt ein neuer Malware-Fall auf Android für zusätzliche Aufmerksamkeit. Die Schadsoftware RedHook kann ein Android-Smartphone unbemerkt übernehmen. Laut einem Bericht nutzt sie dabei typische Schwachstellen des offenen Systems, um sich zu installieren und Berechtigungen zu erlangen.
RedHook zeigt, wie Angreifer Android-Geräte im Hintergrund kapern können, ohne dass Nutzer:innen es sofort bemerken. Die Malware ist in der Lage, Kontrolle über zentrale Funktionen zu erlangen und so das Gerät praktisch fernzusteuern. Der Fall unterstreicht die Sicherheitsrisiken, die mit einer offenen Plattform und einem weit verzweigten App-Ökosystem verbunden sind.
Genau hier verläuft die neue Bruchlinie zwischen Android und iOS: Android bewegt sich in Richtung eines pluralen „KI-App-Stores“, der mehr Wahlfreiheit für europäische Nutzer:innen und Entwickler:innen verspricht, aber auch zusätzliche Angriffsflächen schafft. Apple hält dem ein geschlossenes, stark kontrolliertes KI-System entgegen und muss gleichzeitig den politischen und rechtlichen Druck in Europa im Blick behalten, ohne das eigene Sicherheitsversprechen zu gefährden.
Via: www.ad-hoc-news.de · www.mactechnews.de · www.foxnews.com
