In der Europäischen Union und in Japan öffnen neue Gesetze den iOS‑Markt für alternative App-Stores. Wir zeigen Euch, welche Marktplätze Ihr aktuell nutzen könnt.
In der EU erlaubt das Gesetz über digitale Märkte (Digital Markets Act, DMA) die Nutzung alternativer App-Stores auf Apple-Geräten. Diese Marktplätze bieten wie der App Store einen einfachen Zugang zu Apps, allerdings ohne Apples klassische App-Prüfung. Stattdessen müssen Apps ein Notarisierungsverfahren durchlaufen, damit sie laut Apple grundlegende Sicherheitsanforderungen erfüllen, etwa frei von Schadsoftware zu sein. Jede Plattform kann ihre eigenen Richtlinien für die App-Freigabe definieren und ist selbst für Themen wie Support und Rückerstattungen zuständig.
Entwickler:innen, die einen alternativen Marktplatz betreiben wollen, müssen Apples alternative Geschäftsbedingungen für DMA-konforme Apps in der EU akzeptieren. Dazu gehört eine neue Gebühr für Kerntechnologien von 0,50 Euro pro erstem jährlichen Installationsvorgang ihrer Marktplatz-App. Diese Gebühr fällt bereits vor der sonst geltenden Schwelle von 1 Million Installationen an.
Auch außerhalb der EU entstehen neue Optionen. In Japan trat das Gesetz über Wettbewerb bei mobiler Software (Mobile Software Competition Act, MSCA) in Kraft. Apple kündigte im Dezember 2025 an, sich daran zu halten. Entwickler:innen können Apps und Bezahlprozesse damit auch außerhalb des App Stores abwickeln, müssen dafür aber neue Konditionen akzeptieren: eine auf 10 bis 21 Prozent reduzierte App-Store-Provision, eine Gebühr für die Zahlungsabwicklung bei In‑App-Käufen von 5 Prozent, eine Gebühr für Kerntechnologien von 5 Prozent und eine Provision von 15 Prozent auf Store-Dienstleistungen bei Webverkäufen über Links in der App.
AltStore PAL wurde von Entwickler Riley Testut mitentwickelt, der unter anderem für die Nintendo-Emulator-App Delta bekannt ist. Der offiziell zugelassene Marktplatz ist quelloffen und erlaubt unabhängigen Entwickler:innen, ihre Apps neben den eigenen Angeboten des AltStore-Teams zu vertreiben, darunter Delta und die Zwischenablage-Verwaltung Clip.
Im Unterschied zum App Store werden AltStore-Apps von den Entwickler:innen selbst gehostet. Dazu laden sie ein alternatives Verteilungspaket auf ihren Server und richten eine „Quelle“ ein, die Nutzer:innen im AltStore hinzufügen. So seht Ihr nur die Apps, die Ihr selbst eingebunden habt. Beliebte Beispiele sind die virtuelle Maschine UTM zum Ausführen von Windows und anderer Software auf iOS oder iPadOS, OldOS als in SwiftUI nachgebildetes iOS 4, das Wörterbuch Kotoba, die Torrent-App iTorrent, der qBittorrent-Remote-Client qBitControl sowie die Social-Discovery-Plattform PeopleDrop.
MacPaws Setapp gehörte zu den ersten Anbietern, die Apples DMA-Geschäftsbedingungen akzeptierten, um einen alternativen App-Store für EU-Nutzer:innen zu starten. Der Dienst Setapp Mobile wurde jedoch bereits am 16. Februar 2026 wieder eingestellt; Setapp Desktop ist davon nicht betroffen. Das Unternehmen begründete den Schritt mit den sich weiterentwickelnden und komplexen Geschäftsbedingungen von Apple.
Setapp bot ein Abo mit einer kuratierten Auswahl von Apps für iOS und macOS an. Nach dem DMA-Start kam ein alternativer iOS-App-Store für EU‑Nutzer:innen hinzu, der Dutzende Apps in einem einzigen Abo bündelte, mit wachsendem Angebot. Die Apps waren werbefrei und ohne In‑App-Käufe, galten als hochwertig, enthielten aber keine großen Namen wie Facebook, Uber oder Netflix.
Epic Games, Herausgeber von Fortnite, startete seinen alternativen iOS-App-Store in der EU im August 2024. Darüber lassen sich Spiele wie Fortnite, Rocket League Sideswipe und Fall Guys laden, weitere Titel sollen folgen. Epic bringt seine Spiele außerdem in andere alternative Stores, darunter AltStore PAL, den das Unternehmen mit einem Zuschuss unterstützt, sowie den iOS-Store von Aptoide in der EU und ONE Store auf Android.
Der Schritt, Fortnite in alternativen iOS-Marktplätzen anzubieten, erfolgt mehr als vier Jahre nach dem Ausschluss des Spiels aus dem App Store wegen Richtlinienverstößen und vor Epics Klage gegen die angebliche App-Store-Monopolstellung. Gerichte in den USA stellten zwar fest, dass Apple kein wettbewerbswidriges Verhalten zeigte, die Klage führte aber dazu, dass Entwickler:innen über Links in ihren Apps auf eigene Webseiten mit reduzierter Provision verweisen können.
Aptoide aus Lissabon bietet einen alternativen Spiele-Store für iPhones und ist eine quelloffene Lösung für App-Verteilung. Das Unternehmen, das bereits als Google-Play-Alternative bekannt ist, prüft nach eigenen Angaben Apps auf sichere Downloads und Installationen.
Die iOS-Version startete im Juni 2024 zunächst als Einladungs-Beta und wurde später in der gesamten EU freigegeben. Als kostenlos nutzbarer Store erhebt Aptoide keine direkten Gebühren bei Nutzer:innen zur Deckung der an Apple gezahlten Gebühr für Kerntechnologien, sondern nimmt 10 bis 20 Prozent Provision auf In‑App-Käufe, abhängig davon, ob diese durch den Marktplatz generiert wurden oder nicht. Über alle Plattformen hinweg, darunter Android, Web, Auto und TV, bietet Aptoide rund 1 Million Apps für mehr als 430 Millionen Nutzer:innen.
Der Mobivention Marketplace richtet sich an Geschäftskund:innen. EU-Unternehmen können darüber interne Apps an Mitarbeitende verteilen, die nicht im App Store erscheinen können oder sollen. Zusätzlich entwickelt Mobivention maßgeschneiderte App-Marktplätze für Firmen, die ihren Angestellten ein eigenes App-Portal nur für Unternehmens-Apps anbieten wollen. Größere Unternehmen können die Technologie lizenzieren und den Marktplatz umfassend an ihre Anforderungen anpassen.
Skich kündigte im März den Start eines alternativen App-Stores für EU-Nutzer:innen an, der sich über eine Tinder-ähnliche Oberfläche für App-Entdeckung abhebt. Nutzer:innen wischen nach rechts, um mit Apps zu „matchen“, die sie interessieren könnten, können Playlists anlegen und sehen, welche Apps ihre Freund:innen nutzen. Der neue Store ersetzt die bisherige Skich-App, das Unternehmen behält 15 Prozent Provision auf alle Käufe ein. Zum Start bewarb Skich den Store gezielt bei Entwickler:innen, etwa auf der Game Developers Conference.
Onside ist ein alternativer iOS-App-Store, der sowohl in der EU als auch seit dem 17. Februar 2026 in Japan verfügbar ist. Möglich machen das die neuen gesetzlichen Regelungen. Das Unternehmen verspricht niedrigere Gebühren für Entwickler:innen bei gleichzeitiger Sicherheit, etwa durch vertrauliche Behandlung von Zahlungsdaten. Aktuell werden Bankkarten und Apple Pay unterstützt, später sollen weitere Bezahlmethoden wie iDeal und Klarna folgen.
Für Nutzer:innen wirbt Onside mit einer Auswahl an Top-Apps und Exklusivtiteln, die auf anderen Marktplätzen nicht zu finden sind. Die Oberfläche orientiert sich an klassischen App-Stores und bietet redaktionelle Sammlungen, Bewertungen, Rezensionen und automatische Updates.
Bild Gemini KI
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