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Alan Dye geht – Erleichterung bei Apple, Risiko für Meta

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Alan Dye verlässt Apple und wechselt als neuer „Leitender Designverantwortlicher“ zu Meta. Bei Apple übernimmt der langjährige Interface-Designer Stephen Lemay die Führung der Software-Gestaltung – mit weitreichenden Konsequenzen.

Warum Dyes Abgang intern als Befreiung wirkt

Alan Dye leitete seit rund einem Jahrzehnt das Software-Design bei Apple. In dieser Zeit hat sich die Gestaltung der Benutzeroberflächen, des UI, aus Sicht vieler Designer:innen deutlich verschlechtert. Die Probleme seien nicht weniger, sondern mehr geworden. Innerhalb von Apple galt es fast als unrealistisch, dass Dye je gegangen oder abgelöst worden wäre. Umso größer ist nun die Erleichterung, dass er das Unternehmen aus freien Stücken verlässt und nicht hinausgedrängt wurde.

Nach innen sorgte das für eine paradoxe Lage. Wenn Apple mit Dyes Arbeit zufrieden gewesen wäre, hätte das Unternehmen ihn durch jemanden aus seinem direkten Umfeld ersetzen können. Dass stattdessen Stephen Lemay aufrückt, der nicht zu Dyes engerem Kreis gehört, wird intern als klares Signal gewertet. Senior-Manager:innen können Mitarbeiter:innen aus Dyes Team, die jetzt aufsteigen könnten, offenbar nicht mehr voll vertrauen – zumal mehrere enge Vertraute wie Billy Sorrentino Apple gemeinsam mit Dye in Richtung Meta verlassen.

Der Wechsel an der Spitze dürfte daher weniger aus einem bewusst gesteuerten Kurswechsel im Design entstanden sein, sondern aus einem Loyalitätsproblem. Politisch „sichere“ Personen wie Lemay, die schon vor Dye bei Apple waren und nicht zu seiner Gruppe zählen, erscheinen der Führung verlässlicher. Der mögliche Richtungswechsel im Human Interface Design wäre damit eher ein erfreulicher Nebeneffekt.

Stephen Lemay: UI Fachmann statt Marken Designer

Über Stephen Lemay war bislang wenig öffentlich bekannt, was bei Apple typisch ist. Intern gilt er als erfahrener Interaktionsdesigner mit großem Augenmerk auf Details und handwerkliche Qualität. Nicht alles, was er verantwortet hat, ist unumstritten. Etwa bestimmte Aspekte des Multitaskings in iPadOS, die von vielen als eher limitierend als befähigend empfunden wurden. Dennoch sind die Rückmeldungen aus Apples Designkreisen eindeutig. Lemay ist fachlich hoch angesehen und persönlich beliebt; viele sehen in ihm die bestmögliche Nachfolge.

Dye hingegen kam ursprünglich aus der Marken- und Printwerbung, unter anderem von Kate Spade und der Agentur Ogilvy. Seine Beförderung 2015, im Kontext der modisch ausgerichteten Apple Watch, mochte für dieses Produkt Sinn ergeben, aber deutlich weniger für macOS, iOS und andere Plattformen. Die vergangenen zehn Jahre hätten dies aus Sicht vieler Designer:innen klar bestätigt.

Besonders schmerzhaft wird das am Beispiel des aktuellen Designs Liquid Glass  in iOS 26 und macOS 26 Tahoe sichtbar. Während iOS 26 insgesamt als besser und benutzbarer als iOS 18 wahrgenommen wird, gilt macOS Tahoe visuell als misslungen. Nichts an der Oberfläche wirke besser als in macOS 15 Sequoia. Die Probleme betreffen vor allem grundlegende Aspekte wie Tiefe, Ebenen, Fokus-Indikatoren und Lesbarkeit – also genau jene Bereiche, in denen Kompetenz im Interaktionsdesign gefragt ist. Dass Apple in Version 26.1 eine zusätzliche Einstellung für „klar“ oder „getönt“ beim Liquid Glass-Effekt einführen musste, sehen viele als deutliches Indiz, dass hier grundlegend etwas schiefgelaufen ist.

Bilanz der Dye-Ära und Ausblick für Apple und Meta

In der Design-Community gibt es nahezu keine Stimmen, die die Dye-Ära positiv bewerten. Die Debatte dreht sich eher darum, wie stark Apple von früheren Höhen zurückgefallen ist. Zahlreiche hochqualifizierte Designer:innen haben Apple aus Frust verlassen, um etwa bei LoveFrom, OpenAI oder dem gemeinsamen Projekt „io“ zu arbeiten. Viele von ihnen berichten, dass „großartige Arbeit“ unter Dye nicht mehr das Leitprinzip bei Apple gewesen sei. Wer maximale Reichweite wolle, solle zu Google, Microsoft oder Meta gehen, hieß es, aber wer das beste Design in der Branche anstrebe, habe früher Apple gewählt – und tue dies inzwischen immer weniger.

Ein oft zitierter Gegensatz ist der zwischen Steve Jobs’ Einführung von Aqua im Jahr 2000 und Dyes Präsentation von Liquid Glass zur WWDC. Jobs sprach selbstverständlich über Begriffe wie „Schaltflächen“, „Schlüsselfenster“ und feine Details der Oberfläche und zeigte damit eine gemeinsame Sprache von Design und Entwicklung. Unter Dye sei dieses Verständnis verloren gegangen; die Gestaltenden haben sich eher auf Optik als auf Funktionsweise fokussiert. Ehemalige Apple-Designer:innen berichten sogar, dass in Gesprächen mit Dyes Team grundlegende Fachbegriffe wie „Schlüsselfenster“ nicht mehr verstanden worden seien.

Mit Lemay an der Spitze erwarten viele zumindest ein Ende der Negativspirale, sowohl bei der Qualität der Arbeit als auch bei der Bindung von Talenten. Er kennt die Entwicklung von den „Glanzzeiten“ unter Greg Christie und Bas Ording bis heute und verkörpert eine stärker auf Interaktion ausgerichtete Designkultur. Ob sich die Benutzeroberflächen von Apple sichtbar verbessern, bleibt abzuwarten, doch die Hoffnung ist groß.

Alan Dye wiederum könnte bei Meta durchaus Erfolg haben – nicht aufgrund herausragender Interaktionsdesign-Kompetenz, sondern, so der Tenor vieler Beobachter:innen, wegen seiner politischen Fähigkeiten. Der Weg zum Erfolg bei Meta sei traditionell weniger von Design geprägt, sondern davon, die Vorstellungen von Mark Zuckerberg umzusetzen. Dyes Wechsel bringt daher eine ungewöhnliche Situation mit sich, die eine Reaktion auf X/Twitter treffend zusammenfasste: Der durchschnittliche IQ beider Unternehmen steige gleichzeitig.

Via: https://daringfireball.net

Bildquelle LinkedIN

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Tags: Flüssiges Glas, Stephen Lemay, Apple, iOS, Design, macOS, Meta, Benutzeroberfläche, Alan Dye

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