Vor 25 Jahren hat Apple mit der Auslieferung von Mac OS X einen tiefgreifenden Neustart des Mac-Betriebssystems gewagt. Die Folgen dieses Wechsels prägen den Mac und andere Apple-Plattformen bis heute.
Ein ambitionierter Neustart mit Aqua-Oberfläche
Als Apple Mac OS X im Frühjahr 2001 veröffentlichte, stellte das Unternehmen klar, welche Bedeutung das neue System haben sollte. „Mac OS X ist die Zukunft des Mac, und wir hoffen, dass es unsere Kund:innen mit seiner unerreichten Leistungsfähigkeit und Benutzerfreundlichkeit begeistern wird“, erklärte Steve Jobs, damals Vorstandschef von Apple. Die öffentliche Beta-Version habe „unglaubliches Feedback und Unterstützung von Mac-Benutzer:innen und Entwickler:innen“ gebracht und Apple geholfen, Mac OS X „zum fortschrittlichsten Betriebssystem aller Zeiten“ zu machen.
Wer die erste Version von Mac OS X nicht selbst genutzt hat, kann sich über Screenshots ein recht gutes Bild davon machen, wie sich das System damals angefühlt hat. Im Mittelpunkt stand die neue Benutzeroberfläche Aqua, die sich deutlich vom klassischen Mac OS abhob.
Unausgereifte Oberfläche, viele Kinderkrankheiten
Die neue Optik hatte jedoch ihren Preis. Der Technikjournalist John Siracusa beschrieb in seinem damaligen Testbericht, dass die Benutzeroberfläche von Mac OS X 10.0 trotz des offiziellen Veröffentlichungsstatus noch klar erkennbar unfertig gewesen sei. Als größte Schwachpunkte nannte er die systemweit mangelhafte Reaktionsgeschwindigkeit der Oberfläche und den eingeschränkten Finder. Auch das Dock habe sich problematisch verhalten: Wer es für eine Aufgabe optimiere – etwa zum App-Wechsel, zum Starten von Programmen oder als Ersatz für das Apple-Menü – mache es damit für andere Einsatzzwecke weniger geeignet. Erfreulicherweise seien jedoch schnell Hilfsprogramme von Drittanbietern erschienen, mit denen erfahrene Benutzer:innen ihre Arbeitsumgebung anpassen konnten.
In der Gesamtbewertung kam Siracusa zu dem Schluss, dass das Nutzungserlebnis von Mac OS X weniger angenehm und weniger einfach sei als beim klassischen Mac OS. Allein Anzahl und Schwere der Fehler dürften Einsteiger:innen schnell abschrecken, besonders rund um die weiterhin notwendige klassische Umgebung. Unerfahrene Benutzer:innen sollten nicht wissen müssen, was diese klassische Umgebung ist, warum sie eingefroren ist und wie man sie wiederbelebt. Oft hätten die vorgesehenen grafischen Werkzeuge wie „Sofort beenden“ ohnehin nicht wie erwartet funktioniert, sodass nur noch der Weg ins Terminal und der Befehl „kill“ als Alternative geblieben sei.
Die träger wirkende Oberfläche sei für alle spürbar gewesen. Viele Funktionen seien so langsam gewesen, dass selbst sehr geduldige Nutzer:innen den Eindruck gehabt hätten, das System reagiere nicht – etwa beim Ändern der Größe eines Fensters in der Listenansicht. Hinzu sei das Gefühl gekommen, „jetzt geht gar nichts mehr“, insbesondere im Finder bei netzwerkbezogenen Vorgängen. Es helfe wenig, dass sich in dieser Zeit theoretisch zu einer anderen App wechseln ließ, wenn die nächste Aufgabe eigentlich im Finder erledigt werden sollte, der gerade blockiert war, weil etwa die iDisk eingebunden wurde.
Auch im Vergleich mit früheren Vorabversionen von Mac OS X habe sich das Bild laut Siracusa nicht geändert. Trotz verbesserter Stabilität und besserer Möglichkeiten für Multitasking habe Mac OS X die Benutzeroberflächen-Qualität des technisch unterlegenen Mac OS 9 noch nicht erreicht.
Reifung der Oberfläche und neues Fundament
Mit den Jahren hat sich die Benutzeroberfläche von Mac OS X weiterentwickelt, parallel dazu wuchs die Leistungsfähigkeit der Mac-Hardware. So konnten die Designer:innen von Apple ihre Ideen konsequenter umsetzen. Im Laufe der Zeit traten unterschiedliche Stilrichtungen auf: gebürstetes Metall, Leinenstrukturen, genähte Lederoptik und heute eine eher gläsern wirkende Darstellung.
Oberflächen kommen und gehen, ob gelungen oder weniger gelungen. Die eigentliche Leistung von Mac OS X lag an anderer Stelle: Das System stellte die gesamte Software-Organisation von Apple auf eine neue, solide Basis. Der Neuaufbau des Mac-Betriebssystems auf der bei NeXT entwickelten Technologie rettete nicht nur den Mac selbst, sondern legte auch den Grundstein für iOS und die weiteren Plattformen von Apple, die wir bis heute nutzen.
