Vor 20 Jahren stellte Apple den ersten Mac Pro vor – nur fünf Monate, nachdem der Rechner endgültig eingestellt wurde, jährt sich seine Premiere. Damit endet eine lange, wechselhafte Karriere von Apples Profi-Desktop.
Start als Intel-Vorzeigerechner für Profis
Am 7. August 2006 präsentierte Apple den ersten Mac Pro. Er setzte auf zwei doppelkernige 64-Bit-Xeon-Prozessoren, die laut Apple bis zu doppelt so schnell waren wie der abgelöste Power Mac G5. Mit diesem Modell schloss Apple den Übergang von PowerPC- auf Intel-Chips ab. Der Rechner bot PCI-Express-Erweiterungssteckplätze und startete bei einem Preis von 2.499 US‑Dollar (rund 2.300 Euro).
Der Mac Pro wurde schnell zur bevorzugten Maschine für Videoeditor:innen, Audioingenieur:innen und andere Kreativprofis, insbesondere für Nutzer:innen von Final Cut Studio. Apple positionierte die Schnittsoftware gezielt für diese Zielgruppe. Vier interne Laufwerksschächte, ein werkzeuglos zu öffnendes Gehäuse und PCIe-Steckplätze erleichterten die Anpassung an anspruchsvolle Arbeitslasten. In den ersten Jahren hielt Apple das Tempo bei Aktualisierungen hoch: Im April 2007 kam eine Achtkern-Konfiguration hinzu, im Januar 2008 folgte ein überarbeitetes Basismodell. Diese regelmäßigen Upgrades liefen bis 2012 – ein deutlicher Kontrast zu den langen Pausen in den späteren Jahren.
Fast zwei Jahrzehnte lang blieb der Mac Pro der professionelle Flaggschiff-Mac von Apple. Diese Position machte den Rechner zu einem Nischenprodukt, und Apples Aufmerksamkeit für die Serie war entsprechend wechselhaft.
„Papierkorb“-Design und Kurskorrektur
Das deutlichste Beispiel für diese wechselhafte Strategie lieferte Apple 2013: Der klassische Tower wich einem radikal neu gestalteten, zylinderförmigen Modell, das schnell den Spitznamen „Papierkorb“ erhielt. Im Mittelpunkt der Konstruktion stand ein zentrales „einheitliches thermisches Kernsystem“. Dieses Modell erhielt sechs Jahre lang keine Aktualisierung – eine Ewigkeit in der Computerwelt –, bevor Apple sich bei der professionellen Nutzerschaft entschuldigte und einräumte, dass das Design ein Fehler gewesen sei.
In einem Interview im Jahr 2017 sagte Craig Federighi, Apple habe sich „in eine Art thermische Sackgasse hinein konstruiert“. Der Rechner sei auf GPU-Workloads ausgelegt gewesen, die sich nicht so breit durchsetzten wie erwartet. 2019 folgte schließlich ein wieder konventioneller Tower mit acht PCIe-Steckplätzen.
Doch selbst nach dieser Kehrtwende verlor der Mac Pro weiter an Bedeutung. Der Mac Studio bot nahezu identische Leistung in einem deutlich kleineren und wesentlich günstigeren Gehäuse. Mit dem Wechsel des Mac Pro auf Apple Silicon und den M2-Ultra-Chip im Juni 2023 entfiel die Unterstützung für Zusatzkarten wie Afterburner. Damit blieb die PCIe-Erweiterung als nahezu einziges Unterscheidungsmerkmal zum Studio – ein geringer Vorteil für einen Rechner, der bei 6.999 US‑Dollar (rund 6.400 Euro) startete.
Preissprünge, Einstellung und Zukunft des Profi-Desktops
Apple stellte den Mac Pro am 26. März 2026 ein und entfernte ihn von der Website. Das Unternehmen erklärte, es gebe keine Pläne für eine Neuentwicklung und kein künftiges Modell.
Apple-Chef Tim Cook sagte, „Preiserhöhungen sind unvermeidbar“ und ergänzte, Apple habe versucht, Kund:innen vor steigenden Speicherkosten zu schützen, aber „die Situation ist unhaltbar geworden“. Er verglich die Knappheit mit einer „Hundertjahresflut“ und erklärte, er habe „in über 40 Jahren in keinem Bereich je etwas Vergleichbares gesehen“.
Eine ähnliche Steigerung von rund 33 Prozent wie beim Mac Studio mit M3 Ultra hätte den Einstiegspreis des Mac Pro von 6.999 US‑Dollar (rund 6.400 Euro) auf über 9.300 US‑Dollar (rund 8.500 Euro) getrieben – ohne zusätzliche RAM-, Speicher- oder GPU-Kerne. Zu diesem Preis wäre ein ohnehin schon selten verkauftes Nischenprodukt wohl kaum attraktiver geworden.
Mit dem Aus für den Mac Pro ist der Mac Studio nun Apples leistungsstärkster Desktop, auch wenn ihm die internen PCIe-Steckplätze des Towers fehlen. Beim nächsten Mac-Studio-Update wird die Integration des M4-Ultra-Chips erwartet.
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