Es war das öffentlichste Geheimnis seit vielen Jahren: Apple beendet die heutige Keynote mit dem iPhone Duo, dem ersten faltbaren iPhone. Beim Namen lagen die Gerüchte daneben. Statt Ultra greift Apple zu Duo – einem Namen, den Microsoft für sein Surface Duo bereits verbraucht hat.
Damit endet eine Wartezeit, die je nach Zählweise sieben oder acht Jahre gedauert hat. Schon 2023 haben wir über ein faltbares iPhone berichtet, und seither hat sich das Thema im Halbjahresrhythmus wiederholt: neue Zulieferer, neue Termine, neue Verschiebungen. Noch im Juli hieß es, die Produktion stecke weiterhin fest. Ternus kündigte es am Ende der Keynote mit dem alten Zauberwort an: One more thing.
Die alte Garde trägt den großen Moment
Bemerkenswert ist, wer das Gerät vorstellen darf. Ternus reicht nach der Ankündigung an Marketingchef Greg Joswiak weiter, der übergibt für die Software an Craig Federighi, und der wiederum an Johny Srouji, seit 2015 Apples Chef für Chipentwicklung. Drei Gesichter aus der Ära Cook, alle drei seit Jahren auf jeder Keynote. Cook selbst sitzt im Publikum, dazu Eddy Cue, Sabih Khan und der frühere Hardwarechef Dan Riccio.
Für den ersten Auftritt eines neuen Konzernchefs ist das eine bewusste Entscheidung. Ternus hätte diesen Moment allein tragen können, immerhin ist das faltbare iPhone die erste neue Bauform seit dem iPhone X von 2017. Stattdessen stellt er die vertraute Mannschaft neben sich. Wer die Personalie im Juli verfolgt hat, erkennt das Muster wieder: Kontinuität statt Bruch, auch in der Inszenierung.
Zwei Displays, Touch ID kehrt zurück
Aufgeklappt misst das Innendisplay 7,6 Zoll, außen sind es 5,4 Zoll. Joswiak rechnete das Außendisplay in eine anschauliche Zahl um: Es bietet 90 Prozent der Bildschirmfläche eines iPhone 18 Pro. Beide Bildschirme arbeiten mit demselben Seitenverhältnis von 1,4, was den Wechsel zwischen zu und auf erst flüssig macht. Die FaceTime-Kamera sitzt unter dem Display. Aufgeklappt ist das Duo laut Apple das dünnste iPhone überhaupt, auf der Rückseite findet sich das Kameraplateau im Stil des iPhone Air.
Entsperrt wird per Touch ID, das im Seitenschalter sitzt. Nach Jahren, in denen Face ID als der einzig richtige Weg galt, klingt Joswiaks Begründung fast wie ein Rückzieher: Der Fingerabdruck im Knopf sei bequem und sicher zugleich. Für ein Gerät, das ständig die Blickachse wechselt, ergibt das allerdings Sinn. Alternativ entsperrt ihr das Duo mit eurer Apple Watch, wie jedes andere iPhone auch. Das Gehäuse besteht aus Titan der Güteklasse 5, die Lautsprecher sitzen an Ober- und Unterkante. Zur Auswahl stehen zwei Farben, Star White und Night Sky. Der Apple Pencil funktioniert auf beiden Bildschirmen, allerdings erst später im Jahr.
Die Falte: Apples eigentliche Hausaufgabe
Apple kommt als Letzter in eine Kategorie, die Samsung 2019 eröffnet hat. Der Preis dafür ist, dass jeder Vergleich sofort gezogen wird. Der Vorteil ist, dass die Schwachstellen der Konkurrenz seit Jahren bekannt sind, und die auffälligste davon ist die sichtbare Knickfalte im aufgeklappten Display.
Srouji geht das Problem von der Oberfläche her an. Apple hat für das Duo eine eigene Nanotextur entwickelt, die Blendungen und Spiegelungen deutlich reduziert und eine wahrnehmbar flache, matte Fläche erzeugt. Genau darüber verschwindet die Falte optisch, weil es die Reflexion an der Knickkante ist, die sie sichtbar macht. Beim Scharnier setzt Apple auf eine zentrale Strukturebene mit Verstärkungsrippen, die Antennentrennungen sind mit Einsätzen aus Keramikfasern verstärkt. Die sollen dreimal so fest sein wie Titan der Güteklasse 5. In der Fertigung ordnet Apple per KI-Algorithmus jedem einzelnen Scharnier das passende Gehäuse zu, damit die Ausrichtung stimmt.
Ehrlich bleiben muss man trotzdem: Auch die aktuellen Geräte von Samsung und Google zeigen inzwischen nur noch eine flache Kante. Die spannendere Frage beantwortet keine Keynote, sondern der Alltag. Wie tief ist diese Falte nach zwei Jahren im Hosentaschenbetrieb?
Die Software macht den Unterschied
Federighis Abschnitt war der eigentlich interessante. Apple hat sämtliche eigenen Apps für das Duo überarbeitet. Ihr könnt Apps von einer Seite auf die andere schieben, den Bildschirm teilen, Ansichten duplizieren und zwei Apps zu einem Paar verbinden, um später schnell dorthin zurückzukehren. Die zentralen iOS-27-Bedienelemente wandern an den Rand des Bildschirms und bleiben beim Wechsel zwischen den Displays an Ort und Stelle. Das Dock steht senkrecht.
Interessanter als das Aufgeklappte ist das Halbaufgeklappte. iOS erkennt den Winkel und schiebt Inhalte aus dem Bereich der Falte heraus. Im Zeltmodus wird das Duo zum Nachttischwecker, in der Laptophaltung könnt ihr ein Video oben anpinnen und darunter den Gruppenchat offen halten. Netflix verwandelt das Außendisplay in eine hochkant scrollende Ansicht, Zoom und Slack teilen sich das Innendisplay auf. Ob das trägt, entscheiden allerdings nicht Apples eigene Apps, sondern die Entwickler:innen. Genau daran ist die Android-Konkurrenz bisher gescheitert.
Zwei Kameras, kein Tele
Auf der Rückseite sitzt ein Dual-Fusion-System mit 48 Megapixeln, bestehend aus Haupt- und Ultraweitwinkelkamera. Ein Teleobjektiv gibt es nicht. Für ein Gerät in dieser Preisklasse ist das die auffälligste Lücke im Datenblatt, und sie hat einen banalen Grund: Im aufgeklappten Zustand bleibt schlicht keine Bautiefe für ein Periskop. Wer zum iPhone 18 Pro Max greift, bekommt für deutlich weniger Geld die bessere Kamera. Das Duo verkauft seine Fläche, nicht seine Optik.
Die Bauform bringt dafür Dinge mit, die ein normales iPhone nicht kann. Das Außendisplay zeigt euren Motiven die Vorschau, sodass sie sich beim Fotografieren selbst sehen. Für Kinder blendet Apple dort eine Animation ein, die den Blick einfängt. Bei FaceTime lassen sich per Dual Capture euer Gesicht und das, worauf ihr schaut, gleichzeitig übertragen. Angetrieben wird das Ganze vom A20 Pro, demselben Chip, der auch im iPhone 18 Pro steckt.
Preis und Verfügbarkeit
Das iPhone Duo startet bei 1.999 US-Dollar, die Speicherausstattung reicht von 256 Gigabyte bis zu 2 Terabyte. Vorbestellungen laufen ab dem 16. Oktober, im Handel steht das Gerät ab dem 23. Oktober. Es kommt damit gut fünf Wochen nach dem iPhone 18 Pro, ganz ähnlich wie damals das iPhone X. Zubehör gibt es auch, unter anderem ein Folio mit Aufsteller.
Ob das Duo zum Start auch nach Europa kommt, hat Apple auf der Bühne nicht gesagt. Im August gab es Berichte über einen zunächst auf die USA beschränkten Verkauf, und solange Apple die Startmärkte nicht nennt, bleibt das die offene Frage für uns hier.
Bleibt die Einordnung. Faltbare Geräte machen laut IDC in diesem Jahr rund 2,2 Prozent aller verkauften Smartphones aus, bis 2030 sollen es 3,3 Prozent werden. Apple steigt also in eine Nische ein, und zwar mit dem teuersten iPhone, das je gebaut wurde. Genau so hat die Sache mit dem iPhone X 2017 auch angefangen.
Update (21:00 Uhr): Auch für das iPhone Duo stehen die deutschen Preise. Los geht es bei 2.299 Euro mit 256 Gigabyte, danach folgen 2.549 Euro für 512 Gigabyte und 3.049 Euro für 1 Terabyte. Die Vollausstattung mit 2 Terabyte kostet 3.799 Euro. Damit ist das Duo mit Abstand das teuerste iPhone, das Apple je verkauft hat. Und die offene Frage von vorhin ist beantwortet: Deutschland gehört zu den über 70 Startmärkten am 23. Oktober.
