Umstrukturierung bei Vision Pro: Gaming-Team fast aufgelöst
Mehrere Berichte, unter anderem von Bloomberg, sprechen übereinstimmend von über 200 gestrichenen Jobs. Rund 100 Stellen entfallen auf die Vision-Pro-Organisation, weitere etwa 100 auf Siri und angrenzende Software-Teams. Besonders hart trifft es den Gaming-Bereich des Headsets: Das auf Spiele fokussierte Vision-Pro-Team wird weitgehend geschlossen, außerdem verkleinert Apple die Gruppe, die immersive Videoinhalte für das Gerät produziert.
Apple begründet die Schritte damit, dass man die Prioritäten an das tatsächliche Nutzungsverhalten der Kund:innen anpasse. Immersive Videos verursachen demnach sehr hohe Kosten, während die aktive Nutzerschaft des Headsets vergleichsweise klein bleibt. Laut den Berichten kann eine Folge einer immersiven Serie mehrere Millionen Dollar (mehrere Millionen Euro) in der Produktion kosten und erfordert mehrere Teams aus Angestellten und externen Dienstleister:innen.
Trotz der Kürzungen hält Apple an Vision Pro und dem Betriebssystem visionOS fest. Mitarbeiter:innen wurde demnach gesagt, dass weder das Produkt noch die Plattform eingestellt werden. Ein neues Vision-Pro-Modell sei weiterhin in Planung und werde intern für frühestens Ende 2028 diskutiert.
Weniger eigene Inhalte, Fokus auf Dritthersteller und neue Produkte
Als Konsequenz der hohen Produktionskosten will Apple künftig weniger eigene immersive Videos erstellen und stattdessen stärker auf 3D-Inhalte von Dritthersteller:innen setzen. Das Unternehmen hatte bereits zuvor mit steigenden Produktionskosten insgesamt zu kämpfen, unter anderem durch höhere Speicherpreise im Zuge des KI-Ausbaus. In diesem Zusammenhang erhöhte Apple die Preise für Macs und iPads und führte ein Leasing-Modell für große Hardware-Produktreihen ein, um zusätzliche Kund:innen zu erreichen und steigende Kosten abzufedern.
Die Vision-Pro-Brille, die Anfang 2024 als großer Einstieg in das sogenannte räumliche Rechnen gestartet war und in den USA 3.499 US-Dollar (rund 3.200 Euro) beziehungsweise 3.699 US-Dollar (rund 3.400 Euro) kostet, blieb offenbar hinter den Erwartungen zurück. Gleichzeitig verschiebt Apple den Schwerpunkt im Bereich Wearables: Berichten zufolge testet das Unternehmen derzeit vier Gestellvarianten für eigene smarte Brillen, die weder immersive Videos noch aufwendiges 3D-Gaming unterstützen sollen. Diese Brillen sollen demnach frühestens 2027 vorgestellt und im selben Jahr auf den Markt gebracht werden.
Siri im Umbau: Stellenabbau und neue Rollen
Auch beim Sprachassistenten Siri kommt es zu größeren Änderungen. Etwa 100 Stellen in den Siri- und Software-Teams entfallen, gleichzeitig schafft Apple neue Rollen. Grund ist eine technische Neuausrichtung: Siri wird auf eine neue Architektur mit KI-Funktionen umgestellt, was andere Kompetenzen erfordert. Auf der Entwicklerkonferenz WWDC stellte Apple eine überarbeitete, KI-gestützte Version von Siri vor, die noch in diesem Jahr als öffentliche Betaversion erscheinen soll.
In einer Stellungnahme gegenüber Bloomberg erklärte Apple, man wolle das Geschäft „weiterentwickeln, um die besten Erlebnisse für unsere Benutzer:innen zu liefern“. Ein Teil der bestehenden Positionen falle weg, gleichzeitig entstünden neue Aufgaben. Betroffene Mitarbeiter:innen sollen die Möglichkeit erhalten, sich intern auf andere Stellen zu bewerben. Apple betonte zudem, man sei dankbar für die Beiträge der entlassenen Teammitglieder und wolle sie beim Übergang unterstützen.
Die aktuellen Maßnahmen finden in einer Phase statt, in der Apple seine Position im Bereich Künstliche Intelligenz neu sortiert und sich mit zusätzlichen Herausforderungen wie höheren Hardwarekosten und einem laufenden Rechtsstreit mit OpenAI wegen angeblichen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen auseinandersetzt.