Im Zuge wachsender regulatorischer Anforderungen durch die EU sieht sich Apple gezwungen, seine Richtlinien für den App Store zu überarbeiten. Das Ziel ist die Einhaltung des Digital Markets Act (DMA). Besonders in den Blick rückt dabei die Gebührenstruktur für Entwickler:innen im europäischen Markt. Viele von Euch, die als Entwickler:innen, Unternehmen oder interessierte Nutzer:innen agieren, fragen sich: Was ändert sich konkret? Der Beitrag liefert einen präzisen Überblick über die aktuellen Anpassungen und deren Bedeutung.
Neuausrichtung der Kommunikationsregeln im App Store
Apple musste als Reaktion auf frühere Geldstrafen der EU seine sogenannten Anti-Steering-Regeln lockern. Entwickler:innen in Europa dürfen nun problemlos auf Alternativen zur Zahlung außerhalb des App Stores aufmerksam machen. Das betrifft nicht nur Links auf Websites, sondern auch Hinweise über andere App-Marktplätze, Fremdanwendungen oder direktem Webzugriff. Früher notwendige Warnhinweise oder bestimmte Textvorgaben entfallen, was die Kommunikation freier gestaltet. Nutzer:innen und Entwickler:innen profitieren so von größerer Transparenz und Wahlfreiheit bei Zahlungswegen für Abonnements oder In-App-Käufe. Dabei muss keine gesonderte Anpassung an spezielle Bildschirmtexte mehr erfolgen.
Umgestaltung des Gebührenmodells im EU-App-Store
Anstelle der bisherigen Kerntechnologiepauschale (Core Technology Fee, CTF) implementiert Apple nun ein gestaffeltes und komplexeres Gebührenmodell. Zunächst entsteht für Entwickler:innen eine Akquisitionsgebühr von 2 %. Die darüber hinaus anfallende Store-Service-Gebühr variiert je nach gewähltem Modell zwischen 5 % und 13 %. Mitglieder:innen des Small Business Programms zahlen reduzierte 10 %. Die angebotenen Service-Tiers bestimmen, welche zusätzlichen Dienstleistungen – wie App-Review, Marketing-Tools oder automatische App-Updates – in Anspruch genommen werden können. Wer alternative Zahlwege im Rahmen der StoreKit External Purchase Link Entitlement (EU) einsetzt, wird künftig mit einer Core Technology Commission (CTC) belastet. Diese ersetzt mittelfristig die bestehende CTF.
Wirtschaftliche Auswirkungen und kritische Stimmen aus der Branche
Vor dem Inkrafttreten der Neuerungen zahlten Entwickler:innen in der EU 0,50 Euro je App-Installation ab einer Million Downloads pro Jahr. Diese Regelung bleibt für alternative Geschäftskonditionen bestehen. Wer weiterhin Standard-Bedingungen nutzt, unterliegt bald einer fünfprozentigen CTC. Der vollständige Umstieg auf das neue Modell erfolgt bis Januar 2026. Apple betont, dass die neuen Gebühren die fortlaufenden Investitionen in digitale Infrastrukturen und Tools für Entwickler:innen widerspiegeln sollen. Die Branche begegnet diesem Schritt teils kritisch. So bezeichnet Epic Games CEO Tim Sweeney die Maßnahmen Apples als bewusst komplizierte Einhaltungspflicht, die den Wettbewerb deutlich einschränke. Der Konflikt zeigt, dass die Debatte um faire Bedingungen im digitalen Ökosystem weitergeführt werden muss.