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Editor’s BlogNewsPro und Contra

Ferrari Luce – nicht nur eine optische Enttäuschung

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Der Ferrari Luce spaltet: Technisch liefert Maranello ein beeindruckendes Meisterwerk mit über 1.050 PS, 530 Kilometer Reichweite und fünf hochkarätigen Patenten – doch das Äußere lässt kalt, ist seelenlos hässlich.

Der Ferrari Luce ist da. Zum Pfingstwochenende wurde in Rom der erste vollelektrische Ferrari der Geschichte der Welt präsentiert – und die Reaktionen sind so gespalten wie selten bei einem neuen Modell aus Maranello. Einerseits staunen Ingenieure über die technische Brillanz, die in diesem Fahrzeug steckt. Andererseits kratzen sich viele Enthusiasten am Kopf und fragen sich: Ist das wirklich Ferrari? Ich habe mir den Luce genau angesehen – und komme zu einem ernüchternden Urteil, das nichts mit der Technik, aber alles mit dem Aussehen zu tun hat.

Wenn Maranello Cupertino trifft

Ferrari hat für das Design des Luce einen vermeintlich innovativen Weg eingeschlagen. Statt das hauseigene Centro Stile allein ans Werk zu lassen, holte man sich LoveFrom an Bord – das Designstudio von Jony Ive und Marc Newson, den ehemaligen Apple-Chefdesignern. Ive ist der Mann, der den iMac G3, den iPod und das iPhone geprägt hat. Seine Handschrift ist unverkennbar: klare Flächen, keine Aggression, eine organisch-minimalistische Formensprache, die Geräte aus Cupertino ikonisch gemacht hat. Was auf einem Smartphone oder einem Laptop funktioniert, landet beim Ferrari Luce allerdings mit einem dumpfen, gar plumpen Geräusch auf dem Asphalt.

Das Ergebnis ist ein Fahrzeug, das man als „zurückhaltend“ bezeichnen könnte, wenn man sehr freundlich sein will. Die dezente Seitenlinie, das sogenannte „Glass House“ – eine gläsern wirkende Kabinenkapsel, die sich weit nach unten zieht – und die fehlenden Spoiler und Lufteinlässe wirken puristisch. Wer aber einen Ferrari kauft, sucht kein Purismus-Statement. Man sucht Seele, Emotion, Sehnsucht, Herzrasen. Und genau das fehlt dem Luce von der ersten Sekunde an.

Erinnert man sich an Apples Car Projekt, könnte der Luce weitgehend Jony Ives Entwürfen für ein Apple Car entsprechen. Als solches, ein Tech Hypercar aus dem Silicon Valley kann das Design gefallen. Vielleicht sind die kalifornischen und chinesischen Tech-Millionäre ja auch die Zielgruppe, die Ferrari adressiert.

Ein Elektro-Ferrari mit beachtlicher Technik

Bevor ich die Designmangel weiter seziere, gebührt der Technik ein ehrliches Lob – denn hier hat Ferrari wirklich ordentliches geleistet. Der Luce fährt mit vier permanentmagneterregten Synchronmotoren, je einem pro Rad. Die Aggregate stammen direkt vom Hypercar F80 ab, arbeiten mit einer 800-Volt-Architektur und leisten zusammen 772 kW – das sind über 1.050 PS. Der Sprint von null auf hundert gelingt in 2,5 Sekunden, auf 200 km/h braucht der Luce gerade einmal 6,8 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei über 310 km/h.

Vergessen wir darüber nicht, dass Xiaomi SU7 Ultra 1548 PS bietet und Tempo 100 in nur 1,98 Sekunden erreicht. Das wird Ferrari nicht schmecken. Auch die Höchstgeschwindigkeit des Chinesen liegt bei 350 km/h.

Das Leergewicht von 2.260 Kilogramm klingt zunächst nach viel, relativiert sich aber sofort, wenn man bedenkt, dass hier eine 122-kWh-Batterie und fünf Sitzplätze untergebracht sind. Ferrari hat sogar dafür gesorgt, dass der Schwerpunkt 95 Millimeter tiefer liegt als beim Purosangue – der Luce soll sich dadurch fahrdynamisch wie ein rund 400 Kilogramm leichteres Fahrzeug verhalten. Das vollständige Torque Vectoring, die Hinterachslenkung und das aktive Fahrwerk, das 500-mal pro Sekunde seine Regelparameter aktualisiert, tun ihr Übriges. Für mehr als 60 neue Patente hat Ferrari in diesem Projekt geblutet. Das merkt man.

Reichweite, Laden und Langlebigkeit

Auch beim Thema Alltagstauglichkeit hat Ferrari sorgfältig gearbeitet. Die angegebene Reichweite von über 530 Kilometern ist solide – nicht rekordverdächtig, aber für ein Fahrzeug dieser Leistungsklasse mehr als beachtlich. Mit einer maximalen Ladeleistung von 350 kW lassen sich in 20 Minuten rund 70 kWh nachladen. Wer kennt Ferraris Argument für die modulare Batterie? Die Zellen sind nicht in einer Cell-to-Pack-Konstruktion verbaut, sondern modular aufgebaut, damit bei einem Defekt einzelne Module getauscht werden können. Ferrari verweist stolz darauf, dass noch rund 90 Prozent aller seit 1947 produzierten Modelle fahrbereit sind – der Luce soll da keine Ausnahme sein. Das ist ein Statement. Nach acht Jahren garantiert Ferrari mindestens 80 Prozent Kapazität. Das ist kein Elektro-Wegwerfprodukt, das soll ein Sammlerstück mit Zukunft sein.

Das Interieur: Hier zeigt sich Apple von seiner besten Seite

Im Innenraum funktioniert die Apple-DNA des Luce deutlich besser als außen. Statt eines einzigen riesigen Touchscreens kombiniert Ferrari physische Tasten, Drehregler, Kippschalter und OLED-Displays zu einem durchdachten Bedienkonzept. Das Lenkrad besteht aus Leichtmetall, ist mit Leder bezogen und bewegt sich gemeinsam mit dem Kombiinstrument – ein Kniff, der gleichzeitig klassisch und modern wirkt. Der zentrale Tacho zeigt einen analogen Zeiger vor einem digitalen Hintergrund. Das ist Ferrari-Romantik im digitalen Zeitalter, und das passt. Sehr gut und schön sogar!

Die Schaltwippen simulieren einen Schaltvorgang beim Beschleunigen, was dem Fahrerlebnis eine emotionale Schicht zurückgibt, die ein reines Automatik-EV vermissen lässt. Ein schwenkbares Tablet in der Mittelkonsole, ein E-Ink-Schlüssel mit Start-Zeremonie, ein Launchmodus, der per Griff im Dachhimmel aktiviert wird – all das ist durchdacht, verspielt und luxuriös. Hier ist die Handschrift der Jony-Ive-Schule eine echte Bereicherung. Das Interieur greift Ferraris luxuriöse Designsprache modern und digital auf, ohne die DNA des Hauses zu verleugnen. Respekt.

Das Exterieur: Gesichtslos wie ein Flughafen-Mietwagen

Und dann ist da das Äußere. Ehrlich gesagt: Schaut man sich den Ferrari Luce von außen an, könnte er von jedem beliebigen chinesischen Elektroauto-Startup stammen. Die Proportionen wirken plump, die Linienführung bieder. Keine Aggression, keine Sehnsucht, keine Spannung. Der Luce ist über fünf Meter lang und 1,544 Meter hoch – er ist, nüchtern betrachtet, ein viertüriges Hochleistungs-Coupé mit Schmetterlingstüren und riesigen 23- und 24-Zoll-Rädern. Die Räder sind das Auffälligste an der ganzen Karosserie, und das sagt eigentlich schon alles.

Zum Vergleich: Xiaomi hat mit dem YU7 ungeniert beim Ferrari Purosangue abgekupfert. Ja, das ist frech. Ja, das ist eine Designkopie. Aber – und das ist das Beschämende – der Xiaomi YU7 sieht dabei begehrenswerter aus als ein originaler Ferrari Luce. Der Chinese hat Flanken mit Charakter, eine Front mit Biss, eine Dachlinie, die Fahrdynamik suggeriert. Er kostet umgerechnet rund 38.000 Euro. Der Ferrari Luce wird für mehr als 550.000 Euro angeboten. Und der Xiaomi macht optisch das bessere Auto. Das sollte Maranello zutiefst beschämen.

Allein das Heck wirkt wie ein Gartenlaubentresen in Bochums Dahlhauser Heide.

Wenn 550.000 Euro nicht nach Ferrari aussehen

Was macht einen Ferrari aus? Es ist nicht nur die Leistung. Es ist nicht nur der Preis. Es ist dieses ungreifbare Etwas, das einen dazu bringt, mitten in der Stadt den Kopf zu drehen, wenn ein cavallino rampante geadeltes Fahrzeug vorbeifährt. Dieses Etwas aus Herz und Leidenschaft hat der Ferrari 488 GTB. Das hat der SF90 Stradale. Sogar der Purosangue – das erste SUV der Marke, das ebenfalls für erhitzte Gemüter gesorgt hat – weckt Emotionen. Der Luce steht in der Ecke und langweilt Augen und Herz.

Die Börse hat das bereits gespürt. Als im vergangenen Oktober die ersten technischen Details bekannt wurden, verlor die Ferrari-Aktie mehr als ein Fünftel ihres Werts. Dieser Tage nach Präsentation des Luce ad hoc sechs Prozent. Das ist kein technisches Misstrauensvotum – die Daten überzeugten damals schon. Es ist ein emotionales Misstrauensvotum. Das Kapital hat verstanden, was viele Fans fühlen: Dieser Ferrari sieht nicht nach Ferrari aus. Dabei war der Mut zu einem Elektroauto nicht das Problem. Das Problem ist, dass man mit dem Mut, neue Wege zu beschreiten, offenbar auch den Esprit verloren hat, dabei wirklich sexy auszusehen.

Technische Vollendung ohne Seele

Der Ferrari Luce ist kein schlechtes Auto. Er ist in vielerlei Hinsicht ein beeindruckendes Ingenieurswerk, das zeigt, was Ferrari kann, wenn man das Haus zwingt, über den eigenen Schatten zu springen. Die Technik ist makellos, das Interieur ist eine gelungene Fusion aus Ferrari-Tradition und Apple-Minimalismus, und das Fahrversprechen liest sich auf dem Papier überzeugend. Aber ein Ferrari, der einen unberührt lässt, der keinen Puls erzeugt, der keine Sehnsucht weckt – das ist kein Ferrari. Das ist ein sehr teures Elektroauto mit Pferdchen-Emblem.

Allein das Heck wirkt wie Gartenlaubentresen in Bochums Dahlhauser Heide.

Jony Ive hat großartige Dinge geschaffen. Er hat Apple mitgeprägt und Generationen von Produkten ikonisch gemacht. Aber ein Ferrari ist kein iPhone. Er ist keine Skulptur, die still auf einem Regal steht. Er ist Leidenschaft in Blech. Und die Leidenschaft sucht man beim Luce vergebens – von außen jedenfalls. Ferrari-Chef Benedetto Vigna spricht davon, neue Kundenkreise erschließen zu wollen. Das mag gelingen. Aber die alten – die, die bei jedem Zwölfzylinder-Aufheulen eine Gänsehaut bekommen – werden diesen Luce links liegen lassen. Und das ist schade. Denn innen steckt echter Ferrari.

Ich bezweifle ob das Interieur über eine Toyotas Weltauto Einfallslosigkeit hinwegträgt.

Bilder Ferrari

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Tags: Elektrosportwagen, Ferrari 2026, Xiaomi YU7, LoveFrom Design, Jony Ive, Ferrari Preis, Elektroauto, Reichweite, Ferrari Luce, Ferrari EV, Design Kritik

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