In meinen UGREEN Nexode Air 65W ausprobiert Test nehme ich das derzeit wohl kleinste 65-Watt-Netzteil unter die Lupe. Ich zeige, ob der winzige GaN-Stecker das klobige MacBook-Ladegerät im Alltag wirklich ersetzen kann oder ob ihr für das minimalistische Design Kompromisse eingehen müsst.
Bevor wir in die Fakten einsteigen, lassen wir das Produkt erst einmal auf uns wirken. Der Trend geht schon länger zu immer kleineren Netzteilen, doch was uns hier präsentiert wird, verschiebt die Maßstäbe. Wer viel reist oder einfach gerne mit extrem leichtem Gepäck unterwegs ist, wird diesen Formfaktor zu schätzen wissen. Keine dicken Blöcke mehr an der Steckdosenleiste, keine blockierten Nachbardosen. Stattdessen ein Design-Statement, das sich nahtlos ins Ökosystem einfügt. Doch Design ist nicht alles, gerade bei Stromversorgern geht es um Sicherheit und Leistung. Beides verspricht der Hersteller in einem Gehäuse, das man glatt in der Hosentasche vergessen könnte.
Auch optisch hat sich der Hersteller Gedanken gemacht. Statt des üblichen Einheitsbreis aus billigem Plastik erwartet uns ein hochwertiges Finish. Die Seiten sind matt gehalten, was Fingerabdrücke effektiv verhindert. Der untere Teil ist mit einer dezenten Riffelung versehen, die beim Herausziehen aus strammen Steckdosen hilft.
Die Vorderseite rund um den einzelnen USB-C-Port ziert eine transparente, glasähnliche Blende, die dem Ganzen einen edlen, fast Apple-typischen Look verleiht. UGREEN bietet den Charger übrigens in vier Farben an: Space Grau, Starlight Blau, Cosmic Orange und Lunar Weiß. Da ist für jeden iPhone-Farbton etwas dabei.
Besonders erfreulich ist, dass es sich hier um ein Set handelt. In der Box liegt ein ein Meter langes, geflochtenes USB-C-auf-USB-C-Kabel bei, das farblich auf das Netzteil abgestimmt ist. Das Kabel ist bis 100 Watt zertifiziert – hier drosselt nichts die Leistung. Oftmals wird bei Zubehör gespart, aber dieses Kabel fühlt sich langlebig und flexibel an.
Kommen wir zu den nackten Zahlen, denn am Ende des Tages muss so ein Stecker unsere Akkus füllen. Das Geheimnis hinter der massiven Schrumpfkur nennt sich GaN-Infinity-Technologie. Durch den Einsatz von Galliumnitrid anstelle von klassischem Silizium arbeiten die integrierten Hochfrequenz-Transistoren weitaus effizienter. UGREEN gibt eine Energieumwandlungsrate von bis zu 93 Prozent an. Das bedeutet, dass beim Laden wenig Energie in Form von Abwärme verloren geht – ein Faktor, um ein solch winziges Gehäuse bei 65 Watt überhaupt realisieren zu können, ohne dass es unter der Last wegschmilzt.
Das Nexode Air akzeptiert Eingangsspannungen von 100 bis 240 Volt (50/60 Hz), ist also der perfekte Begleiter für Weltreisende. Am einzigen USB-C-Port werden diverse Ladeprotokolle unterstützt, darunter Power Delivery (PD) 3.0 mit bis zu 65 Watt, PPS (Programmable Power Supply) für feingetuntes Laden, sowie Quick Charge (QC) der Generationen 2 bis 4.
Wenn wir uns die Ausgangsleistungen ansehen, liefert das Netzteil bei 20 Volt starke 3,25 Ampere, was genau den versprochenen 65 Watt entspricht. Die Restwelligkeit der Spannung (Ripple) bleibt bei den Messungen erfreulich niedrig und liegt konstant unter einem Prozent. Das ist ein Indikator für hochwertige Kondensatoren im Inneren und schont die Ladeelektronik eures MacBooks oder iPads auf lange Sicht.
Ein iPhone 17 Pro, ein aktuelles iPad Air oder das MacBook Air M2/M3 ziehen sich genau die maximale Leistung, die sie vertragen. Ein internes Thermal-Guard-System überwacht dabei kontinuierlich die Temperaturen, um sowohl das Netzteil als auch die angeschlossenen Endgeräte vor Überhitzung, Überspannung und Kurzschlüssen zu bewahren.
Genug der Theorie, wie schlägt sich der Knirps in der Praxis? Ich habe das UGREEN Nexode Air 65W in den letzten Wochen zu meinem daily driver gemacht. Morgens das iPhone, tagsüber im Café das MacBook und abends vielleicht noch das iPad oder die AirPods. Die Ladezeiten sind exzellent. Ein leeres MacBook pusht der Charger in 30 Minuten von 0 auf satte 65 Prozent. Das ist genau das Niveau des originalen, aber ungleich größeren Apple-Netzteils. Auch beim iPhone sind Sprünge von 20 auf 80 Prozent in knapp über einer halben Stunde kein Problem.
Das Setup ist herrlich minimalistisch. Man wirft den kleinen Würfel samt Kabel in den Rucksack und hat für fast jedes mobile Szenario ausgesorgt. Besonders an engen Steckdosen im ICE oder in überfüllten Mehrfachsteckdosen am Flughafen spielt das Nexode Air seine Bauform aus – es blockiert schlichtweg keine benachbarten Anschlüsse.
Natürlich wollte ich wissen, was passiert, wenn man das Netzteil wirklich quält. Eine Stunde lang konstant 65 Watt unter künstlicher Volllast abzurufen, ist für ein derart kleines Gerät eine echte Tortur. Die gute Nachricht: Das Nexode Air drosselt die Leistung nicht und schaltet sich auch nicht unerwartet ab. Es liefert seine 65 Watt stabil ab.
Die Kehrseite der Medaille: Wo so viel Leistung in so wenig Volumen komprimiert wird, entsteht trotz 93 Prozent Effizienz eine spürbare Abwärme. Das Gehäuse wird unter Volllast merklich heiß. An der Oberfläche können nach einer Stunde punktuell gut um die 80 Grad Celsius auftreten. Man verbrennt sich zwar nicht die Finger, aber man sollte den Stecker nach einer Laptop-Ladesession nicht sofort in die enge Hosentasche stecken. Wichtig : Beim Laden eines iPhones oder iPads wird das Netzteil nur leicht warm. Die hohen Temperaturen entstehen wirklich nur, wenn man das Maximum über längere Zeit ausreizt.
Bei all dem Lob müssen wir auch einen kritischen Blick auf das Konzept werfen. Der offensichtlichste Haken ist der einzelne Port. In einer Welt, in der wir oft Apple Watch, iPhone und vielleicht noch AirPods zeitgleich auf dem Nachttisch laden wollen, ist ein Single-Port-Netzteil eine Limitierung. Das Nexode Air verlangt eine bewusste Entscheidung für ein Minimal-Setup: Ein Gerät zur Zeit. Wer Multitasking am Stromnetz sucht, ist hier falsch.
Das bringt mich zu einem weiteren Kritikpunkt, der paradoxerweise auch von UGREEN kommt: Der Preis-Leistungs-Faktor im eigenen Portfolio. Für dieses Single-Port-Netzteil zahlt man regulär knapp 40 Euro, aktuell bei Amazon nur 24,99 Euro. UGREENs hauseigenes Nexode 65W Ladegerät mit gleich drei Anschlüssen (zwei USB-C, einmal USB-A) ist im Angebot oft zu ähnlichen Preisen zu haben. Letzteres ist zwar etwas größer, bietet aber für den Durchschnitts-User einen Mehrwert an Flexibilität. Hier zahlt man beim Air-Modell einen Premium-Aufschlag für den Formfaktor.
Das UGREEN Nexode Air 65W GaN Fast Charger Set ist ein faszinierendes Stück Technik. Es zeigt eindrucksvoll, was mit modernen Halbleitern möglich ist und lässt die alten, klobigen Standard-Netzteile wie Relikte aus der Vergangenheit wirken. Die Verarbeitung ist erstklassig, das Design ein echter Hingucker und das beiliegende, farblich passende Kabel ein willkommener Bonus. Die Leistung ist über jeden Zweifel erhaben und lädt vom iPhone bis zum MacBook alles schnell und zuverlässig auf.
Trotzdem ist es kein Produkt für alle Anwendende. Wer den besten Gegenwert für sein Geld sucht und mehrere Geräte gleichzeitig laden will, greift besser zu den unwesentlich größeren Multi-Port-Modellen des Herstellers.
Wer hingegen den Minimalismus liebt, viel auf Reisen ist und das kompakteste 65-Watt-Setup auf dem Markt sucht, das in jede noch so kleine Tasche passt, wird hier definitiv fündig.
Das Nexode Air ist ein kompromissloser Spezialist – und in genau dieser Nische ist es aktuell kaum zu schlagen.
Das UGREEN Nexode Air 65W wurde uns von UGREEN für diesen Test zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an den Hersteller.
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Bilder Autor und Ugreen
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