Narwal hat beim Nachfolger des überzeugenden Narwal Flow an den entscheidenden Stellschrauben gedreht – schärfere Navigation, heißeres Wasser, ein reiferes Gesamtpaket.
Wer meinen Test des Narwal Flow kennt, weiß, dass mich das Grundkonzept damals wirklich überzeugt hat. Statt rotierender Wischmopps setzt Narwal auf eine Wischwalze. Diese wird kontinuierlich mit Frischwasser versorgt , nimmt Schmutzwasser sofort auf und leistet damit das, was viele Wischroboter nur versprechen. Echtes Wischen statt verteiltem Dreck. Dazu kam eine flache Bauweise, die unter Möbeln gelangt, wo andere Modelle bereits ihr LiDAR-Türmchen einbüßen. Das war ein starkes Debüt. Der Narwal Flow 2 tritt nun genau in diese Fußstapfen. Mit mehr Saugleistung, heißerem Wasser, einer modernisierten Station und neuer KI. Die eigentliche Frage ist: Verändert das genug, um aus einem bereits guten Gerät ein besseres zu machen?
Ausgepackt
Der erste Eindruck beim Auspacken des Narwal Flow 2 ist eindeutig. Hier hat jemand das Vorgängermodell gründlich analysiert und an den richtigen Stellen nachgearbeitet. Die neue Station präsentiert sich kompakter, schlanker und deutlich wohnraumtauglicher als bislang. Statt des hell-technischen Looks des ersten Flow setzt der Flow 2 auf ein dunkles, mattes Gehäuse, das sich auch in modernen Wohnungseinrichtungen nicht als Fremdkörper aufdrängt. Eine dezente Leuchtleiste signalisiert den Gerätestatus farblich – Grün für Betrieb, Blau beim Wischvorgang, Rot bei Handlungsbedarf. Das ist übersichtlich, ohne verspielt zu wirken.
Der Roboter selbst hält an der bewährten flachen Bauweise fest. Mit rund 9,5 Zentimetern Höhe und dem nach hinten versetzten LiDAR-Sensor ohne aufgesetzten Turm gelangt der Flow 2 problemlos unter Möbeln hindurch, die vielen Konkurrenten die Grenzen zeigen. Im Vergleich zum ersten Flow ist das keine Revolution, aber eine bewusste Kontinuität, die im Alltag täglich zahlt. Wer viele niedrige Sideboards, Sofas oder Betten in seiner Wohnung hat, schätzt diesen Konstruktionsansatz schnell mehr als jede beworbene KI-Funktion.
Die Einrichtung geht zügig von der Hand. App laden, Gerät auf die Station, WLAN einrichten – innerhalb weniger Minuten ist der Flow 2 einsatzbereit. Die erste Kartierung einer normalen Wohnung dauert je nach Größe zwischen 45 Minuten und einer Stunde und arbeitet dabei sehr präzise. Auffällig: Der Einrichtungsprozess ist gegenüber dem Vorgänger nochmals geglättet worden. Wer den ersten Flow kennt, merkt, dass hier Details abgeschliffen wurden, die damals noch etwas holprig wirkten.
Einen kleinen Wermutstropfen gibt es beim neuen Design trotzdem. Das dunkle Gehäuse sieht zwar edel aus, zeigt aber Fingerabdrücke, Kalkspuren und kleine Kratzer schneller als das hellere Vorgängermodell. Wer sein Gerät in der Küche oder im Flur aufstellt, wird das früher oder später bemerken. Zudem liegt der Staubbeutel bei der neuen Station unterhalb der Wassertanks – funktional problemlos, aber minimal umständlicher zugänglich als bei Layouts, die alles von vorne erreichbar machen.
Die Daten
Auf dem Datenblatt liest sich der Narwal Flow 2 wie ein klares Upgrade. 31.000 Pascal Saugleistung gegenüber 22.000 beim Vorgänger, ein größerer 7.000-mAh-Akku statt 5.500 mAh, eine stark überarbeitete Station mit Heißwasser-Sterilisation bei bis zu 100 Grad Celsius und eine neue Dual-Kamera-Navigation mit 1080p-Auflösung und 136-Grad-Sichtfeld. Dazu kommt ein KI-System namens NarMind Pro, das mit Laser-, RGB- und Infrarot-Sensoren räumliche Informationen in Echtzeit verarbeitet. Auf dem Papier ist das ein substanzieller Schritt nach vorne.
Das Herzstück ist aber nach wie vor das FlowWash-System. 16 Düsen verteilen während des Fahrens kontinuierlich heißes Wasser auf die Wischwalze, ein integrierter Abstreifer führt das Schmutzwasser sofort in einen versiegelten Tank ab. Das Ergebnis: Die Walze arbeitet die gesamte Reinigungsfahrt hindurch mit frischem, warmem Wasser, statt irgendwann Dreck von einem Raum in den nächsten zu verteilen. Im direkten Vergleich mit dem ersten Flow hat Narwal die Wassertemperatur dabei nochmals erhöht – von 45 auf 60 Grad während der Fahrt, die Stationsreinigung erfolgt sogar mit kochend heißem Wasser. Das zielt direkt auf Hygiene und Langlebigkeit der Wischwalze ab.
Beim Blick auf den Akku zeigt sich ein weiterer spürbarer Fortschritt gegenüber dem Vorgänger. Der größere Energiespeicher erlaubt Reinigungsläufe von deutlich über 150 Quadratmetern in einem Durchgang, ohne zwischenladen zu müssen. Das macht den Flow 2 auch für größere Wohnungen oder Häuser zur tauglichen Lösung. Zum Vergleich: Der erste Flow musste in solchen Szenarien öfter zur Station zurück, was den automatischen Ablauf gelegentlich unterbrach.
Was die beworbenen Spitzenwerte betrifft, ist jedoch ein nüchterner Blick hilfreich. Laborwerte wie maximale Saugleistung oder Wassertemperaturen spiegeln sich nicht eins zu eins im Alltagsbetrieb wider. Reale Messungen zeigen, dass Oberflächenwerte unter Betriebsbedingungen teils unter den kommunizierten Maximalangaben liegen. Das schmälert die Reinigungsleistung kaum – aber es ist der Unterschied zwischen Marketing und Praxis, den man kennen sollte.
Preislich setzt der Narwal Flow 2 bei eine UVP von 1299 Euro an. Bei Amazon ist er jedoch bereits mit 15 Prozent Rabatt für 1099 Euro zu haben.
Im Alltag
Im Alltagseinsatz spielt der Narwal Flow 2 seine eigentliche Stärke dort aus, wo andere Roboter seit Jahren nur mittelprächtige Ergebnisse liefern: beim Wischen harter Böden. Getrocknete Kaffeeflecken, Küchenfett, eingetrockneter Saft oder Matschwasser vom Eingang – das sind die typischen Herausforderungen, an denen rotierende Wischmopps scheitern oder umständlich mehrfach drüberfahren müssen. Der Flow 2 räumt diese Situationen im ersten Durchgang ab, und das mit einer Konsequenz, die sich einfach anders anfühlt als bisherige Wischroboter. Die Böden wirken danach nicht „sauber genug“, sondern tatsächlich gewischt.
Besonders eindrucksvoll ist die sogenannte Smart-Stain-Detection: Visuelle Sensoren erkennen hartnäckige Verschmutzungen automatisch und lösen einen wiederholten Reinigungszyklus aus, ohne dass manuell eingegriffen werden muss. Im Test hat das zuverlässig funktioniert. Der Roboter fuhr eine erkannte Schmutzstelle gezielt mehrfach an, bis sie verschwunden war – ohne Anweisung über die App. Das ist kein Feature für das Datenblatt, sondern echter Nutzen im Alltag.
Bei der Navigation zeigt der Flow 2 gegenüber dem Vorgänger die deutlichste Verbesserung. Das war beim ersten Flow tatsächlich ein Kritikpunkt: Navigation und Kantenerkennung ließen an manchen Stellen nach, und es gab vereinzelte Berichte über Steckenbleiben unter Möbeln oder unvollständige Kartierungen. Der Flow 2 arbeitet hier messerbar präziser. Die Routen sind logischer, die Hinderniserkennung reaktionsschneller. In mehrtägigen Tests blieb das Gerät kaum hängen – ein deutlicher Fortschritt. Auch die Kantenreinigung profitiert vom neuen Seitenbürstensystem, das je nach Bedarf zwischen zwei Positionen wechselt und mehr Fläche erreicht als der Vorgänger.
Auf Teppichen hebt der Flow 2 die Wischwalze automatisch um rund zwölf Millimeter an und verstärkt gleichzeitig die Saugleistung. Das CarpetFocus-System erzeugt einen nahezu luftdichten Abschluss zur Teppichfläche und hebt damit auch tief sitzende Tierhaare oder eingetretenen Schmutz hervor. Selbst bei Haushhalten mit stark haarenden Haustieren berichten Tester von null Verwicklungen in der Bürstenrolle – ein Punkt, an dem viele Geräte dieser Klasse noch regelmäßig versagen.
Schwachstellen
Zu den Schwachstellen, die man bei einem Gerät dieser Preisklasse klar benennen sollte: Tiefe Ecken und enge Winkel meistert der Flow 2 nicht kompromisslos. Das Seitenbürstenkonzept ist verbessert, erreicht aber nicht das Niveau von Geräten mit ausfahrbar konstruierten Kantenbürsten. Wer eine Wohnung mit vielen engen Ecken und komplexen Grundrissen hat, wird gelegentlich nacharbeiten müssen. Zweiter Punkt: Die App ist funktional und übersichtlich, bietet aber weniger Granularität als etwa das Roborock-Ökosystem. Power-User, die jeden Zentimeter ihrer Reinigungszone steuern wollen, stoßen früher an Grenzen als bei manchen Konkurrenten.
Dritter Punkt: Nur vom Hersteller zugelassenes Reinigungsmittel darf verwendet werden – Fremdprodukte können laut Narwal die internen Wasserleitungen beschädigen und führen zum Garantieverlust. Das schränkt die Flexibilität ein und sorgt für laufende Folgekosten.
Die Basisstation erledigt im Gegenzug einen Großteil der Pflege selbst. Staubbeutel mit bis zu 120 Tagen Kapazität, automatische Reinigung und Warmlufttrocknung der Wischwalze, automatische Reinigungsmitteldosierung – das Gesamtsystem läuft im Alltag tatsächlich weitgehend autonom. Die einzige Aufgabe, die nicht automatisiert ist: Der Schmutzwassertank muss manuell entleert werden. Wer das zu lange hinauszögert, bemerkt es am Geruch. Es ist ein kleiner Punkt, aber einer, den die Marketingkommunikation gerne verschweigt.
Fazit
Der Narwal Flow 2 ist ein veritables Upgrade – nicht weil er das Konzept des Vorgängers verwirft, sondern weil er es an genau den richtigen Stellen weiterentwickelt. Die Navigation ist spürbar besser, was beim ersten Flow ein Minuspunkt war. Die Wischleistung war schon beim Vorgänger exzellent – beim Flow 2 wirkt sie nochmals souveräner, heißer, kontrollierteres Wasser. Und das Gesamtpaket aus Roboter und Station tritt in der zweiten Generation deutlich reifer auf: ästhetisch anspruchsvoller, ergonomisch durchdachter, im Betrieb selbstständiger.
Wer bereits den ersten Narwal Flow besitzt, muss nicht wechseln. Der Vorgänger war ein starkes Gerät und bleibt es. Wer allerdings aktuell neu kauft und dabei Wert auf echte Wischleistung legt – nicht symbolisches Feuchtwischen, sondern tatsächliches Sauberarbeiten von Hartböden – dem ist der Narwal Flow 2 derzeit eine der überzeugendsten Optionen am Markt. Kleine Abstriche bei Eckenreinigung, App-Tiefe und Reinigungsmittelflexibilität bleiben bestehen. Sie verändern aber das Gesamtbild nicht:
Der Flow 2 ist ein Premiumgerät, das seinen Preis nicht nur auf dem Datenblatt rechtfertigt, sondern im täglichen Einsatz.
Der Narwal Flow 2 wurde uns von Narwal für diesen Test zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an den Hersteller.
Mit dem Kauf oder Download über Links in diesem Artikel unterstützt Du Apfeltalk mit einem kleinen Teil des unveränderten Kaufpreises. Um mehr über die Refinanzierung von Apfeltalk zu erfahren, klicke bitte hier.
Bilder Autor und Narwal