Seit dem Sommer ist Qi2.2 da, und die Zubehörbranche hat schnell nachgelegt: Belkin, Anker, Baseus und ESR hatten ihre 25-Watt-Ladegeräte bereits im Regal, als Nomad im November mit der vierten Generation von Stand One und Stand One Max nachzog. Der Hersteller aus Kalifornien kommt also spät. Dafür kommt er schwer.
Metall, Glas und 875 Gramm
Wer die Stand One Max aus dem Karton hebt, spürt sofort, wohin das Geld geflossen ist. Das Gehäuse besteht aus gefrästem Metall mit Glaspaneel, das Ladepad ist mit kratzfestem TPU überzogen, die Unterseite rutschhemmend gummiert. Mit 875 Gramm wiegt die Station rund die Hälfte mehr als die kleine Stand One mit ihren 575 Gramm, und dieses Gewicht ist der eigentliche Zweck der Übung: Ihr könnt das iPhone einhändig abziehen, ohne dass die Ladestation über den Tisch wandert oder ihr gegenhalten müsst.
Auf der rechteckigen Basis stehen zwei aufrechte Ladeflächen. Vorne der große Qi2-Puck fürs iPhone, daneben eine kleinere, angewinkelte Fläche mit dem Apple-Watch-Schnelllader. Die Ladespule des iPhone-Pucks sitzt erhöht, damit die immer klobigeren Kameramodule nicht aufsetzen und das Gerät plan anliegt. In die Basis ist hinten eine Mulde eingelassen, in der die AirPods per Qi geladen werden. Erhältlich ist die Station in Silber und im dunklen Carbide.
Drei Plätze, drei Geschwindigkeiten
Der Neigungswinkel liegt fest bei 21 Grad, was für den StandBy-Modus des iPhones gut funktioniert. Über den Qi2-Puck laden kompatible Geräte mit bis zu 25 Watt. Dafür braucht ihr ein iPhone 16 oder neuer, das auf iOS 26 läuft, denn erst mit diesem Update hat Apple die vollen 25 Watt für Ladegeräte von Drittanbietern freigegeben. Das iPhone 16e bleibt außen vor, das iPhone Air deckelt bei 20 Watt. Ältere Modelle vom iPhone 12 bis 15 kommen auf 15 Watt, was immer noch das Doppelte dessen ist, was einfache Qi-Ladeschalen ohne Magnetprofil liefern. Auch Android-Geräte mit Qi2-25-Watt-Unterstützung profitieren vom vollen Tempo, was bei einem Nomad-Produkt fast überrascht.
Der Watch-Lader unterstützt Apple Watch Ultra 1 bis 3, Series 1 bis 11 und SE 1 bis 3. Schnellladen klappt allerdings nur mit Ultra 1 bis 3, Series 7 bis 11 und der SE 3, ältere Uhren laden regulär. Die AirPods-Mulde liefert 5 Watt und nimmt auch fremde Kopfhörer mit Qi-Unterstützung. Einen Anhaltspunkt zum Tempo liefert Macworld: Dort war ein iPhone am baugleichen 25-Watt-Puck der kleineren Stand One nach 36 Minuten halb voll. Ein Lüfter fehlt in beiden Modellen, laut Nomad übernimmt der Metallkörper die Kühlung. Hörbar ist die Station jedenfalls nicht, was auf dem Nachtkästchen ein echtes Argument ist.
Ein zwei Meter langes, geflochtenes USB-C-Kabel liegt bei. Das Netzteil dagegen nicht, und Nomad verlangt eines mit mindestens 40 Watt. Bei knapp 150 Euro darf man das ruhig kleinlich finden. Der Hersteller begründet die Entscheidung mit Nachhaltigkeit und kleinerer Verpackung, was stimmen mag. Am Ende zahlt ihr eben nochmal drauf, wenn kein passendes Netzteil in der Schublade liegt.
Auf dem Schreibtisch
Nach vier Wochen auf meinem Schreibtisch kann ich sagen: So eine Station verschwindet wohltuend aus dem Bewusstsein. Das iPhone rastet magnetisch ein, die AirPods landen in der Mulde, die Apple Watch am Puck, und morgens ist alles voll. Laut Nomad funktioniert StandBy auch dann, wenn alle drei Geräte gleichzeitig laden: Ihr dreht das iPhone quer und habt Uhrzeit, Wetter oder Fotos im Blick, während daneben die Apple Watch hängt. Wie eng es dabei zugeht, hängt von eurem Uhrenarmband ab, denn der Watch-Arm sitzt nah am iPhone-Puck. Dass ein aufgeräumter Ladeplatz mehr bringt als drei einzelne Kabel, haben wir hier schon beim All-in-one-Ladegerät Pitaka Air Omni festgestellt. Nomad treibt den Gedanken konsequent weiter: Schon die Base Station in der Apple Watch Edition und zuletzt das Qi2-MagSafe-Ladegerät gingen in dieselbe Richtung.
Wo es hakt
Mein Kritikpunkt ist rein optischer Natur, geht mir dafür aber täglich auf den Keks. Der Apple-Watch-Lader sitzt sehr weit vorne und steht dauerhaft aufrecht im Bild. Wegklappen oder versenken lässt er sich nicht. Das iPhone liegt fast immer auf dem Puck, sobald ich am Schreibtisch sitze, die Apple Watch trage ich in dieser Zeit aber am Handgelenk. Der Watch-Arm steht also die meiste Zeit leer und trotzdem prominent da, wie ein abgeräumter Notenständer. Bei einem Gerät, das sonst so viel Sorgfalt auf Understatement verwendet, fällt das auf. Eine abnehmbare oder wenigstens flach anlegbare Lösung hätte dem Gesamtbild gutgetan.
Der zweite Punkt ist der Preis. Im deutschen Handel liegt die Station bei 149,95 Euro, und das fehlende Netzteil macht die Rechnung nicht günstiger. Wer die Apple Watch ohnehin nicht am Schreibtisch lädt, fährt mit der kleineren Stand One für 109,95 Euro besser und hat den optischen Ballast gar nicht erst auf dem Tisch.
Fazit – Nomad Stand One Max
Die Nomad Stand One Max der vierten Generation ist ein hervorragendes Stück Schreibtisch-Hardware. Sie versorgt drei Geräte gleichzeitig, holt mit aktuellen iPhones und Uhren das volle Schnelllade-Tempo heraus, steht dank ihres Gewichts bombenfest und bleibt mangels Lüfter still. Verarbeitung und Materialauswahl spielen in einer Liga, in der die günstige Konkurrenz gar nicht erst antritt. Der prominente Watch-Arm ist ein Schönheitsfehler, mit dem ich leben kann, auch wenn er mich jeden Tag kurz stört. Das fehlende Netzteil bleibt bei 149,95 Euro ein Ärgernis. Auf Amazon ist das Produkt aktuell leider nicht erhältlich, ihr müsst bei Interesse direkt beim Hersteller vorbeisehen.
Wollt ihr euer Apple-Ökosystem an einem Ort laden und legt Wert darauf, dass der Ladeplatz eher nach Möbelstück als nach Elektronik aussieht, ist die Stand One Max eine klare Empfehlung. Premium hat hier seinen Preis – und diesmal liefert er auch ab.
Transparenz: Das Testmuster wurde uns von Nomad für diesen Test zur Verfügung gestellt. Der Artikel enthält Affiliate-Links.
