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Reichensteuer, Was meint Ihr?

Dieses Thema im Forum "Café" wurde erstellt von Timotheus, 07.05.06.

  1. Timotheus

    Timotheus Gast

    Sehr geehrte Apfeltalk User,

    ich möchte mal ein politisches Diskussionsthema eröffnen. Auch wenn es den Zweck dieses Forums nicht genau trifft, sind wir alle doch auch Mitglieder der Gesellschaft und direkt oder indirekt von politischen Entscheidungen betroffen. Außerdem macht sich ja jeder so seine Gedanken und ich wäre mal an anderen als meinen eigenen Argumenten/Meinungen interessiert.

    Aktuell wird ja das Thema Reichensteuer heiß diskutiert. Auch ich habe mir so meine Gedanken dazu gemacht. Gerade die Diskussion unter Poltikern gefällt mir zum Teil jedoch überhaupt nicht. Einiges finde ich dort verwirrend und für das Volk bzw. die Wähler irreführend.

    Die sog. Reichensteuer soll ja ab dem 01.01.2007 eingeführt werden und betrifft das zu versteuernde Einkommen von über 250.000 Euro (500.000 Euro bei Zusammenveranlagung von Ehegatten) aus nichtgewerblichem Einkommen, also allem Einkommen mit Ausnahme der gewerblichen Einkünfte. Die Höhe beträgt 3%. Gerade diese Ungleichbehandlung der Einkunftsarten kommt mir absurd vor. Warum wird pauschal Einkommen aus einer Einkunftsart bevorzugt? Gibt es gute und schlechte Einkommen überhaupt?

    Öffentlich lässt sich die Steuer natürlich sehr gut verkaufen, da die Meisten nicht betroffen sind und die Reichen ja sowieso so wenig zu den Staatsaufgaben beitragen.

    Ich werde mal jetzt meine Ausführung stoppen, um einerseits Platz für eine Diskussion zu lassen und andererseits hier nicht gleich im ersten Beitrag den Rahmen zu sprengen.

    Freue mich auf rege Anteilnahme. Gruß, Tim.
     
    #1 Timotheus, 07.05.06
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 08.05.06
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  2. Randfee

    Randfee Pomme d'or

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    unser Hoechststeuersatz ist hoch genug, unser Steuersystem dagegen grober Unfug. Ich bevorzuge Teile der Kirchhoffschen Ideen. Keine Schlupfloecher, wesentlich einfacheres System, dann zahlt auch wirklich jeder und wir sind alle zufrieden. Im Moment kann man sich mit etwas Geschick in jeder Lebenslage arm rechnen :)

    Auf der anderen Seite muss der Staat aber auch endlich mal lernen zu haushalten, jetzt haben wir schon 1.5 Billionen Schulden, dass ist einfach nicht auszuhalten was die da treiben. Wo kein Geld ist, darf auch erstmal keins ausgegeben werden, nicht mehr bei diesem Schuldenstand! Der Staat lebt ueber seine Verhaeltnisse, mit dem Geld muesste man viel mehr machen koennen, aber (legale) Arbeit ist bei uns halt zu teuer.
     
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  3. Timotheus

    Timotheus Gast

    Wie würde ein gerechtes Steuersystem aussehen? warum ist ein einfaches Steuersystem gerechter?

    Ökonomen untersuchen Steuersysteme nur anhand ihrer (ökonomischen) Optimalität und nicht nach Gerechtigkeitsaspekten. Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die Ergebnisse dann meist als unsozial oder ungerecht empfunden werden. Aber was ist gerecht? Auf diese Frage gibt es wohl ca. 80 Mio. Antworten in unserem Land. Auf einige Grundkonzepte kann man sich sicher einigen.

    Zugegeben, im heutigen System gibt es viel Regelungen und noch mehr Ausnahmen. Diese Ausnahmen sind mal ins System aufgenommen worden, um (wirtschafts)politische Ziele mit dem Steuersystem zu verfolgen.

    Warum wird z.B. in den diskussionen immer gefordert, dss Reiche mehr beitragen sollen. Das tun sie doch. Noch haben wir doch ein progressives Steuersystem. Ich habe gerade gelesen (http://de.wikipedia.org/wiki/Reichensteuer#Umverteilung), dass 8,5% der Steuerpflichtigen 50% des Steueraufkommens leisten und diese 8,5% gehören wohl eher zum oberen Ende. also warum heißt es dann immer, nur die "kleinen" Leute beteiligen sich am Sozialstaat? Es gibt natürlich Leute, die ihre Erklärung nicht richtig ausfüllen und so Steuern hinterziehen.

    Tim.
     
  4. Venden

    Venden Weißer Trierer Weinapfel

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    1.513
    ich habe mich mit diesem thema noch nicht wirklich befasst, aber trotzdem will ich meine zwei cent zum thema "reichensteuer" beitragen.

    für mich ist es ein einfacher dreisatz:

    gut betuchte zahlen schon den höchsatz, soweit müsste es richtig sein, und der staat bekommt geld.

    jetzt kommt der staat auf die idee noch mal eine steuern von diesen gut betuchten zu verlangen. diese packen ihre sieben sachen, für ein/e gut betuchte/r sollte das problem gering sein, und verschwindet in den ausland => der staat bekommt überhaupt nichts mehr, gleich null, nichts.

    folge negativeinkünfte (was für ein geniales wort o_O ). gute bsp. liefern die schumacher-brüder, becker und noch einige mehr.

    ich würde es anders anpacken:

    mein vorschlag wäre ein fixen beitrag ab einen bestimmten vermögen. ein bsp (nur zur bildlichen vorstellung):

    ab 300,000 eur => 120,000 eur steuer (entspricht 40%)
    ab 500,000 eur => 200,000 eur steuer (wieder 40%)

    diese 40% bleiben konstant bis zu 1 mio. hier zahlt man fix 400,000 eur.
    ab 5 mio => 2,0 mio im jahr.
    ab 10 mio => 3,0 mio im jahr

    auch der gute herr, der 500 mio im jahr verdient, zahlt fix 3,0 mio eur steuer im jahr.

    fertig...

    die leute bleiben in deutschland, geld fließt in die kasse und die reichen brauchen nicht auswandern...

    meine idee ist nicht ausgereift, aber vielleicht ein guter ansatz.

    gegenargumente:

    F: warum müssen die (prozentual gesehen) weniger steuern zahlen?
    A: damit sie nicht auswandern und trotzdem noch geld in kassen kommt

    für weitere fragen und antworten bin ich noch zu müde...

    gruß
    venden
     
  5. Naja ich finde es gibt ein generelles Problem mit der Moral und der Verantwortung seinem eigenem Land gegenüber! (Nun nehm das bitte nicht als nationalistisch auf!!!)

    Jeder versucht, für sich das meiste rauszuholen! Die Telekom meldet Rekordeinnahmen und gibt gleichzeitig bekannt, dass sie über 30.000 Stellen streichen wollen. Die Politiker erhöhen sich wo sie nur können die Diäten und stopfen sich das Geld auch noch aus Nebenverdiensten in die Tasche.

    Der arme ALG2 Empfänger liest das in der Express oder Bild und denkt sich: "Warum soll ich dann nicht auch den Staat bei meinem ALG2 bescheissen wo ich nur kann!?" oder "Warum soll ich denn arbeiten gehen? Geht ja auch so ganz gut!"

    Das selbe Problem gibt es bei der Besteuerung von Unternehmen! Die denken sich doch: "Warum soll ich hier 20% (oder sind es 25%?) Steuern zahlen, wenn ich im Ausland viel weniger bezahlen muss UND noch die Arbeit billiger ist?" Und sowas wird dann noch vom Staat subventioniert! (Btw. könnte der Privatmann einfach so auswandern und weniger Steuern bezahlen; ich denke, er würde es genauso machen!)

    Ziel sollte es also sein, die Unternehmenssteuer auf ein europäisches Mass zu regulieren! Damit zumindest der Anreiz die Steuern im Ausland zu sparen fehlt!

    So einen Ansatz habe ich mal kurz vor der Wahl von Herrn März gehört, aber den hat Frau Merkel ja schön zurecht gestutzt!

    Nunja, ich hab prinzipiell keine Ahnung von Wirtschaft oder hoher Politik, aber ich weiß, was ich denke, wenn ich heute eine Zeitung aufschlage! ;)

    So das Übliche noch: ich wollte keinem auf den Schlips treten! Wenn ich das dennoch getan haben sollte, tut es mir jetzt schon leid! ;)

    gruß
    the lancer
     
  6. Timotheus

    Timotheus Gast

    Ich finde vor allem die Unterscheidung der Einkunftsarten bei der Recihensteuer problematisch. Manche halten sie deshalb auch für verfassungswidrig.

    Die Idee ist ja, das Gewinne, welches aus dem Unternehmen rausgezogen und konsumiert wird höher besteuert werden soll als Gewinne die im Untenehmen bleiben und potenziell dort Arbeitsplätze schaffen oder sichern. OK, soweit so gut. Gibt wahrscheinlich viel Zustimmung zu diesem Satz, welcher letztens von einem CDU-, wie von einer SPD-Abgeordneten in "Hart aber Fair" so geäußert wurden.

    Bei Kapitalgesellschaften lässt sich serh einfach unterscheiden zwischen Gewinnen, welche im Unternehmen bleiben und solchen die ausgeschüttet werde. Der anteilseigner bekommt ja nur die ausgeschütteten Gewinne und muss diese auch nur versteuern. Bei Personengesellschaften nicht, da hier automatisch alle Gewinne dem Anteilseigner zufließen und dieser dann entscheidet, ob er sie wieder investiert oder konsumiert. Der Teil, der investiert wird, soll steuerlich bervorzugt werden. Nur sind von der Reichensteuer alle Gewinne nicht betroffen. Hier ist schonmal die erste Ungleichbehandlung. Was pasiert eigentlich, wenn ein Anteilseigner einer Kapitalgesellschaft wieder einen Teil investiert? Auf diesen Anteil musste er ja unter Umständen schon die 3% Reichensteuer zahlen, obwohl er doch das tut, was man erreichen will, nämlich das in Arbeitsplätze investiert wird. Die Gewinne, welche in der Kapitalgesellschaft bleiben sind generell nicht von der Reichensteuer betroffen. In der Regel könnten sie jedoch vom Anteilseigener effizienter investiert werden, als vom Unternehmen. Das Unternehmen ist ja immer an seine Tätigkeit/Branche gebunden, der Anteilseigner könnte diese Gewiine aber frei in die effizienteste Lösung investieren. Es spricht also einiges dafür, dass der Anteilseigner die Investitionsentscheidung trifft und nicht ein einzelnes Unternhemen.

    Es gibt also einige Ungereimtheiten bei der Reichensteuer. Es wird bei Weitem nicht das erreicht, was immer propagiert wird.

    Tim.
     
  7. yjnthaar

    yjnthaar Schwabenkönig

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    2.657
    Moinsen,

    Die Steuer ist Makulatur. Reine "Symbolik". Wird nicht viel wie nix bringen.

    Salute,
    Simon
     
  8. Walli

    Walli Blutapfel

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    2.594
    Ich finde diese Steuer Schwachsinn, bin aber generell auch nicht von der Idee des progressiven Steuersatzes angetan. Darum verlangt man ja einen prozentualen Anteil... damit die, die mehr haben auch mehr geben. Warum sollen die auch noch preozentual mehr geben? Wo ist da die Logik? Mit diesem Schwachsinn vergrault man auch nur die Leute, die sowieso schon erheblich dazu beitragen, dass es mit Deutschland nicht komplett finanziell den Bach runter geht. Ausserdem gibt es ja die erwähnten Schlupflöcher, die jeder nutzt, der das nötige Kleingeld für einen guten Steuerberater hat. Politiker sollten meiner Meinung nach mehr nach dem KISS-Prinzip handeln.
     
  9. Hairfeti

    Hairfeti Gast

    Also wie schon weiter oben erwähnt wurde, ist das ganze Einnahmesystem (nebst Steuerpolitik) ja überholungsbedürftig.

    Denn: Was kommt denn nach der "Reichensteuer" ? Diese reicht doch auch nicht wirklich lange vor - für was auch immer ...

    Auch diese Steuer wird weder wirklich Schulden tilgen, noch ehrlich Geld in den Staatshaushalt bringen der für gute Zwecke Verwendung finden wird. Es werden nur wieder noch mehr Kredite aufgenommen und im Grunde mehr Schulden gemacht. Es werden im Grunde immer mehr Leute weiterhin über ihre Verhältnisse leben, nur noch höher als vorher. Denn das Geld geht schließlich immer dahin wo schon viel Geld ist und nicht dahin wo es dringend gebraucht wird.

    Also im Grunde zahlen die Reichen mit der Reichensteuer in ihren eigenen Geld-Topf ein, von dem sie sich dann auch wieder bedienen können wann sie wollen. Das kann natürlich ein normaler Bürger mit "beschränktem" Wissen nicht merken und nachvollziehen, aber so ist es im Grunde genommen.

    Übrigens bezahlen wir ja eventuell bald 5 € pro Arztbesuch, na wenn da keine Freude aufkommt unter den Barzillen und Infektionströpfchen.
     
    #9 Hairfeti, 07.05.06
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 07.05.06
  10. Timotheus

    Timotheus Gast

    Hört sich ja so an, als ob die von der Reichensteuer Betroffenen auch noch daran verdienen. Verstehe deine Argumentation nicht ganz.

    Außerdem zeigt sich an deinen Aussagen ein Grundproblem in der Diskussion. Einerseits kritisierst Du zu recht die Schuldenpolitik. Es dürfen in nächster Zukunft keine Schulden mehr gemacht werden. Andererseits kritisierst Du Einnahmesteigerungen durch Steuererhöhungen und gleichzeitig auch Ausgabenkürzungen durch die Reduzierung von staatlichen Leistungen. Leider funktioniert dies nicht, irgendwoher muss das Geld ja kommen.

    Langfristig ist es ja denkbar, dass eine neue Steuer- und Abgabenpolitik auch Wahcstumsimpulse setzt und so durch die höhere wirtschafltiche Aktivität auch mehr Einnahmen fließen. Dann ließen sich Ausgabenkürzungen vermeiden und gleichzeitig die Schulden reduzieren. Kurzfristig funktioniert dies jedoch nicht.

    Ich bin der Meinung, dass der Staat bzw. staatliche Systeme nicht alles an Vorsorge abdecken müssen. Dies kann sich kein Staat der Erde mehr leisten. Wenn das möglich wäre, hätte ich nichts dagegegen. So ist es aber nicht.

    Solidarität untereinander ist sehr gut und selbstverständlich. Nur muss sich wirklich jeder solidarisch an deinen oder meinen Arztkosten zu fast 100% beteiligen? Sicher, große Risiken wie teuere Operationen, Unfälle und schwere Krankheiten sollten immer versichert sein. Aber muss ich mich den grundsätzlich an jedem Arztbesuch meiner Mitmenschen beteiligen?

    Gruß, Tim.
     
  11. moornebel

    moornebel Pomme Miel

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    Einen ganz anderen Ansatz verfolgt die Initiative Grundeinkommen. Alle Steuern abschaffen, bis auf die MWSt., die dafür soweit erhöhen, dass alles finanziert werden kann (ganz grob zusammengefasst). Ein Blick auf die Idee lohnt sich.

    Gruss
    moornebel
     
  12. Koller

    Koller Gast

    Was haben Boris Becker, Michael Schuhmacher, Günter Netzer, Nick Heidfeld, Udo Jürgens, Jan Ulrich und viele weitere schwerreiche Deutsche Stars gemeinsam?

    Richtig. Es sind alle meine Nachbarn.;)

    Nein, im Ernst. Ich kann und will mich nicht in die Probleme mit dem Deutschen Fiskus einmischen. Aber ich denke es gilt zu verhindern, dass noch mehr Millionen o.g. Grossverdiener in der Schweiz versteuert werden. Obwohl: mich persönlich stört das nicht.:p

    Wie das zu bewerkstelligen ist, weiss ich leider auch nicht. Auf jeden Fall ist es ein grosses Problem, das nur mit viel Fingerspitzengefühl und einer klugen Taktik gelöst werden kann. Leider alles Attribute, die man Eurer grossen Koalition wohl nicht anheften kann. Aber was solls. Politiker sind hüben wie drüben in erster Linie auf das eigene Wohlergehen erpicht.:innocent:

    In diesem Sinne

    Gruss

    K.
     
  13. Timotheus

    Timotheus Gast

    Du wirst nie verhindern können, dass sich einige der Besteuerung zumindest teilweise entziehen. Alle Einkünfte aus D müssen die Herren und Damen weiterhin auch in D versteuern.

    Je mobiler ein Faktor desto schwieriger die Besteuerung. Daher werden oder sollen in Zukunft Kapitaleinkommen niedriger besteuert werden als Arbeitseinkommen. Dein Geld kannst Du schnell mal im Ausland anlegen und dann zu Hause beim Finanzamt nicht angeben. Mit deiner Arbeitskraft geht das nicht so einfach. Nicht schön, aber einfach Tatsache.

    Sehe bei dem Grundeinkomensmodell leider nicht ganz durch. Jeder bekommt also einen Betrag (z.B. 800 Euro im Monat), dafür fallen aber auch alle Sozialleistungen des Staates weg. Durch den Wegfall wird das Grundeinkommen finanziert. Was nun alles zu diesen Sozialleistungen gehört, schreibt leider nimand auf den Seiten. Die Kosten musst Du dann auch selbst tragen. Du hast zwar 800 Euro im Monat mehr, musst aber den Kindergartenplatz, die Kosten deiner Krankheit voll selbst tragen, wenn ich das richig verstehe. Bin mir nicht sicher, ob da wirklich noch ein Plus am Ende rauskommt.

    Sicher ist richtig, dass Steueraufkommen mehr aus dem Konsum erwirtschaftet wird als aus dem Faktor Arbeit. Daher ist der Weg der ungeliebten Mehrwertsteuererhöhung langfristig gut.

    Tim.
     
  14. Hairfeti

    Hairfeti Gast

    Weiß nicht ob du mich wirklich verstanden hast ...

    Du glaubst vielleicht an die jetzige Steuerpolitik an sich, so wie sie jeden Tag in der Zeitung steht und den Menschen dargestellt wird - ich aber nicht.

    Ich denke einfach, daß es von heute auf morgen möglich wäre sämtliche Schulden des Landes zu tilgen wenn man nur wollte. Der Reichtum im Lande dafür ist da. Aber das will ja niemand. Es gibt auch gute Gründe dafür. Mit Schulden ist nämlich jemand abhängig von jemand anderen und man ist gezwungen in dieser Zeit durch Verträge irgendwelche Auflagen zu erfüllen. In dem Falle ist es unser Staat. Wäre der Staat nämlich frei, so könnten wir unser Leben so gestalten daß wir alte Fehler nicht mehr machen würden. Daran ist ein Kapitalist aber gar nicht interessiert. Da stecken Mächte mit drin die über unsere eigene Steuerpolitik hinausgehen, diese aber mit einschließen. Die Politiker in unserem Lande machen lange nicht das was sie für unseren Staat in unserem Namen für richtig halten, sondern das was ihnen die Supermächte der Welt anordnen. Dazu gehören sämtliche Großkonzerne und Industriemächte. Die lachen doch nur über eine Reichensteuer. Ehe diese in Deutschland überhaupt gesetzlich greift, haben die schon wieder eine Möglichkeit gefunden wie sie sich das Geld von der Armen Bevölkerung zurückholen können.

    Damit will ich sagen, daß eine Reaktion immer zu einer Gegenreaktion führt. Du glaubst doch nicht im Ernst, daß wenn dir dein Arbeitgeber endlich mal eine Lohnerhöhung gibt, er dafür schmachten muß und es ihm wehtut? Das sind einfach Gelder die er sich mit kluger Überlegung und Rechnung doppelt zurückholen kann. Zwar nicht auf direktem Wege, aber vielleicht über die Steuern.
     
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  15. Timotheus

    Timotheus Gast

    Warum gehen wir dann überhaupt noch wählen, wenn Politiker sowieso von (Groß)Industrie und Reichen gelenkt werden? Entschuldige, aber das glaube ich so nicht.

    Ok, wie werden wir unsere Schulden den von heute auf morgen los?

    Woran ist der Kapitalist den interessiert?

    Jeder Mensch ist an seinem eigenen Vorteil interessiert. Der Markt und die Marktpreise koordinieren diese Individualinteressen und dies sehr erfolgreich. Schließlich sind die Planwirtschaftssysteme an ihrer Rückständigkeit gegenüber dem Marktsystem zugrunde gegangen. Der Wohlstand in Westeuropa ist immer noch wesentlich höher als in Osteuropa.

    Zum Beispiel Arbeitgeber: Soll es ihm denn wehtun? Natürlich kann er mir nur eine Lohnerhöhung geben, wenn er das Geld vorher verdient hat. Wenn der Arbeitnehmer gut ist und mit Kündigung droht, wird er wohl auch auf etwas von seinem Einkommen verzichten, um diesen zu halten. Nicht alle Arbeitgeber sind reine Raubtiere.

    Tim.
     
  16. derzabel

    derzabel Riesenboiken

    Dabei seit:
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    Reichensteuer: meiner Meinung nach ein Skandal! Wie kann eine Regierung eine Regelung einführen, die in einiger Zeit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vom BVerfG kassiert wird. Eine solche bewusste Missachtung der Verfassung in einem westlichen Land ist unter aller Kanone.

    Dadurch, dass die gewerblichen Einkünfte zunächst nicht betroffen sein werden trifft es doch eh fast keinen - die Steuerberater freuen sich doch jetzt schon darauf ihren Mandanten Modelle zu bauen mit denen sie von dieser "Steuer" überhaupt nicht betroffen sein werden. Überhaupt kein Problem!

    Die Reichensteuer ist "Propaganda" sonst nix. Der "normale Bild/ BamS-Leser" soll befriedigt werden.

    Die "Regierung" sollte sich mal lieber um die unzähligen §§ kümmern die nicht europarechtskonform sind. Der EuGH wird da in nächster Zeit sicher noch die ein oder andere Entscheidung raushauen. Das wird dann richtig teuer. Man muss sich mal vorstellen wie hoch die Steuerausfälle sein werden wenn der EuGH z.B. sagt:"Außensteuergesetz verstößt gegen die Niederlassungsfreiheit" - und das wird so kommen.... Da kommen noch einige Probleme auf uns zu. Dazu liest man in den Zeitung aber leider nix. Dem EuGH ist bei solchen Entscheidungen übrigens egal, dass es den betreffenden Staat Milliarden kosten wird.

    Grundeinkommen sorry, aber totaler bullshit total illusorisch - So was kann man vielleicht im Takatuka-Land machen, aber nicht mitten in Europa. Die Steuergesetze werden mittlerweile im erheblichen Maße vom Europarecht beeinflusst - keine Chance

    Das stimmt nicht; durch die DBA wird das aufgeteilt - man muss nicht "alles in D versteuern" - und sich der "Besteuerung teilweise entziehen" geht auch nicht: das wäre dann Hinterziehung. Es ist eher so, dass selbst durch ein DBA eine Doppelbesteuerung nicht komplett verhindert wird.

    Das FA ist "schlauer" als man denkt. Die haben mittlerweile auch Computer. So leicht wie früher ist das in Zeiten der Vernetzung nicht mehr. Nahezu alle Staaten bei denen es sich lohnen würde Geld zu parken informieren die Finanzbehörden in D.

    Wenn man sich als Deutscher auf Malle nen Haus kauft übermitteln die spanischen Behörden das nach D. Die fragen dann wo plötzlich das Geld her kommt....
     
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  17. Timotheus

    Timotheus Gast

    Solange Du deinen Wohnsitz bzw. deinen gewöhnlichen Aufenthalt in D hast, nist Du mit deinem Welteinkommen in d steuerpflichtig. Hast Du deinen Wohnsitz im ausland oder deinen gewöhnlichen Aufenthalt, dann bist Du nur mit den Einkünften aus D in D steuerpflichtig, beschränkte Steuerpflicht. Aber ich glaube da sind wir uns einig. Mit teilweise entziehen meinte ich, dass eben einige ins Ausland ziehen und dann eben in D nur noch mit den deutschen Einkünften steuerpflichtig sind und nicht mehr mit allen Einkünften. In der ESt ist D immer noch ein Hochsteuerland, gerade im Vergleich zur CH.

    Eben diese Verfassungswidrigkeit macht mir ja auch Sorgen. Man rechnet damit, das eine Klage vor dem Ende nächsen Jahres nicht entscheiden werden kann und bis dahin will man ja die Unternehmenssteuerreform durchhaben und somit das Problem dann lösen. Bis dahin wäre das Gesetz aber schon verfassungswidrig.

    Gruß, Tim.
     
  18. moornebel

    moornebel Pomme Miel

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    Du scheinst Dich mächtig mit dem Thema auseinandergesetzt zu haben. Wie sonst kannst Du zu einer so fundierten Antwort kommen? o_O
     
  19. HG Butte

    HG Butte Riesenboiken

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    Ein gerechtes System käme dem Kirchoffschen schon sehr nache... nur würde ich keinen fix Wert nehmen, den Steuereinstiegswert z.b. 5000€ Jahreseinkommen dort beginnt die steuer mit 1% und geht in einer geraden bis zum Max wert 200.000 auf 15%. Alle das selbe, klar umrissen ..... keine Steuerberater .....

    ... Ich kenne Finanzbeamte und Steuerberater die gegen dieses System Propagandieren, oft heisst es man könne keine Unternehmen Gründen, wenn man keine Hilfe bekäme....

    ... Das ist falsch, Unternehmensgründungen gab es schon immer ... auch ohne unser Steuersystem ...

    ... Die staatl. subventionierte Unternehmensgründung ist eh verkehrt, entschuldigt meine ausdrucksform wenn ich nun behaupte, sie verhindert die "natürliche Selektion" der Unternehmer.
    Wir haben einen haufen jammerlappen auf Geschäftsführerposten, die es ohne staatliche hilfe nie geschafft hätten, und wenn sie zahlen sollen was sie selbst bekamen wird das geschrei groß.
    Die falsche subvention von Gründern führt auch zu Wettbewerbsverzerrung, und zur Gefährdung gesunder Struckturen.
    Wir brauchen Unternehmer die aufbauen und nicht betteln, die schaffen und nicht jammern.
    Ich kenne gesunde Unternehmer, und viele haben Angst das ihnen ein subventionierter vor die Füsse gesetzt wird. Erst geht das gesunde Geschäft Pleite, und wenn die Steuervorteile irgendwann eingestelllt werden auch das "Kranke".

    Ein weiters Problem unserer Steuer ist, daß unsere "Elite" sprich junge von Eltern finanziell wohlbehütetes Akademiker (wer vor dem Studium mal arbeiten durfte weiss obft was auf ihn zu kommt) auf einmal mit Auswandern drohen und von Unrecht reden, wenn sie mitbekommen, das eben der Check vom Chef nicht wie der Chef vom Papa 1 zu 1 auf dem Konto landet.
    So sollte liebe Frau Schawan, ein teil der Elitenförderung darin bestehn die soziale Kompetenz unsere "Elite" zu Fördern...
    Aber ich denke mal Frau Schawan schwebt da eher eine Idee vor welche manche Leute den Werten Geld und Gemeinschaft noch mehr entrücken wird.

    Eine Steuer, keine Löcher, und den verwöhnten Blagen mal erklären wo unser ganzer "Reichtum" verwurzelt ist.... meine Meinung


    MsG
    Butte
     
  20. derzabel

    derzabel Riesenboiken

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    ne habe ich auch nicht - das ist meiner Meinung nach verschwendete Lebenszeit. Es mag ja ein guter Ansatz sein, aber wir liegen nun mal mitten in Europa! Es ist leider kein "Wunschkonzert".
    Man kann sich viel "ausdenken" nur es muss halt auch praktikabel sein. Man sollte dabei alle Faktoren bedenken.
    Kirchhof schreibt in seinem Buch "wenn es weltweit ein einheitliches Steuersystem geben würde, wäre vieles leichter" - klasse! Solche Thesen kann ich auch aufstellen.

    Zu radikalen Reformen wird es -vielleicht- erst dann kommen wenn es hier zu noch größeren Problemen kommt.
    Man sollte sich vielleicht auch mal ein Beispiel am österreichischen Steuersystem nehmen....

    Zu einem großen Wurf wird es bei dieser Unternehmenssteuerreform sicher nicht kommen.
    Was machen sie denn? Den AfA-Satz in den ersten Jahren verdreifachen..... toll! genau das hat Eichel vor einigen Jahren abgeschafft So sieht´s doch aus.....

    Ich bin kein CDU´ler aber man hätte den Professor als Heidelberg mal machen lassen sollen, aber leider hätte auch er nur die Möglichkeit bekommen einige Teil zu bearbeiten - das kann man dann eh wieder vergessen. Die BILD und die "Giftliste".....


    Wann kommt hier endlich eine Diskussion über die Gewerbesteuer? ;)
     

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