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Kommentar: Apples schwacher Umgang mit Kommunikation

Michael Reimann

Geschäftsführung
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Kommentar: Apples schwacher Umgang mit Kommunikation



Es war schon eine ziemliche Welle, die da gemacht wurde. Hatten wir bisher immer nur die Vermutung, dass ältere iPhones mit neuen Betriebssystem-Versionen langsamer werden, gab es in den vergangenen Wochen dann Gewissheit. Nicht durch Apple natürlich. Ein unabhängiger Test zeigte, dass iPhones ab der Generation 6 offensichtlich vom Betriebssystem verlangsamt werden, wenn der Akku an die Grenze seiner Lebensdauer kam. Mit einfachen Worten: Altes iPhone mit altem Akku und neuem Betriebssystem wird nachweislich langsam.

Jetzt hat Apple auf den Druck der Kunden (es gibt bereits einige Sammelklagen) reagiert und entschuldigt sich in einem offenen Brief. Darin werden unter anderem die Zusammenhänge erklärt. Grob formuliert: Man will vermeiden, dass sich das Gerät bei leistungsintensiven Anwendungen spontan ausschaltet. Es folgt eine kurze Lehrstunde in Akku-Technik (Zusammengefasst: Akkus leben nicht ewig und sind von chemischen Prozessen abhängig) und dann die Ankündigung, dass man das bisherige Austausch-Programm vergünstigt. iPhones ab Generation 6 können nun bei Apple einen neuen Akku für 29 U$ bekommen. (Bisher wurden - wenn es überhaupt gemacht wurde - 79 U$ verlangt.)
Offener Brief ist keine Lösung


Man könnte jetzt denken, dass das ein netter Zug von Apple sei und man nun nicht mehr zum iPhone-Schrauber um die Ecke gehen oder gar selber Hand anlegen muss. Mit der Reduzierung auf 29 U$ passt Apple sich den aktuellen Straßenpreisen für solche Dienstleistungen an. Nein, es ist ganz und gar nicht nett von Apple und es ist auch kein fairer Zug. Es ist schlicht und ergreifend nur Schadens-Begrenzung.

Man hat ein - wie schon oft in der Firmengeschichte passiert - kommunikatives Chaos angerichtet, das man nun umständlich wieder einfangen muss. Auch wenn Apple in seinem Brief davon spricht, dass man niemals absichtlich und ohne das Wissen der Nutzer ältere Geräte künstlich verlangsamen und damit schneller altern lassen würde (geplante Obsoleszenz), ist es genau das, was jetzt passiert ist. Apple hat - welcher Motivation folgend sei mal dahingestellt - die Geräte mit der Software manipuliert und verlangsamt. In der klammen Hoffnung, dass es unentdeckt bliebe hat man den Vorgang nicht kommuniziert.

Ob der offene Brief jetzt dazu beiträgt, das Vertrauen wieder herzustellen, sei mal dahingestellt. Das Apple nun Akkus günstig austauscht ist sicher praktisch. Das man aber jederzeit wieder damit rechnen muss, dass Apple hinter den Kulissen - beziehungsweise unter der Haube - an den Geräten rumpfuscht, ohne den Nutzer zu informieren, scheint auch klar. Die Frage bleibt, ob Apple hier im Sinne seiner Abermillionen von Nutzern handelt, oder schlicht und ergreifend seinen Aktionären und den anstehenden Klagen genüge tun will. Wir werden es nicht erfahren. Denn es scheint ebenso in der vielzitierten DNA des kalifornischen Unternehmens zu liegen, aus Kommunikationspannen wie dieser nicht die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Apple lernt nicht dazu


Es ist nachhaltig erstaunlich, wie ein so großes Unternehmen wie Apple, dessen Geräte millionenfach im Einsatz sind, glauben kann, sie könnten Aktionen wie diese geheim halten. In einer Zeit in der auch noch der kleinste Fehler in Soft- und Hardware großflächig verbreitet wird und in einer Zeit, in der andere Unternehmen Millionen in Kommunikation mit den Kunden aufwenden, um genau solche Dinge zu vermeiden. Das das nicht in jedem Fall gelingen kann, sollte natürlich auch klar sein.

Dennoch würde ich mir für die Zukunft von Apple etwas mehr Professionalität im Umgang mit Situationen wie dieser wünschen. Was jetzt passiert ist, erinnert doch zu stark an einen beleidigten Steve Jobs, der nach dem „Antenna-Gate“ jedem Kunden einen kostenlosen (billig hergestellten) Bumper versprechen musste.

Immerhin bekommen Nutzer jetzt einen günstigen neuen Original-Akku und vielleicht damit auch ein wieder halbwegs attraktives iPhone. Bitte Apple, lernt dieses Mal und lasst es uns Nutzer wissen, wenn ihr uns helfen wollt. Wie heißt es doch ganz richtig: Tu Gutes und rede darüber. Damit meine ich sofort.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:

RebelSoldier

Zabergäurenette
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Wie ich unter einem anderen Beitrag zu diesem Thema schon geschrieben habe: An sich ist die Bremse ja kein verkehrtes Mittel, um ein ungewolltes Abschalten eines gealterten iPhone-Akkus zu verhindern. Die Idee dahinter ist gut.

Schön wäre aber gewesen, wenn man a) darüber vorher informiert würde (wie im Artikel hier auch geschrieben) und b) man dann noch selbst entscheiden könnte. Ein einfacher Schieberegler - gerne auch versteckt in den erweiterten Einstellungen - reicht doch vollkommen aus.

Naja... vielleicht geschehen ja irgendwann ja doch mal Wunder... :)
 
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MiLau

Alkmene
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Danke für den Artikel. Du sprichst mir aus der Seele. Ich selber merke das die Grenze meines Leidensdruckes schon fast erreicht ist. Beim iPhone X ist er schon überschritten da ich mich weigere mehr als 1000€ für ein Smartphone auszugeben. Auch der Anstieg der Häufigkeit von Problemen ist für mich erschreckend. Auch falls es ein subjektives Empfinden sein mag, das Gefühl ist aber da. Flapsig ausgedrückt: Minderwertige Produkte kann ich billiger bekommen.
 

doc_holleday

Roter Winterstettiner
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Je mehr ich darüber nachdenke, desto wahrscheinlicher erscheint mir, dass bezüglich der Akkus entweder ein grundlegendes Design-Problem besteht (Spielraum der Akku-Kapazität für das Gesamtsystem zu knapp gewählt) oder dass Apple den/die Akku-Zulieferer nicht ordentlich kontrolliert.

Würde Apple nicht davon ausgehen, dass der Fehler bei ihnen liegt, sondern die Ursache tatsächlich auf regulären Verschleiß zurückgehen, würden sie wohl kaum den Kunden mit einem solchen Preisnachlass „entgegenkommen“.

Unter der Annahme, dass eine Fehlentscheidung bei Apple die Ursache ist, ist es dem Kunden gegenüber schon eher frech, ihm dafür überhaupt Kosten aufzubrummen.
 

lospe

Gloster
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Meines Erachtens wäre es seitens Apple nicht verkehrt gewesen einfach eine Option in den Einstellungen einzuführen, die diese Drosselung ein- und ausschalten lässt. Das wäre aber vermutlich zu einfach gewesen.
 

Hendrik Ruoff

Gelber Richard
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Ich denke eher das die Akkus schon recht knapp bemessen wurden... jetzt nicht wegen der Kapazität sondern eher das Problem mit Leistungsspitzen von der CPU... und einfach der Alterungsprozess und/oder verschiedene Betriebstemperaturen (Stichwort kalt) nicht genügend berücksichtigt wurden mit zunehmenden Akku Alter...


Meines Erachtens wäre es seitens Apple nicht verkehrt gewesen einfach eine Option in den Einstellungen einzuführen, die diese Drosselung ein- und ausschalten lässt. Das wäre aber vermutlich zu einfach gewesen.
Und was soll dir das dann bringen?! Dir ist es also lieber wenn dein iPhone 10x Abstürzt?!
 
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doc_holleday

Roter Winterstettiner
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Die Drosselung selbst erachte ich persönlich als die einzig sinnvolle Maßnahme beim Status quo, bis der Akku getauscht wurde (YMMV).

Anstatt eines Schalters hätte ich eine Information durch iOS für sinnvoller erachtet (im Sinne von: hey, der Akku ist nicht mehr so fit, daher kann es zur Verlangsamung des Geräts kommen). Das hätte Apple auch gut machen können, ohne einen eigenen Fehler zuzugeben.

Und das machen sie ja wahrlich nicht gerne.

Häufig hat Apple ja recht mit seinem Denkansatz, dass sie besser wissen als der Nutzer, was der Nutzer eigentlich (an Informationen) braucht, um sein Gerät „sorgenfrei“ zu nutzen.

Manchmal geht das aber halt auch nach hinten los.
 
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Bimmer

Zuccalmaglios Renette
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Grundsätzlich kann ich dem Artikel zwar beipflichten, aber ich tue mich mit dem in diesem Zusammenhang geradezu inflationär genutzten Begriff der geplante Obsoleszenz schwer bzw. sehe dies deutlich anders.

Bei Wikipedia wird als Referenzbeispiel dafür ein Drucker angeführt, der nicht nach leerem Tintentank nach einer neuen Patrone verlangt, sondern nach dem Erreichen einer bestimmten Anzahl bedruckter Papiere.

Wenn ich Apple nun glauben schenken darf und mit dem eigenen, geringen Wissen bzgl. der allg. Akkutechnik darüber nachdenke, erscheint mir die Drosselung nicht als Obsoleszenz, sondern eher als lebensverlängernde Maßnahme für das iPhone.

Ich kann mir nicht vorstellen, das ein abstürzendes Gerät länger hält als ein Gerät, welches in der Performance in solchen Fällen gedrosselt wird, ganz im Gegenteil.

Just my 2 Cents
 
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lospe

Gloster
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Und was soll dir das dann bringen?! Dir ist es also lieber wenn dein iPhone 10x Abstürzt?!
Das würde insofern was bringen, dass der Nutzer immer noch selbst entscheiden kann, ob eine willkürliche "Schutzeinrichtung" ein- oder ausgeschaltet werden kann.
 

JD Ewing

Boskop
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Einen Beigeschmack hat die ganze Sache noch: Die Drosselung bleibt auch bei angeschlossenem Netzteil aktiv.
So kommt man gar nicht auf die Idee das es am Akku liegen könnte, man denkt einfach nur ich brauche ein neues Gerät.
 
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Frischluft

Blutapfel
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Naja, ob ich bei meinem iPhone 6 mit schlechtem Akku nun aktiv den Stromsparmodus aktivere, oder es von der Software übernommen wird, wen juckt es..

Wenn ich die Leistung des Gerätes abrufen will, brauche ich eben auch einen funktionierenden Akku, bringt ja auch nichts wenn das Gerät dann ständig ausfällt und abschaltet. Wenn ich den funktionierenden Akku nicht habe, muss ich in einen neuen Akku investieren. Oder gibt’s dann die nächste Klage, wenn das iPhone ständig ausgeht?

Ich verstehe das Drama um die Drosselung nicht so richtig.
 

doc_holleday

Roter Winterstettiner
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Das „Drama“ ist, dass die Drosselung nachträglich eingeführt wurde/werden musste, um die Nutzer nicht darüber informiert wurden, sondern es selbst heraus finden mussten.
 

forenwalter

Beauty of Kent
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Gut haben Sie keine Dieselfahrzeuge ! :)

Hoffen wir das sich das ganze mit den Akkus in Wohlgefallen auflöst.
 

kelevra

Vollbrechts Borsdorfer
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Je mehr ich darüber nachdenke, desto wahrscheinlicher erscheint mir, dass bezüglich der Akkus entweder ein grundlegendes Design-Problem besteht (Spielraum der Akku-Kapazität für das Gesamtsystem zu knapp gewählt) oder dass Apple den/die Akku-Zulieferer nicht ordentlich kontrolliert.
Ich denke eher das die Akkus schon recht knapp bemessen wurden... jetzt nicht wegen der Kapazität sondern eher das Problem mit Leistungsspitzen von der CPU... und einfach der Alterungsprozess und/oder verschiedene Betriebstemperaturen (Stichwort kalt) nicht genügend berücksichtigt wurden mit zunehmenden Akku Alter...
Da möchte ich mal folgenden Gedanken in den Raum werfen:

Eventuell hat man auch beim SoC auf Gedeih und Verderb mehr Leistung rausgeholt und die Effizienz ist auf der Strecke geblieben nur um bei der Präsentation der 6s Modelle ein "x% schneller als der Vorgänger" abgeben zu können.

Wie komme ich auf diese Idee: Wenn man sich die Kapazität der jeweiligen Akkus anschaut, sieht man, dass die bei den 6s Modellen zwar minimal kleiner geworden ist. Letztlich ist die Kapazität bei den aktuellen Geräten aber quasi auf gleicher Höhe. Ob die rund 200 mAh mehr bei den 7ern es ausmachen, wage ich zu bezweifeln, sind das ja "nur" 7% mehr. Ich würde mal die Behauptung aufstellen, dass man beim SoC der 6S Modelle entweder gepfuscht hat oder eben um jeden Preis mehr Leistung gegenüber dem Vorgänger haben wollte. Die geringere Kapazität und Komponenten die mehr Energie benötigen (etwas mehr RAM) kommen dann noch hinzu. Die SoCs der 7er, 8er und X Reihe sind ja doch deutlich anders aufgebaut (Small-Little-Prinzip) und somit auch deutlich effizienter zu betreiben.
 

JD Ewing

Boskop
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Ach, wer heimlich Leistung drosselt, der sorgt auch extra dafür das sich ältere Geräte nicht mehr ordentlich bedienen lassen... siehe ältere iPads etc., Tastatur nicht mehr brauchbar etc.
 
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NorbertM

Juwel aus Kirchwerder
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Meines Erachtens wäre es seitens Apple nicht verkehrt gewesen einfach eine Option in den Einstellungen einzuführen, die diese Drosselung ein- und ausschalten lässt. Das wäre aber vermutlich zu einfach gewesen.
Gibt es, nennt sich Powerbutton und führt genauso zur Abschaltung, wie ein altersschwacher Akku. :innocent:
 

RebelSoldier

Zabergäurenette
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Auch der Anstieg der Häufigkeit von Problemen ist für mich erschreckend. Auch falls es ein subjektives Empfinden sein mag, das Gefühl ist aber da. Flapsig ausgedrückt: Minderwertige Produkte kann ich billiger bekommen.
Dazu muss man allerdings auch sagen, dass heutzutage jeder Pups zu einem riesigen Problem gemacht wird und dass auch jeder (z.B. dank Smartphone) jederzeit und überall seinen Senf dazu geben kann. Das war früher definitiv anders.

Da Software von Menschenhand geschrieben wird, tauchen selbstverständlich Fehler auf. Auch beim Zusammenbau von Geräten tauchen Fehler auf. Das ist völlig normal und lässt sich einfach nicht verhindern. Unterscheid damals zu heute: Neben der viel schnelleren Kommunikation ("Berichterstattung") werden heutzutage auch viel mehr Geräte produziert. Somit nimmt die gefühlte Häufigkeit von Problemen zu.

Wichtig ist, dass der Hersteller reagiert. Bei einem Softwareproblem bspw. mit einem Update. Und das macht Apple immerhin noch. Und auch bei Hardware-Problemen habe ich Apple als einen sehr kulanten Hersteller kennengelernt.

Wenn du z.B. billigste Android-Geräte kaufst erhältst du nicht nur ein ab Werk bereits veraltetes Gerät, sondern auch keine Updates. Wenn du teure Geräte kaufst (z.B. die Flaggschiff-Modelle von Samsung) erhältst du immerhin so lange Updates, bis das neue Gerät vorgestellt wird. Danach nur noch sporadisch. Das schließt auch die monatlich erscheinenden Sicherheits-Updates mit ein.

Auf einer einigermaßen sicheren Seite bist du nur, wenn du die Pixel-Geräte von Google direkt kaufst. Die liegen preislich aber auch auf iPhone-Niveau. Und - zumindest gilt das für mich persönlich (weswegen ich auch zurück zu Apple gewechselt bin nach knapp 2 Jahren) - ich bin nicht bereit, Google so viel Geld in den Rachen zu werfen. Die verdienen schon genug mit meinen Daten. Dann doch lieber Apple, deren Hauptgeschäft zumindest nicht das Verscherbeln meiner Daten ist...
 
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Wertungen: FrankR