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Ein Apfel, zwei Bisse: Die datenhungrige Wolke

Ist das deutsche Grundgesetz denn auf amerikanischen Boden anwendbar? Allein die Merkel Handy Sache zeigt ja, dass unsere Regierung längst nicht von allem gewusst hat.
 
Ich beschränke meinen Vorwurf nicht auf den NSA. Und auch nicht auf deren Schnüffelei. Die "Big Brother Awards" beispielsweise sprechen eine deutliche Sprache. Vorratsdatenspeicherung, biometrische Merkmale in Pässen, Tötungskommandos auf der ganzen Welt... Und ich bin proteus sehr dankbar für seinen Vergleich: Wenn man westliche Demokratien mit einer blutrünstigen Diktatur wie Nordkorea vergleichen muss, um eine Abgrenzung in Richtung "noch größeren Unrechtsstaat" zu haben, dann ist ja wohl alles gesagt.

Ist das deutsche Grundgesetz denn auf amerikanischen Boden anwendbar? Allein die Merkel Handy Sache zeigt ja, dass unsere Regierung längst nicht von allem gewusst hat.

Nun, man kann sich jetzt aussuchen, ob sie naiv sind oder lügen. Und dass europäische Regierungen nicht wissen, dass Geheimdienste aller Staaten ungehemmt alles abgreifen, was über die Leitungen geht, halte ich für ein Märchen. Dass die Handlanger der Macht vielleicht geglaubt haben, sie wären immun und dass es also nur solange kein Skandal war, solange es "nur" 400 Millionen Bürger Europas betroffen hat und erst dann wieder "nicht beendet" war, als es eine der Mächtigen "getroffen" hat, ist auch schon sehr bezeichnend, oder?

Edit: Und sollte es tatsächlich stimmen, dass weltweit die Geheimdienste in Demokratien agieren, flächendeckend, ohne dass die gewählten Regierungen und der Souverän (zur Erinnerung: In echten Demokratien ist das das Volk, also _wir_ sind der Staat!) nichts von dem Treiben wissen, dann ist das nicht minder beunruhigend.
 
Mir sind ja die Geheimdienste ziemlich wumpe. Meine Aktivitäten dürften für die tatsächlich kaum interessant sein.

Aber wer gibt mir die Garantie, dass die Cloud-Anbieter nicht doch Geschäfte mit meinen Daten machen? Wie wird sichergestellt, dass sich nicht Unberechtigte Zugriff auf meine Daten verschaffen? Beispiele dafür gab es in der Vergangenheit reichlich (z.B. Adobe).

Was soll der chronisch Kranke machen, der seine Befunde und ärztl. Berichte in der Cloud gespeichert hat und plötzlich dubiose Absagen von potenziellen Arbeitgebern bekommt, weil diese "Erkundigungen" eingezogen haben?

Oder das immer wieder schöne Beispiel, dass Kriminelle mitbekommen, wann "Urlaubsreise" im Online-Kalender steht und dann gezielt dem zu Hause ein Besuch abstatten?

Der Fantasie der Missbrauchsmöglichkeiten ist da keine Grenze gesetzt.

Das lässt sich nur zuverlässig vermeiden, wenn man seine Daten nicht nach außen gibt. Früher wäre auch niemand auf die Idee gekommen, seine Aktenordner irgendwohin zu einer Firma auszulagern.
 
Früher hatte eine Familie aber wenn überhaupt nur einen Computer. Heute hat jeder seinen eigenen Rechner, dazu noch einen Minicomputer in der Hosentasche, vielleicht noch einen Zweitrechner, und nicht selten noch ein iPad dazu. Der Anwendungsfall ist heute einfach ein anderer. Dropbox, iCloud und Co erleichtern einem da das Leben einfach. Als ich nur einen Rechner und nichtmal ein Handy hatte war derartiges überflüssig...
 
Ich nutze beide großen Datensammler gleichzeitig, die iCloud von Apple und Google Sync. Alles immer aktuell und synchron, zu verbergen habe ich auch nichts. Für die Datenschutzparanoiden unter uns wird das wohl als Bequemlichkeit und Aufgabe gegenüber dem System angesehen, aber damit muss ich ja leben und nicht sie.

Es ist ja schön und gut, dass du selber damit keine Probleme hast. Mit deinem Verhalten aber schadest du auch all jenen Personen, deren Daten du in deinem Kalender und Adressbuch eingetragen hast und die ein Problem mit deinem Daten-Striptease haben. Es sind eben nicht alles deine Daten, die du da so tagtäglich mit der Welt teilst und synchronisierst. Es sind die Daten deiner Verwandten und Bekannten. Ob die das auch so lässig sehen wie du? Denk' mal darüber nach...
 
Hat man denn eine Wahl? Ich denke man hat nur die Wahl elektronische Helferlein zu nutzen und sich dessen bewusst zu sein, daß man nicht alles und jedes online mitteilt.

Was soll der Unsinn mit einem eigenen Server? Wer sagt mir daß das Ding nicht auch ne Hintertür hat. Oder schreibt hier jemand alle Programme und das Betriebssystem des Servers selbst?

Nun gut man kann ja auch die Daten verschlüsseln, aber was ist mit dem Endgerät auf dem ich die Daten nutze? Ist das jemals sicher?

Sicher kann ich mich bei Apple fühlen, wenn ich an Hobbyhacker denke.

Aber NSA und die anderen Geheimdienste können bei Bedarf immer mehr als Otto Normalverbraucher.
Man kann dem ganzen nur politisch beikommen. Indem man ihnen den Geldhahn zudreht. Aber dazu fehlt der Mehrheit der Bevölkerung der Wille. Die haben ganz andere Probleme, als jemand der sich für 600€ ein mobiltelefon kauft.
Wenn man diese Leute mitnehmen will muss man sich um ihre Probleme kümmern.
 
Damit hast du nicht so Unrecht. Das Problem ist tatsächlich, dass diese Welt an allen Ecken und Enden krankt und man kaum Luft bekommt, wenn man sich nur _überlegt_ welche Baustellen es gibt. (Das ist ja einer der Gründe für den totalitären Überwachungfetischismus der Bewahrer der Ungleichverteilung.)

Aber wir hier sind nicht in einem Forum von Amnesty International (wobei... die würden sich vermutlich für das Thema totalitärer Überwachungsstaat schon interessieren) oder Brot für die Welt sondern in einem IT-Forum zum Thema Apple.

Was deinen anderen Ansatz betrifft: Ich gehe davon aus, dass so gut wie kein Hersteller willentlich Hintertüren für Verbrecher einbaut. Wenn das so wäre, bräuchten sie die ganze aufwändige Technik nicht. Zudem würde es irgendwann auffallen. Apple im Speziellen vertraue ich auch soweit, dass sie die Daten nicht missbräuchlich verwenden. Das Problem ist nur: Apple ist nicht mein Schild. Staatlich lizensierte Verbrecher können problemlos eine "man in the middle"-Attacke aufbauen, sie können sich ja jedes Zertifikat ausstellen lassen und so tun, als wären sie der Apple-Server. Sie können auch einfach per Gerichtsbeschluss alle Daten einfordern. Ohne dass Apple es will, könnte Apple gezwungen sein, seine Kunden zu verraten.

Man darf es ganz einfach sagen: Das Internet ist kompromittiert. Full stop. _Alles_ was man über das Netz sendet, solange man keine End-to-End-Verschlüsselung hat, deren Schlüssel ein "pre shared key" ist, also nicht "zur Laufzeit" generiert oder ausgetauscht wird wie bei https-Verbindungen zum Beispiel, wo man der Gegenstelle per Zertifikat "vertrauen" muss (wie sollte man, wenn man weiß, dass der größte Feind jeden Zugriff auf die sogenannte "Vertrauensstruktur" in feindlicher Absicht hat) ist potentiell kompromittiert.

Das Internet, wie wir es jetzt haben, ist erledigt. Das hat auch die IETF erkannt. Politisch ist da wenig zu tun. Die Überwachung der Masse ist politisch gewollt. Gerade in einer EU, die die Vorratsdatenspeicherung wie ein Götzenbild in die nationalen Gesetzgebungen hinein zwingt, ist für mich ebensowenig ein Partner in Sachen Datenschutz wie die NSA.

Klar muss man politisch flankieren, aber im Kern der Sache muss man das Problem technisch lösen. Man muss den Verbrechern die Möglichkeit komplett nehmen, Daten auszuspähen. Nur dann ist man sicher.
 
Hat man denn eine Wahl?

Sicher kann ich mich bei Apple fühlen, wenn ich an Hobbyhacker denke.
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Keine Wahl hat man in einem autoritären System. Ansonsten hat man die freie Entscheidung.

Immer wieder hört man von Datendiebstahl bei großen Firmen. Wieso sollen Daten in der iCloud dann sicher sein?

Durch die Entfernung des Lokalen Sync will Apple mich zwingen, meine Daten in diese iCloud zu kopieren.

So autoritär ist Apple geworden !!

wir müssen denen zeigen,
wo der Hammer hängt!

http://m.youtube.com/watch?v=R706isyDrqI&desktop_uri=/watch?v=R706isyDrqI
 
[...]
- meine Anwesenheit daheim kennt
bzw. meine Wege bei Tag und Nacht
- meinen Schriftverkehr und meine Bilder kennt und meine Freunde erpressen kann [...]

Die Kalendereinträge müssen nicht zwingend deine Anwesenheit wiedergeben (kannst ja ein paar Fake Einträge machen).

Was hast du denn für Bilder von deinen Freunden, wenn man damit erpressen kann
 
Ich hoffe dass jeder, der sich lautstark über Cloud-Dienste und Daten im Web beschwert, seinen E-Mail-Verkehr brav verschlüsselt?
 
...Das Ergebnis ist eine Gesellschaft von Konsumzombies...
Diesen Punkt, so fürchte ich, haben wir längst erreicht.

Worum geht es denn in der heutigen Gesellschaft mit dem demokratischen Anstrich? Wie definiert sich gemeinhin der Erfolg eines Menschen? Warum steigt das Glücksgefühl der Menschen in unserer Gesellschaft im Verhältnis zur Höhe des Verdienstes? Freilich nur bis zu einer bestimmten Grenze, ab dann wird es stressig zuviel Geld zu haben...

Was treibt den Menschen an? Macht, Gier, Besitz oder Liebe, Rücksichtsnahme, friedliches Miteinander u.s.w.?

Warum ist der Mensch selber zur Ware geworden? Arbeitnehmer, obwohl er seine Arbeit gibt? Moderne Sklaverei ala Leiharbeit. Arbeitslose und sozial Bedürftige, die in den Ämtern Kunden genannt werden. Ein Gesundsheitssystem, welches darauf ausgerichtet ist, vorrangig wirtschaftlich rentabel zu arbeiten und erst
danach die Gesundheit des Menschen kommt. Alles nur kleine Beispiele.

Wachstum, Wachstum, Wachstum. Grundlage dafür ist der Konsum. Wer glaubt, dass in unserer Gesellschaftsordnung das Volk das Souverän ist, kann sich seiner Naivität glücklich schätzen.

Ich wäre auch gern so naiv, aber bin der festen Überzeugung, dass einzig und allein die Wirtschaft das Land regiert. Öffentlich repräsentiert durch Marionetten, die an den Fäden der Lobbyisten hängen.

Wir sind alle selber Schuld an dieser Entwicklung und ich sehe nicht, dass sich das ändern wird.
 
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Reaktionen: Guy.brush
Ich hoffe dass jeder, der sich lautstark über Cloud-Dienste und Daten im Web beschwert, seinen E-Mail-Verkehr brav verschlüsselt?

Ich hoffe, dass sich auch bei Behörden endlich mal das DE-Mailsystem durchsetzt. Aber für die ost das Internet offensichtlich immer noch Neuland ...
 
Ich hoffe, dass sich auch bei Behörden endlich mal das DE-Mailsystem durchsetzt. Aber für die ost das Internet offensichtlich immer noch Neuland ...
Ich hoffe inständig, dass genau das nicht eintrifft.

De-Mail ist eine einzige Katastrophe und absolut unsicher. Der Witz an der Sache ist, dass De-Mail per Gesetz als sicher deklariert wurde. Da kann man dann gleich morgen auch per Gesetz Krankheiten verbieten und so die Gesundheit der Bevölkerung nachhaltig steigern. :-)

Ich hoffe dass jeder, der sich lautstark über Cloud-Dienste und Daten im Web beschwert, seinen E-Mail-Verkehr brav verschlüsselt?
Keine Sorge, der gemeine Bundesbürger denkt nur über das Nach, was ihm die Massenmedien eintrichtern. Und das ist "Cloud ist böse", "Facebook nutzt Euch aus" und "die NSA hört mit". Sobald es aber um Terrorismus, GEZ (bzw. jetzt Rundfunkbeitrag) oder Kinderpornografie geht, sind Einschränkungen von Grundrechten und der große Lauschangriff plötzlich okay.

Dem mündigen Bürger ist es ebenfalls schwer vermittelbar, dass seine wirklich sensiblen Daten (also Finanzdaten, Krankenakten usw.) bereits seit eh und je in fremden Rechenzentren lagern - also praktisch auch irgendwie in der Cloud aus Sicht des Bürgers.
 
Genauso ist es. Mit Verzicht auf Clouds und Verschlüsseln der Mails ist es noch lange nicht getan.
Gegen die immer stärker um sich greifende Überwachung hilft noch nicht einmal der Komplettverzicht aufs Internet - und genau das ist es, was die Leute nicht kapieren. Wenn ein Geheimdienst beispielsweise einen Politiker, welcher unangenehm werden könnte (schwer vorstellbar; ich weiß...) kaputt machen will, dann stöbert der nicht in Facebook herum - dann sucht er gleich bei Finanzamt, Visa und Mastercard nach Verdächtigem. Und wenn er nichts findet, er-findet er was.
Und solche Macht in Händen von Organisationen zu wissen, welche niemandem Rechenschaft schuldig sind und ihre Rechte über den Grund- und Bürgerrechten wähnen... Wenn eine solche Vorstellung nicht gruselig ist, was denn dann?
Angesichts dessen ist es mE komplett unerheblich, ob mein Mailverkehr mit meinen Musikequipment-Händler verschlüsselt abläuft oder nicht.
 
Möchte mich hier nicht in die Diskussion über Staat, Recht und Gesetz einreihen, das dürfen gerne andere machen ;)


Habe gestern erst die Sendung
Apfeltalk LIVE! #16 | Overclouded gesehen und mir dazu auch meine Gedanken gemacht:

Anfangs habe ich mir auch überlegt, anstatt iCloud lieber owncloud mit eigenem Server zu nutzen. Aber was habe ich davon? Ich muss investieren (Server/Raspberry) und habe enormen Aufwand alles einzurichten und zu synchronisieren (das synchronisieren von Kalender und Kontakten soll auf iDevices nicht ohne sein).

Was habe ich für einen Nutzen? Klar, die Daten liegen auf meinem Rechner/Server. Aber sind sie dort sicherer als in Apples iCloud? Ich behaupte nein! Wenn sich jemand für meine Daten interessiert, wird es diesen Personen (inkl. NSA usw.) auch gelingen an meine Daten zu kommen. Ob die jetzt auf meinem Rechner liegen (der logischerweise im Netz ist) oder auf Apples Server. Die einzige Unterscheidung ist dann nur, wie leicht er/sie an die Daten kommt.

Von daher werde ich bei iCloud bleiben. Dort funktioniert alles auf Anhieb, ich muss mir keinen Server kaufen und diesen Server unterhalten/warten (Strom) und habe bisher keine Probleme bezüglich Synchronisation und Verfügbarkeit.
 
Immer wieder sehr schön, das Totschlagargument, man habe "ja nichts zu verbergen" zu lesen oder zu hören.
Sollte man doch davon ausgehen, dass selbst der hinterwäldlerischste Internet-Benutzer mittlerweile zu der Erkenntnis gekommen sein sollte, dass z. B. Kreditkarten-Daten, Bankverbindungen etc. pp. durchaus auch in falsche Hände geraten können, von Zugangsdaten und Passwörtern mal ganz zu schweigen.
Manchem mag es auch egal sein, wenn er seine Kontaktdaten ohne eigenes Zutun in irgendwelchen öffentlich zugänglichen Adressbüchern wiederfindet, mich nervt es aber gewaltig, dass ich in Facebook und weiß der Geier wo noch zu finden bin, obwohl ich da gar kein Konto habe.

So ein Unfug disqualifiziert den gesamten Beitrag.