Doch, genau das ist das Problem. Es gibt Geräte oder Waren, die man wirklich nagelneu haben will, originalversiegelt, und die kann man über Amazon wegen der schamlosen "Ausprobierkunden" oft nicht mehr bekommen, und ich bestelle deswegen manche Dinge gar nicht mehr. Im Einzelhandel nehme ich auch nicht das Ausstellungsstück wenn möglich, sondern frage nach einem originalverpackten.
Gerade bei empfindlichen Produkten weiss man ja nicht, was der Ausprobierer zu Hause damit angestellt hat. Dreimal runtergefallen sieht man nicht unbedingt, die Lötstellen sind trotzdem brüchig. Das hat also nichts mit Pingeligkeit zu tun.
Warum möchte man sich ein Produkt im Internet bestellen, wenn es vor Ort beim Händler (potentiell) zu erwerben wäre?
Weil man es günstiger haben will. Oder weil es verfügbar ist.
Wenn jeder Einzelhändler alles vorrätig halten wollte, wäre er nicht lange liquide und existent.
Alles im Leben hat seinen Preis; wenn ich tollen (Probier-)Service haben will, dann muss ich den eben auch zahlen wollen. Das Fernabsatzgesetz hat mit Sicherheit nicht implizieren wollen, dass alles was online bestellt wird sozusagen eine kostenlose Leihe ist für 4 Wochen.
Konkretes Beispiel: Habe mir vor 2 Wochen einen Olympus Foto bestellt. Kam an, nach wenigen Minuten war das Display defekt. Angerufen und direkter Zugang eines Austauschgerätes (neu) noch bevor ich das alte zurückgeschickt hatte. Das ist perfekter Service. Leider war das zweite auch defekt, was aber sicher nicht Amazon zu verantworten hat. Ergo empfahl man mir, den Foto im Rahmen der 4 Wochen-Frist zurückzuschicken (weil eine 2. Neulieferung so nicht vorgesehen ist) und den Foto nochmals zu bestellen. Das alles dauerte keine 5 Tage als Prime Mitglied.
Das ist absolut legitim und damit würde man sicher nicht gesprerrt werden, weil ich das Produkt ja weiterhin wollte, nur eben funktionsfähig. Wenn ich Kleidung kaufe, die in irgendeiner Form nicht passt, dann muss ich die zurückschicken können. Ich glaube auch nicht, dass es um Kunden geht, die 2 Paar Jeans in unterschiedlicher Größe kaufen. Das kann man übrigens sehr gut hädeln. Andere Versandhäuser machen einen Clip dran, wenn der abgeschnitten ist, wird nur noch getauscht, aber nicht komplett zurückgenommen. Ich kann probieren und wenn es nicht passt, dann kann ich zurückschicken. Mit dem Clip läuft man wohl nicht draussen rum.
Wenn ich Elektronik kaufe, dann MUSS es zumutbar sein, dass ich diese mal in der Hand halte, aber wenn ich die Schutzfolien abziehe, dann nutze ich den Artikel. Und dann geht ein Umtausch für mich nicht in Ordnung. Wenn man also Kunden einer kleinen Statistik unterwirft, wird es solche geben, die häufig tauschen, aber ein Produkt gegen ein anderes (zB in einer anderen Größe/Farbe) und solche, die bestellen und nicht kaufen wollen. Und die sollte man aussperren. Denn die ruinieren einen in meiner Ansicht exzellenten Anbieter mit perfektem Service.
Ich kann unzählige Beispiele nennen, wo sich Amazon weit mehr an den Kunden orientiert hat als sie müssten. Ich habe eine DVD Kollektion gekauft; 8 Tage später kam die als X-Mas Aktion 25€ günstiger. Ich rief an, ob ich meine im Rahmen des Rückgaberechts zurück schicken kann und neu bestellen. Die Dame meinte nur: Ich sehe, Sie sind guter Kunde, selbstverständlich müssen sie das nicht zurück schicken, ich schreibe Ihnen die Differenz gut.
Fazit für mich: Erstklassiger Service besiert auf Vertrauen und Gegenseitigkeit. Und damit dieser Service so bleibt, bin ich um jeden Schmarotzer froh, wenn er ausgeschlossen ist.
Mal am Rande: Ich habe in einem Beitrag weiter vorne gelesen, dass jemand 40 mal Retoure hatte. Ich bin ebenfalls Kind der ersten Stunde und bestelle pro Jahr für mehrere Tausend Euro, auch geschäftlich. Ich weiß nicht, wie man 40 Dinge zurückschicken kann, wenn sie nicht defekt waren. Das klingt für mich wie nach Aushöhlung des Systems: Am WE kommt Besuch, da leihe ich mir mal den Beamer...